Australien, Serbien und Ghana - die unbequemen Gegner in Gruppe D sollen nicht zum Stolperstein werden. «Ich will die Erwartungen nicht zu hoch schrauben, aber wir brauchen uns vor niemandem zu verstecken», glaubt Ehrenspielführer Uwe Seeler: «Das Halbfinale traue ich der Mannschaft auf jeden Fall zu.» Rudi Völler, der die DFB-Elf als Teamchef 2002 in Japan und Südkorea ins Finale führte, beschwört einmal mehr die typisch deutschen Tugenden: «Es geht darum, klassisches deutsches Turnierverhalten zu zeigen.» Rennen, kämpfen, Teamgeist. Die individuell besten Spieler kann Deutschland im Reigen der 32 teilnehmenden Länder nicht aufbieten. «Wenn das ein Rezept wäre, wären wahrscheinlich Brasilien oder vielleicht Spanien Seriensieger bei diesen Turnieren», bemerkte Löw. «Es geht darum, das beste Team zu formen», glaubt der Bundestrainer. Angeführt wird dieses wieder vom 33-jährigen Ballack, der seine dritte Weltmeisterschaft spielt und seine Karriere endlich mit einem internationalen Titel vergolden will. «Michael kann ein Star des Turniers werden, weil er einfach mal dran ist», meinte Völler. Ballack, Klose, Lahm, Schweinsteiger, Mertesacker - das sind für Löw die tragenden «Säulen» eines Teams, das jung und dynamisch, aber auch in großen Teilen international unerfahren ist. «Sie führen und leiten die Mannschaft», bemerkte Löw über seine Leitfiguren. Schon die Auswahl des Personals für Südafrika sorgte einmal mehr für heiße Diskussionen. Löw setzt nicht mehr auf die Routine eines Torsten Frings, holte den von ihm verbannten Torjäger Kevin Kuranyi trotz guter Leistungen nicht ins Nationalteam zurück und verzichtete auch auf eine spektakuläre Rückholaktion von Torhüter Jens Lehmann. Nach dem Ausfall des Leverkuseners René Adler stand Löw beim Start in die Turniervorbereitung sogar urplötzlich ohne eine Nummer 1 da. Die erste WM auf afrikanischem Boden wird in vielerlei Hinsicht auch für den turniererfahrenen Deutschen Fußball-Bund (DFB) eine besondere Herausforderung. Im deutschen Sommer herrscht Winter am Kap. Es wird früh dunkel, am Abend kann es Minusgrade geben. Und es gibt den besonderen Sicherheitsaspekt, der die Mannschaft die meiste Zeit ins abgelegen bei Pretoria liegende Quartier zwingen wird. «Atmosphärisch wird das Turnier einen unglaublichen Stellenwert haben», prophezeite Löw dennoch. Schon beim Testlauf Confederations Cup sammelte er 2009 vor Ort viele persönliche Eindrücke. «Es wird eine unglaublich emotionale, stimmungsvolle, bunte und farbenfrohe WM», glaubt der Bundestrainer. Sizilien, Südtirol, Südafrika - von der Vorbereitung in den beiden Trainingslagern im Land des amtierenden Weltmeisters Italien bis hin zum Ernstfall am Kap hat Löw einen ausgeklügelten Masterplan für die WM erstellt. Die deutsche Mannschaft soll sich vor der Welt als guter Botschafter Deutschlands präsentieren - nicht nur auf dem Platz. «Ich erwarte, dass wir uns korrekt verhalten nach außen und nach innen. Wir repräsentieren 80 Millionen Deutsche», betonte der 50-Jährige.
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