Von der einst jugendlichen Unbekümmertheit ist wenig geblieben. In der Bundesliga wartet Podolski seit fast 1400 Minuten auf einen Torerfolg. Deshalb bereitet die Zeitungslektüre schon lange keine Freude mehr: «Einmal heißt es, Poldi schießt kein Tor, er soll vor allem kämpfen; wenn ich dann kämpfe, heißt es, Poldi muss unbedingt Tore machen. Es wird immer so gedreht, wie es gerade passt», klagte der Kölner Publikumsliebling im «Kicker» (Donnerstag-Ausgabe) Ungeachtet der wachsenden Kritik wähnt sich Podolski auf einem guten Weg aus der Krise. «Ob ich 1500 oder 1600 Minuten ohne Tor bin, ist nur für die Statistik und die Presse interessant. Ich komme da raus.» Schon in München bietet sich eine weitere gute Gelegenheit, alle Kritiker eines Besseren zu belehren. Im Duell mit seinem ehemaligen Club aus München, bei dem er nie glücklich geworden war, steht der zuletzt entzauberte «Prinz» im Mittelpunkt des Interesses. Wehmut mag trotz des Wiedersehens nicht aufkommen. Obwohl die Saison nach seiner Rückkehr ins geliebte Köln für Podolski bisher enttäuschend und ernüchternd verläuft, hat der «Prinz» seine Rückkehr vom Rekordmeister Bayern München in seine alte sportliche Heimat nach eigenem Bekunden «nie bereut». «Diese Frage muss und werde ich mir nie stellen, weil ich zu 100 Prozent im richtigen Club bin. Das sagt mir mein Herz, das sage ich mir selbst.» Zumindest der Besuch in der Kabine des Gegners kurz nach dem Abpfiff endete mit einem Erfolgserlebnis. Stolz präsentierte Podolski ein argentinisches Trikot mit einem Autogramm von Diego Maradona. Für einen kurzen Moment kehrte das altbekannte spitzbübische Lächeln zurück: «Es ist ein Souvenir für meinen Sohn von einem der besten Fußballer aller Zeiten.»
 |