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Zoff im Nachspiel: Podolski lässt Dampf ab

München (dpa) - 04.03.2010, 14:34 Uhr

Lukas Podolski steht nach Spielende verlassen auf dem Platz da.
Lukas Podolski steht nach Spielende verlassen auf dem Platz da.

Am Ende seines erneut tristen Auftritts entlud sich der ganze Frust der vergangenen Wochen. Wutentbrannt lieferte sich Lukas Podolski im Anschluss an das 0:1 der deutschen Nationalmannschaft gegen Argentinien ein heftiges Wortgefecht mit einem TV-Reporter.

Auf dessen provokante Fragen reagierte der zurzeit formschwache Kölner Angreifer ungewohnt dünnhäutig. Erst Stunden später legte sich die Aufregung. In einem Interview auf der DFB- Homepage versuchte Podolski, die Wogen zu glätten: «Ich fühlte mich von ihm durch einige Anmerkungen zum Spiel provoziert. Darüber habe ich mich geärgert und ihm deshalb meine Meinung gesagt. Ich habe ihn aber nicht geschlagen. Wenn ich mich im Ton vergriffen habe, entschuldige ich mich dafür.»

Bereits kurz nach der Rückkehr ins Mannschaftshotel suchte Podolski das Gespräch mit Bundestrainer Joachim Löw, Manager Oliver Bierhoff und sogar DFB-Präsident Theo Zwanziger. «Wir haben ihm klar gemacht, dass er da an sich arbeiten und sich künftig besser unter Kontrolle haben muss», erklärte Löw. «Natürlich war bei Poldi die Enttäuschung über die Niederlage groß und dann reagiert man unmittelbar nach dem Spiel oft sehr emotional. Trotzdem ist seine unbeherrschte Reaktion nicht zu rechtfertigen. Er hat das auch sofort eingesehen und sich deshalb für seine Wortwahl entschuldigt. Dies akzeptieren wir so.»

Nach seiner vielbeachteten Ohrfeige gegen Mitspieler Michael Ballack während des Spiels der DFB-Elf in Wales im April 2009 war der Kölner nur knapp um eine Strafe herumgekommen. Allerdings sind die beiden Fälle auch kaum miteinander zu vergleichen.

Der Vorfall in den Katakomben der Münchner Arena warf dennoch ein Licht auf den Gemütszustand des einstigen Helden des WM- Sommermärchens. Podolskis Hoffnung auf ein neuerliches befreiendes Erfolgserlebnis in der Nationalmannschaft erwies sich als Wunschdenken. Wie schon in den vergangenen Bundesliga-Spielen blieb er auch im Duell mit Argentinien den Nachweis seiner Klasse schuldig.


Von der einst jugendlichen Unbekümmertheit ist wenig geblieben. In der Bundesliga wartet Podolski seit fast 1400 Minuten auf einen Torerfolg. Deshalb bereitet die Zeitungslektüre schon lange keine Freude mehr: «Einmal heißt es, Poldi schießt kein Tor, er soll vor allem kämpfen; wenn ich dann kämpfe, heißt es, Poldi muss unbedingt Tore machen. Es wird immer so gedreht, wie es gerade passt», klagte der Kölner Publikumsliebling im «Kicker» (Donnerstag-Ausgabe)

Ungeachtet der wachsenden Kritik wähnt sich Podolski auf einem guten Weg aus der Krise. «Ob ich 1500 oder 1600 Minuten ohne Tor bin, ist nur für die Statistik und die Presse interessant. Ich komme da raus.» Schon in München bietet sich eine weitere gute Gelegenheit, alle Kritiker eines Besseren zu belehren. Im Duell mit seinem ehemaligen Club aus München, bei dem er nie glücklich geworden war, steht der zuletzt entzauberte «Prinz» im Mittelpunkt des Interesses.

Wehmut mag trotz des Wiedersehens nicht aufkommen. Obwohl die Saison nach seiner Rückkehr ins geliebte Köln für Podolski bisher enttäuschend und ernüchternd verläuft, hat der «Prinz» seine Rückkehr vom Rekordmeister Bayern München in seine alte sportliche Heimat nach eigenem Bekunden «nie bereut». «Diese Frage muss und werde ich mir nie stellen, weil ich zu 100 Prozent im richtigen Club bin. Das sagt mir mein Herz, das sage ich mir selbst.»

Zumindest der Besuch in der Kabine des Gegners kurz nach dem Abpfiff endete mit einem Erfolgserlebnis. Stolz präsentierte Podolski ein argentinisches Trikot mit einem Autogramm von Diego Maradona. Für einen kurzen Moment kehrte das altbekannte spitzbübische Lächeln zurück: «Es ist ein Souvenir für meinen Sohn von einem der besten Fußballer aller Zeiten.»

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