Löw startet WM-Countdown - Neuer legt im Tor vor
Düsseldorf (dpa) - 11.05.2010, 15:05 Uhr
Joachim Löw braucht für die Tätigkeit als Bundestrainer Grundvertrauen in seine Arbeit.
Joachim Löw startet voller Vorfreude den WM-Countdown - und Manuel Neuer darf sich gegen Malta schon einmal probeweise als Nummer 1 im Tor empfehlen: 32 Tage vor dem ersten Ernstfall in Südafrika gegen Australien nimmt das DFB-Team die WM-Titelmission in Angriff. «Wir freuen uns, dass es nach langen Vorbereitungen und einigen wichtigen Entscheidungen für uns mit dem Spiel gegen Malta losgeht und wir aktiv in die Vorbereitung eingreifen können», sagte der Bundestrainer vor der Zusammenkunft seines Rumpfkaders in Düsseldorf. Der 50-Jährige wird nicht nur bei dem Benefizspiel gegen die Malteser zum Improvisieren gezwungen sein. Angeführt von Kapitän Michael Ballack, der selbstbewusst das Finale zum «WM-Ziel» erklärte, fehlen zu Beginn der Vorbereitung gleich zwölf Akteure aus dem vorläufigen 27 Spieler umfassenden WM-Aufgebot.
Der starke, siebenköpfige Bayern-Block wird sogar erst zwei Tage nach dem Champions-League-Finale (22. Mai) und damit im zweiten Trainingslager in Südtirol das Team komplettieren. «Es gibt Spieler, die zu verschiedenen Zeiten und Phasen zu uns stoßen. Das macht die Gestaltung der Trainingsinhalte nicht einfach», sagte Löw zu der für ihn schwierigen Situation. Die ungewisse Zukunft von Chefcoach Löw und der kompletten sportlichen Leitung dagegen ist für Manager Oliver Bierhoff kein Störfaktor. Weder für den Bundestrainer, noch für dessen Stab oder das Team sei das ein Problem, «anders als in einem Verein, wo der Spieler sagen könnte: Noch drei Spiele, dann ist der weg», machte Bierhoff im «Tagesspiegel» deutlich. Vor allem das sportliche Abschneiden werde entscheiden: «Der größte Störfaktor wäre der Misserfolg bei der WM, denn rein sachlich kann man an unserer Arbeit seit sechs Jahren nicht ruckeln», unterstrich Bierhoff. |
Die sieben Bayern (Butt, Lahm, Schweinsteiger, Badstuber, Müller, Klose, Gomez) treffen zunächst am 15. Mai im DFB-Pokalfinale in Berlin auf die vier Bremer WM-Fahrer Wiese, Mertesacker, Özil und Marin. Kapitän Ballack steht am selben Tag mit dem FC Chelsea im englischen Pokalfinale gegen den FC Portsmouth. Derartige Höhepunkte und Titelchancen hätten aber auch eine positive Seite, betonte Löw: «Es ist gewährleistet, dass diese Spieler in ihren Vereinen bis zur allerletzten Minute unter Hochspannung stehen.» Ballack vertraut auf Deutschland als typische Turnier-Mannschaft. «Wir werden eine hervorragende Mannschaft haben», erklärte der 33-Jährige kurz vor seiner dritten und wohl letzten WM-Teilnahme. «Es ist ein Team, das im Turnier Steigerungspotenzial hat», glaubt er. Beim erwarteten Warmschießen gegen den Weltranglisten-154. Malta wird allerdings eine Mannschaft auf dem Platz stehen, die es so bei der WM nicht geben wird. Löw kann das Benefizspiel, das Erlöse von rund fünf Millionen Euro für die Egidius-Braun-Stiftung und weitere soziale Projekte des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) einbringen soll, vor allem dazu nützen, Wackelkandidaten für Südafrika zu testen. Denn bis zum 1. Juni muss er noch vier Akteure aus dem Kader streichen. Dennis Aogo, Piotr Trochowski, Andreas Beck, Toni Kroos - vom ersten Tag an soll ein heißer Kampf um die 23 Südafrika-Tickets und die noch begehrteren Plätze in der ersten WM-Elf entbrennen. «Wir erwarten von den Spielern hundertprozentige Konzentration im mentalen Bereich, dass taktische Dinge umgesetzt werden, Aufgaben angenommen werden. Wir erwarten eine hundertprozentige Bereitschaft im körperlichen Bereich, weil bei einem Turnier jeder absolut an die Grenzen gehen muss», beschrieb Löw das Anforderungsprofil. Aufgefüllt wird der Rumpfkader gegen Malta durch die vier Perspektivspieler Kevin Großkreutz, Mats Hummels (beide Dortmund), Stefan Reinartz (Leverkusen) und Torwart Tobias Sippel (Kaiserslautern). Löw will «fast alle» Neulinge im A-Team debütieren lassen, danach beginnt für sie der Urlaub. Der Gladbacher Marco Reus musste wegen einer Muskelverhärtung absagen. Im heißen Torwart-Dreikampf mit dem Bremer Tim Wiese und Bayerns Meister-Keeper Hans-Jörg Butt kann der favorisierte Schalker Manuel Neuer vorlegen. «Ich weiß nicht, ob es ein Vorteil ist, als einziger Torwart von Beginn an dabei zu sein», sagte Neuer: «Aber ich glaube schon, dass ich die Nummer 1 werden kann.» Auch Kapitän Ballack ist gespannt, wer das Rennen nach dem bitteren Ausfall von René Adler (Rippen-OP) machen wird. «Es ist immer schwer, wenn man den Stammtorwart kurz vor so einem Turnier verliert», sagte Ballack: «Doch alle drei sind hervorragende Torleute.» Seinen persönlichen Favoriten verriet er nicht: «Das wird der Trainer entscheiden.» Löw lässt die Torwart-Frage offen, genauso hält er es mit der persönlichen Zukunft. Nach der geplatzten Vertragsverlängerung mit dem DFB hat er aber zumindest einen direkten Anschluss-Job ausgeschlossen. «Falls es so kommen sollte und ich den DFB verlasse, wäre es für mich absolut undenkbar, sofort bei einem Club anzufangen», äußerte Löw im WM-Sonderheft der «Sport Bild». Voraussichtliche Aufstellungen zu Deutschland - Malta: Deutschland: Neuer (Schalke 04/24 Jahre/2 Länderspiele) - Boateng (Hamburger SV/21/3), Tasci (VfB Stuttgart/23/10), Westermann (Schalke 04/26/17), Aogo (Hamburger SV/23/0) - Träsch (VfB Stuttgart/22/1), Khedira/VfB Stuttgart/23/2) - Trochowski (Hamburger SV/26/28), Kroos (Bayer Leverkusen/20/1), Podolski (1. FC Köln/24/70) - Kießling (Bayer Leverkusen/26/3) Malta: Haber (Ferencvaros Budapest/28/37) - Muscat (Sliema Wanderers/25/11), Agius (AS Melfi/23/12), Scicluna (FC Valetta/30/26), Caruana (Hibernians/23/10) - Briffa (FC Valetta/28/47), Cilia (FC Birkirkara/27/2), Pace (FC Valetta (33/35), Fenench (Sliema Wanderers/24/15) - Mifsud (FC Valetta/29/73), Bogdanovic (FC Barnsley/30/27) Schiedsrichter: Hamer (Luxemburg)
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