Auf geht's: «Stunde der Wahrheit» für Löws Jungs
Durban (dpa) - 12.06.2010, 20:24 Uhr
Lukas Podolski (vorne) und Marco Marin sprinten um die Wette.
Jetzt gilt's! Bei der Anreise zum ersten WM-Spiel in Südafrika hatte die deutsche Mannschaft noch Verspätung, gegen Australien aber will Joachim Löws Youngster-Truppe ohne Verzögerung Gas geben. «Man merkt auch bei den Spielern, dass sie jetzt in den Wettkampf wollen», erklärte der Bundestrainer vor der «Stunde der Wahrheit», wie Teammanager Oliver Bierhoff die Partie gegen den defensivstarken Gegner einordnete. «Das viele Lob muss jetzt bewiesen werden», betonte der ehemalige DFB-Kapitän. Die Chartermaschine von Pretoria nach Durban hob 80 Minuten später als geplant ab, auf dem Spielfeld aber soll alles glatt laufen. Der Bundestrainer sieht sich und sein Team bestens gewappnet für das 50. Länderspiel unter seiner Leitung. «Alle Spieler sind fit und einsatzbereit. Wir haben uns eine gute Form erarbeitet», sagte Löw nach dem Abschlusstraining im 70 000 Zuschauer fassenden Moses Mabidha Stadium.
Überaus zufrieden zeigte er sich mit den Bedingungen am Indischen Ozean. Auch am Abend herrschten dort noch angenehme 20 Grad, die Arena sei «toll» und der Rasen sei «sehr gut bespielbar», kurzum: «Es ist ideal, um Fußball zu spielen.» Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel schickte beste Wünsche und setzte das Nationalteam mit einem 2:0-Siegtipp für die erste Partie noch ein Stück mehr unter Druck. «Alle Spieler haben extrem hart gearbeitet», lobte Löw den Einsatz seiner Mannen in den vielen Trainingseinheiten seit der Zusammenkunft am 12. Mai. «Alle wollen zeigen, was sie können», ergänzte der Bundestrainer. |
Das bestätigte Kapitän Philipp Lahm: «Wir sind froh, dass endlich auch unsere Auftaktpartie ansteht. Darauf haben wir hingefiebert», sagte der Münchner, der fast schon euphorisch von der besten deutschen Nationalmannschaft sprach, seitdem er selbst dazugehört. «Das soll ausdrücken, dass er großes Selbstbewusstsein hat», kommentierte Bierhoff die mutige Lahm-Aussage, die auch Stimmung und Erwartungen vor allem bei der U 21-Europameister-Fraktion der Neuer, Özil und Co. widerspiegelt. Ob die jugendliche Unbekümmertheit, die Frische und der propagierte Optimismus im Konzert der Weltbesten tatsächlich schon die Unerfahrenheit des durchschnittlich knapp 25-jährigen Kaders ausgleichen können, muss sich schon gegen die robusten Australier zeigen. «Wir haben nicht viel Zeit, wir müssen die Leistungen jetzt abrufen. Gerade das Auftaktspiel ist für unsere junge Mannschaft eine harte Sache», mahnte Bierhoff. Nach dem Abschlusstraining wollte Löw in Einzelgesprächen mit den Spielern nach und nach die Geheimnisse um die Startelf lüften, die eigentlich keine Überraschungen mehr sein können. Alles deutet darauf hin, dass der Bundestrainer in Durban jene Elf aufbieten wird, die schon bei der WM-Generalprobe gegen Bosnien-Herzegowina (3:1) erste Wahl war. Im Tor wird der Schalker Manuel Neuer stehen, der auf sein WM- Debüt brennt: «Ich habe ein gesundes Selbstbewusstsein und weiß, dass ich meinen Mann stehen werde», sagte er nach der letzten Übungseinheit. Vor ihm werden Lahm, Mertesacker, Friedrich und Badstuber die Abwehrreihe bilden. Das Mittelfeld stellen Khedira, Schweinsteiger, Trochowski, Özil und Podolski, die zentrale Spitze ist Miroslav Klose. Erst in einer längeren Sitzung am Spieltag werde er «der Mannschaft die Aufstellung bekanntgeben», kündigte Löw an. Im rechten offensiven Mittelfeld ist am ehesten ein Wechsel möglich, falls sich Löw doch noch für den aufstrebenden Münchner Youngster Thomas Müller und gegen den Hamburger Piotr Trochowski entscheidet. «Die Atmosphäre ist gut. Aber man merkt, dass keiner dem anderen etwas schenkt», beschrieb Bierhoff das Binnenklima. Gegen die Australier müssen sich die Fans in der Heimat, die auf ein ähnlich stimmungsvolles Fest wie 2006 in Deutschland hoffen, wohl auch in Geduld üben. «Sie können gut zerstören», sagte Löw über den Gegner. Lahm & Co. haben viele Videos studiert. «Da haben wir gesehen, wie stark die Australier sind. Sie haben in den letzten 27 Spielen 17 mal zu Null gespielt. Das zeigt, wie konsequent sie in der Abwehr sind, wie hart sie zur Sache gehen», bemerkte Bierhoff. Australiens Trainer Pim Verbeek verhehlte nach dem letzten Training in Durban seine Taktik nicht: «Erstmal geht es darum, Tore zu verhindern», erklärte er. Löw will mit Offensive dagegen halten: «Wir wollen versuchen, zu agieren, um Australien in Verlegenheit zu bringen.» Ziel sei es, «schnell nach vorne zu spielen». Das deutsche Team ist vom Auftaktsieg überzeugt. Zusammenhalt wird nicht nur gepredigt, sondern auch nach außen dokumentiert. Spieler, Trainer und Betreuer tragen ein schwarz-rot-goldenes Glücksband am Arm. «Wir haben eine spielstarke Mannschaft, die Chancen kreieren kann. Wir haben mehr Spieler, die sich im Eins-gegen-Eins durchsetzen können, die technisch und taktisch gut sind», betonte Lahm. Der Beweis muss nun gegen Australien sowie in den anschließenden Gruppenspielen gegen Serbien und Ghana folgen.
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