Michael Ballack will die WM in Südafrika zu einer Erfolgsstory für den deutschen Fußball machen. «Ziel ist: Wir wollen wieder ins Finale», sagte der Nationalmannschaftskapitän am Rande des Abschiedsspiels für den ehemaligen Weggefährten Bernd Schneider in Leverkusen.
«Wenn man wie 2006 im Halbfinale das Endspiel ganz knapp verpasst hat und Dritter wurde, muss dies das Ziel sein», kündigte der 33-jährige Mittelfeldstar an. Trotz zuletzt mäßiger Leistungen in Länderspielen, Formschwankungen von Spielern und Verletzungspech ist er davon überzeugt, dass der von Bundestrainer Joachim Löw nominierte Kader zur schlagkräftigen Truppe wird. «Alle, die dabei sind, haben es verdient. Wir werden eine hervorragende Mannschaft haben», meinte Ballack. «Es ist ein Team, das im Turnier Steigerungspotenzial hat.»
Diplomatisch gab er sich bei der Frage, wer für den verletzten René Adler die Nummer eins im deutschen Tor sein soll - Manuel Neuer (Schalke), Tim Wiese (Bremen) oder Hans-Jörg Butt (Bayern München)? «Das wird der Trainer entscheiden», sagte Ballack. «Es ist immer schwer, wenn man den Stammtorwart kurz vor so einem Turnier verliert. Doch alle drei sind hervorragende Torleute.»
Beim WM-Testspiel in Aachen gegen Malta wird der England-Legionär fehlen, da er mit dem FC Chelsea zwei Tage darauf im Finale des FA-Cups gegen den FC Portsmouth antreten muss. «Wir wollen das Double, das erste in der Vereinsgeschichte. Und wir sind sicher die Favoriten», sagte Ballack, der mit Chelsea bereits englischer Meister geworden ist. «Wir haben lange Anlauf genommen, aber wir haben es verdient», urteilte Ballack, dessen Vertrag in Chelsea ausläuft.
«Ich würde gerne bleiben, Chelsea ist ein hervorragender Club und es gibt noch hohe Ziele», sagte Ballack, der in diesem Jahr mit dem Londoner Verein das Champions-League-Finale verpasste. Die Vertragsgespräche vertagte der FC Chelsea auf kommende Woche. «Ich will das nicht bewerten, aber ich bin ablösefrei», sagte er. Mit einem Schmunzeln quittierte er die Gerüchte um einen möglichen Wechsel zum deutschen Vize-Meister Schalke 04. Und auf die Bemerkung eines Journalisten, ob ein Engagement bei den «Königsblauen» noch etwas warten könne, entgegnete er: «Auf jeden Fall, ein bisschen.»
Trotz des Termin-Stresses in England zwischen Titelgewinn und FA-Pokal sowie anstehender Vertragsverhandlungen hat es sich Ballack nicht nehmen lassen, Bernd Schneider mit einem Fünf-Minuten-Auftritt im All-Star-Team, das 6:5 gegen Bayer gewann, von der Fußball-Bühne zu verabschieden. «Für mich war es eine Selbstverständlichkeit für einen hervorragenden und menschlich so sympathischen Spieler zu kommen», erklärte Ballack. Zusammen mit Schneider hatte er Bayer 04 Leverkusen 2002 ins Champions-League-Finale geführt und war im gleichen Jahr Vizeweltmeister geworden.
«Hut ab, dass er gekommen ist», freute sich Schneider, der bei seinem letzten Auftritt vier Tore schießen durfte. Von den rund 20 000 Zuschauern wurde ihm mit Ovationen und Sprechgesängen ein emotionales Karriereende bereitet. «Das hat mich stolz gemacht. Die Augen waren feucht», bekannte der 81-malige Nationalspieler gerührt. «Es tut immer weh, wenn man aufhören muss.»
Nach zehn Jahren als Profi in Leverkusen wird er im Juni in seine Heimatstadt Jena zurückkehren. «Man kann davon ausgehen, dass ich ein Standbein im Fußball behalte», kündigte Schneider an, der auch eine Trainer-Laufbahn nicht ausschließt. Zunächst will «Schnix», der Fußballer aus Leidenschaft, aber die WM aus der Ferne genießen. «Ich möchte mit dem Deutschland-Trikot auf eine Fan-Meile gehen. Das konnte ich als Spieler ja nie», sagte Schneider.