Klose, Gomez, Kießling, Kuranyi - wer wäre der Streichkandidat? Für Kuranyi sprechen seine aktuelle Topform und 18 Bundesliga-Tore. So häufig hat aber auch Kießling getroffen. Gomez wiederum hat im ersten durchwachsenen Jahr beim FC Bayern bislang zehn Tore erzielt. Darum späche alles gegen Bankhocker Klose (2 Saisontreffer). Der Bundestrainer könnte am 6. Mai zunächst alle vier Stürmer in seinen vorläufigen größeren WM-Kader berufen. Erst einen Tag vor dem Abflug nach Südafrika am 6. Juni muss er den 23-Mann-Kader melden. Löw wird im «Fall» Kuranyi und bei anderen Personalien auch an sein wichtigstes Credo denken: «Entscheidend ist für mich, was ein Spieler bei uns leistet», betont der DFB-Chefcoach seit Jahren. Es geht um Nationalelf-Verdienste, die sich gerade Klose und Lukas Podolski erworben haben. «Festzustellen ist, dass einige Spieler zurzeit nicht die ganz große Form haben», räumt Löw ein: «Da macht man sich als Trainer Gedanken. Obwohl ich natürlich weiß, was beispielsweise Klose oder Podolski können.» Gerade im DFB-Trikot leisteten Klose (94 Länderspiele/48 Tore) und Podolski (70/37) bislang viel mehr als Gomez (32/11), Kießling (3/0) und auch Kuranyi (52/19). Klose war WM-Torschützenkönig 2006, schon bei der WM-Endrunde 2002 traf er fünfmal. Podolski wiederum gelangen beim «Sommermärchen» 2006 drei Tore. Mit derselben Anzahl war der Kölner 2008 bei der EM bester deutscher Torschütze - gefolgt von Klose (2). Für die jeweils trefferlosen Gomez (4 Einsätze) und Kuranyi (3) war das EM-Turnier eine persönliche Enttäuschung. Auch in der Qualifikation für die WM 2010 waren Klose (7 Tore) und Podolski (6) die Toptorschützen. Und als im Herbst 2009 viele von Kießling schwärmten und den Leverkusener forderten, schoss der von Löw gestützte Klose das goldene Tor beim 1:0 in Russland. Löws Schlüsselfrage dreht sich darum nicht um Kuranyi, sondern um seine Bundesliga-Sorgenkinder Klose und Podolski. «Wie können wir die auf Top-Niveau bringen?», fragt sich der Bundestrainer und verriet: «Darüber werden wir in den kommenden Tagen auch reden.» Schon jetzt muss Löw das erste Testspiel am 13. Mai in Aachen ohne die WM-Kandidaten der Pokal-Finalisten FC Bayern und Werder Bremen sowie Kapitän Michael Ballack bestreiten. «Es könnte sein, dass gegen Malta Spieler dabei sind, die gar nicht mit zur WM fliegen», kündigte Löw in der «Bild»-Zeitung bereits einen Notplan an. Immerhin: Kuranyi hätte Zeit für ein Nationalelf-Comeback gegen die Malteser. Franz Beckenbauer sieht Joachim Löw im «Fall» Kevin Kuranyi in der Zwickmühle. «Da gibt es Pro und Kontra», erklärte der ehemalige Teamchef der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zu einem möglichen Comeback des Schalker Stürmers Kuranyi in der DFB-Elf. «Den besten Stürmer sollte man schon zur WM mitnehmen», erklärte Beckenbauer einerseits, verwies aber zugleich auf die besonderen Bedingungen im Nationalteam sowie die Verdienste von Spielern wie Miroslav Klose oder Lukas Podolski. «Die Kastanien haben andere aus dem Feuer geholt», erinnerte der «Kaiser» bei einem Werbetermin in Berlin an wichtige Tore von Kuranyis Kontrahenten um ein Ticket für die WM im Sommer in Südafrika. Beckenbauer sieht in dem «kategorischen Nein» nach der Verbannung Kuranyis aus der Nationalmannschaft «vielleicht einen Fehler» von Bundestrainer Löw. Die heimliche Stadionflucht Kuranyis während des Länderspiels vor 18 Monaten gegen Russland sei sicher «verwerflich» gewesen. Eine Rote Karte für den Schalker Stürmer sei die richtige Reaktion, «aber wegen einer Roten Karte wirst du nicht lebenslang gesperrt». Beckenbauer geht davon aus: «Man wird eine Lösung finden.»
 |