Löw wird seinen zunächst erweiterten WM-Kader von mehr als 23 Akteuren am 6. Mai in Stuttgart benennen. Bereits vor dem «Sommermärchen» 2006 hatten Klinsmann und sein damaliger Assistent Löw den Angreifer wegen unprofessioneller Einstellung in letzter Minute aus dem WM-Kader gekippt. Am für Schalke trainingsfreien 3. Mai zog sich Kuranyi, dessen Zukunft auf Vereinsebene unklar ist, mit viel Frust im Bauch zurück. Auf seiner Internet-Seite teilte er seinen Fans nur kurz mit: «Ich habe mein Bestes gegeben. Ich weiß, dass ich damals Mist gebaut habe, als ich gegen Russland das Stadion in der Halbzeit verlassen habe. Deshalb habe ich mich persönlich und öffentlich dafür entschuldigt. Und ich habe auch sportlich in dieser Saison alles gegeben.» Für den 52-maligen Nationalspieler (19 Tore) wird die theoretische Begnadigung von Löw kein Trost sein. «Es wäre für uns kein Problem gewesen, ihm trotzdem in der Nationalmannschaft eine neue Chance zu geben», versicherte der Bundestrainer. Dennoch verzichtete Kuranyi öffentlich auf böse Worte: «Leider hat das nicht gereicht. Aber das ist eine Entscheidung des Bundestrainer, die ich akzeptiere und respektiere». Seit Beginn der teilweise hysterischen öffentlichen Debatte um ein Kuranyi-Comeback Anfang April hat der Schalker Angreifer aber auch in der Bundesliga nicht mehr getroffen; während WM-Konkurrent Stefan Kießling seine Torausbeute auf 21 ausbaute. Damit dürfte Löw beim Unternehmen «Titelgewinn 2010» vor allem auf die im DFB-Team bewährten Angriffs-Kräfte Miroslav Klose (FC Bayern) und Lukas Podolski (Köln) sowie neben Mario Gomez auf die Aufsteiger Thomas Müller (beide FC Bayern) und Kießling (Leverkusen) setzen. Bei der Nominierung seines erweiterten WM-Kaders darf sich zudem Cacau große Hoffnungen auf einen der zunächst wahrscheinlich 26 Plätze machen. «Meine Chancen betrachte ich als gut», erklärte der Stuttgarter Angreifer zu Beginn der Nominierungs-Woche. Im WM-Master-Plan von Löw hatte Kuranyi, der sein letztes von 19 Länderspiel-Toren am 22. August 2007 beim 2:1-Sieg in England erzielt hat und 14 Monate später von Löw aus dem DFB-Team verbannt worden war, nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Kuranyi war nur bei Europameisterschaften dabei - 2004 in Portugal und 2008 in Österreich und der Schweiz. Viel mehr setzt der aktuelle Bundestrainer vor seinem möglicherweise letzten Turnier als DFB-Chefcoach darauf, die lange schwächelnden Klose (48 Länderspiel-Tore) und Podolski (37) bis zum ersten WM-Spiel gegen Australien am 13. Juni wieder in die Spur zu bekommen.
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