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Löw treibt zur Arbeit - Müller: «Gefährliches Spiel»

Erasmia (dpa) - 15.06.2010, 16:06 Uhr

Thomas Müller lacht bei der Pressekonferenz der deutschen Mannschaft.
Thomas Müller lacht bei der Pressekonferenz der deutschen Mannschaft.

Das WM-Fieber steigt weiter, selbst Deutschlands Fußball-Prominenz ist inzwischen angesteckt - Joachim Löw und sein Personal aber haben den Schalter wieder auf harte Arbeit umgelegt.

«Es wird ein gefährliches Spiel, ein enges Ding», warnte der Münchner Thomas Müller vor der nächsten WM-Aufgabe der deutschen Nationalmannschaft am 18. Juni gegen unbequeme und robuste Serben, die nach einem 0:1 gegen Ghana schon mit dem Rücken zur Wand stehen. «Wenn wir 0:2 verlieren, werden wir wieder zerfleischt», verdeutlichte der 20-jährige Aufsteiger Müller, wie dicht überschäumende Euphorie und Enttäuschung weiter zusammen liegen.

Der Bundestrainer bat seine 23 Spieler um den neuen Liebling aller Deutschland-Fans, Mesut Özil, erstmals nach dem furiosen 4:0-Sieg gegen Australien wieder auf den Trainingsplatz. «Für uns heißt es, konzentriert zu bleiben und weiterzuarbeiten», sagte Löw und ergänzte entschlossen: «Ich habe Dinge gesehen, die wir verbessern können.» Auch nach dem international hochgelobten Auftakt plant der DFB-Chefcoach weiter detailbesessen. Das Training für Mittwoch legte er extra auf die Anstoß-Zeit des Serbien-Spiels um 13.30 Uhr. «Das ist für uns kein Problem», sagte Lukas Podolski.

Für den ehemaligen DFB-Teamchef Rudi Völler, der mit Uwe Seeler und Gerd Müller das DFB-Quartier in Erasmia besuchte, hat sich die erfrischend aufspielende deutsche «Jugend-Auswahl» schon jetzt für ganz Großes empfohlen. «Wir müssen bei dieser WM niemanden fürchten», bemerkte Völler, der trotzdem keine Gefahr des Abhebens sieht. «Die Spieler gehen vernünftig mit der Situation um. Jetzt wird es ein bisschen schwieriger. Aber mit der richtigen Einstellung wird auch dieses Spiel gewonnen und man steht schon im Achtelfinale», sagte Völler den zweiten WM-Sieg der schwarz-rot-goldenen Hoffnungsträger voraus.

«Jogi kann sich nicht zurücklehnen, aber entspannt auf die nächsten Spiele schauen», betonte «Rudi Nazionale» zur Situation für den Bundestrainer in Südafrika und sprach sich zugleich vehement für eine Fortsetzung der Ära Löw über die WM hinaus aus. «Es wäre doch schade, wenn jetzt andere die Früchte ernten», erklärte Völler mit Hinweis auf die tolle Arbeit seines Nachfolgers gerade bei der Integration der vielen Talente von Özil bis Toni Kroos. «Es gibt sehr große Möglichkeiten für die deutsche Nationalmannschaft.»


Erst einmal aber müssen sich Löw und seine jungen Wilden mit den aktuellen Aufgaben beschäftigen. «Jetzt kommen Mannschaften, die stärker sind, auch individuell besser besetzt. Deshalb ist es wichtig, die Dinge richtig einzuordnen», sagte der Bundestrainer, der mit seinem Chefscout Urs Siegenthaler Serbien bis ins letzte Detail analysiert hat. «Wir werden nicht jedes Spiel 4:0 gewinnen», übermittelte Deutschlands neuer Müller an die Fans zuhause.

«Die Euphorie ist größer als 2006», bemerkte der wiedererstarkte Podolski nach den vielen Rückmeldungen aus der Heimat. Sein Kollege Müller aber verdeutlichte die Lage. «Wir haben mit dem 4:0 gegen Australien noch nichts erreicht. Wir sind noch nicht Weltmeister, wird sind noch nicht qualifiziert und nicht die Übermannschaft.»

Doch die neue WM-Lust will sich niemand nehmen lassen. «Verstecken müssen wir uns nicht. Wir sind alle vom Fußball-Virus infiziert», berichtete Müller, den sein berühmter Vorgänger Gerd Müller besonders lobte. «Er ist mein Stürmer Nummer 1. Er kann links wie rechts schießen, mit dem Kopf spielen und haut auch aus 20 Metern drauf», schwärmte der «Bomber der Nation» über den jungen Müller.

Kapitän Philipp Lahm sieht den ersten spektakulären Auftritt weniger als Zeichen für die Konkurrenz, sondern vielmehr als Bestätigung für den eigenen Umbruch. «In erster Linie spielen wir für uns. Wir müssen uns wieder vorbereiten und im nächsten Spiel wieder so mutig nach vorne spielen. Konzentriert, defensiv organisiert - dann haben wir auch gegen Serbien sehr gute Chancen, den nächsten Dreier einzufahren», betonte der Münchner vor der Partie im Stadion Nelson Mandela Bay von Port Elizabeth.

Der Vorteil des jungen Teams soll gegen die unbequemen Serben wieder ausgespielt werden. «Wir sind schwer ausrechenbar», betonte Routinier Arne Friedrich. So könnte der Bundestrainer auch mit einer Umbesetzung in der Startelf überraschen. «In der Defensive wechselt man weniger», sagte Löw: «In der Offensive kann es sein, dass ich auch mal sage, der Spielertyp ist besser geeignet für den Gegner.»

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