Butt würde indes den Bayern-Block vergrößern, auf den Löw ohnehin bei der Weltmeisterschaft in Südafrika setzen muss. «Jörg ist mit uns deutscher Meister geworden. Die Erfahrung spricht für ihn», hob Teamkollege Philipp Lahm die Vorzüge von Butt hervor. Der Torwart hatte bislang im Juni seinen Urlaub geplant. Bis zu Adlers Pech war die WM «kein Thema» für ihn, wie er noch erklärt hatte. Butt war vom FC Bayern eigentlich zum Pressegespräch angekündigt worden, wurde aber kurzfristig wieder von der Besetzungsliste gestrichen, um «nicht herumeiern» zu müssen, wie es hieß. «Der Trainer und Jörg müssen das entscheiden», erklärte Lahm vielsagend zu einem offensichtlichen WM-Angebot für Butt. Löw könnte den Adler-Ersatz Butt nicht von vornherein als Nummer 3 ausrufen, die der Routinier schon bei zwei Turnieren (EM 2000, WM 2002) war. Und auch das Rennen um die Nummer 1 zwischen Neuer und Wiese dürfte der Bundestrainer offen lassen. Mit drei Länderspielen ist Butt, der zuletzt am 1. Juni 2003 beim 4:1 gegen Kanada in Wolfsburg 45 Minuten das deutsche Tor hütete, sogar erfahrener als die beiden Nummer-1-Kandidaten Neuer und Wiese (je 2). «Über die Torhüter brauchen wir uns keine Sorgen zu machen bei der WM», meinte Lahm trotz der geringen Länderspiel-Erfahrung aller drei Keeper. Problematisch für Löw scheint vielmehr, dass die Bayern-Spieler erst mit zwölf Tagen Verspätung am 24. Mai, zwei Tage nach dem Champions-League-Finale gegen Inter Mailand, in die Vorbereitung einsteigen werden. «Eine deutsche Mannschaft hat stets ausgezeichnet, dass sie sich gut vorbereiten konnte», bemerkte dazu selbst Lahm. Der Abwehrspieler empfahl Löw dennoch, voll auf die Münchner zu setzen: «Wir sind Meister und im Champions-League-Finale - da spricht einiges für einen Bayern-Block.» Neben den Fix-Startern Lahm, Bastian Schweinsteiger, Miroslav Klose, Mario Gomez und Senkrechtstarter Thomas Müller könnte auch noch Badstuber auf den WM-Zug aufspringen. Weil neben den Bayern-Profis auch die Bremer Pokalfinalisten und Kapitän Michael Ballack beim ersten Testspiel gegen Malta am 13. Mai sowie zu Beginn des Regenerations-Trainingslagers in Sizilien fehlen werden, wird Löw mehr als 23 Akteure berufen. Wie vor der EM 2008 deutet sich ein erneutes Turnier-Casting mit rund 26 Akteuren an, was Lahm als leistungsfördernd bezeichnete: «Im Training ist dann viel Feuer und Tempo drin.» Bis zum 11. Mai muss Löw dem Weltverband FIFA eine Liste mit maximal 30 Spielern benennen, die endgültig am 1. Juni auf 20 Feldspieler und drei Torhüter reduziert werden muss. Schon bei der heißdiskutierten Absage an Schalke-Stürmer Kevin Kuranyi bewies Löw, welche Kriterien er anlegt. «Alles ist unserer Spielerphilosophie untergeordnet», hat der 50-Jährige immer wieder betont. Verdienste im Nationalteam wie bei Klose und Lukas Podolski können mehr wiegen als Topleistungen im Verein. Zittern um ihr WM-Ticket müssen Wackelkandidaten wie der Lazio- Rom-Reservist Hitzlsperger oder auch der Hamburger Piotr Trochowski. Dessen Vereinskollege Marcell Jansen hofft, nach einer Fußverletzung doch noch mitfahren zu dürfen. Zudem muss Löw auf Perspektivspieler aus der U 21 wie den Dortmunder Mats Hummels oder Schalkes Benedikt Höwedes sowie einen Torwart zurückgreifen, um die großen personellen Lücken beim WM-Test gegen Malta zu schließen. «Na klar, ist man gespannt auf die Nominierung», sagte Lahm, aber er fügte auch hinzu: «Das wird ja noch nicht der endgültige Kader sein.» Der mögliche erweiterte deutsche WM-Kader mit 26 Spielern: Tor (3): Neuer, Wiese, Butt Abwehr (8): Badstuber, Boateng, Friedrich, Lahm, Mertesacker, Schäfer, Tasci, Westermann Mittelfeld (10): Ballack, Jansen, Khedira, Kroos, Marin, Müller, Özil, Schweinsteiger, Träsch, Trochowski Angriff (5): Cacau, Gomez, Kießling, Klose, Podolski Auf Abruf in der 30-Mann-Liste: Beck, Gentner, Hitzlsperger, Weidenfeller
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