Mit zwei ehrgeizigen Neulingen und einem ungewöhnlich großen Aufgebot heizt Joachim Löw vor dem Länderspiel-Hit gegen Argentinien die WM-Spannung an.
Wie erwartet berief der Fußball-Bundestrainer die Aufsteiger Toni Kroos und Thomas Müller in den gleich 26-köpfigen Kader für die Partie gegen den zweimaligen Weltmeister am 3. März. Zugleich kündigte Löw schon jetzt eine Vielzahl von Gesprächen über die WM-Chancen seines Personals an. «Es ist einfach wichtig in einem WM-Jahr, dass wir uns so oft wie möglich sehen und uns mit jedem Einzelnen ausführlich über seine aktuelle Situation unterhalten können», erklärte der DFB-Chefcoach am Freitag. Einige Unterhaltungen könnten dabei durchaus den Charakter von Krisen-Gesprächen bekommen: Denn Akteure wie Lukas Podolski (1. FC Köln), Miroslav Klose (FC Bayern) oder Thomas Hitzlsperger (Lazio Rom) kämpfen derzeit im Alltag mit größeren Problemen.
Während es für den Ex-Stuttgarter, der auch nach seinem Wechsel vom VfB nach Rom weiter in einer großen Formkrise steckt, sogar um das WM-Ticket geht, will Löw bei Podolski und Klose vor allem die verschütteten Potenzen wecken und beide aufrütteln. Der Bundestrainer sieht trotz der Torkrise beider zwar keinen Grund, «etwas infrage zu stellen». Er braucht für das Titel-Unternehmen in Südafrika aber die alte Klasse seiner Top-Torjäger Klose (48 Tore in 93 Länderspielen) und Podolski (37/69). Hitzlsperger hat in Italien erst einmal gespielt, wurde da ausgewechselt und verschwand von der Bildfläche. «Die Verpflichtung von Thomas Hitzlsperger wird immer rätselhafter», schrieb jüngst der «Corriere dello Sport». Der kritisierte Mittelfeldakteur hofft auf eine neue Chance gegen Florenz.
Der Frust von Hitzlsperger könnte zum Glück für die Shooting-Stars Kroos (Bayer) und Müller (Bayern) werden. «Beide haben sich in den vergangenen Monaten in der Bundesliga mit guten Leistungen in den Blickpunkt gespielt und deshalb eine Chance verdient», meinte Löw. Müller sagte auf der Internetseite von Bayern München über seine Nominierung: «Es lag ja schon ein bisschen in der Luft, aber ich freu mich natürlich sehr.»
Gut möglich, dass zumindest einer der beiden Neulinge schon gegen Argentinien zum Debüt kommt, wenn Bastian Schweinsteiger wie beim FC Bayern ins zentrale Mittelfeld wechseln und dort neben Kapitän Michael Ballack spielen würde. Löw blieb in seinen Ankündigungen jedoch erst einmal allgemein: «Nachdem sie schon beim Leistungstest Ende Januar in Stuttgart erstmals bei der Nationalmannschaft dabei waren, bietet sich für sie nun die nächste Möglichkeit, im Kreis der WM-Kandidaten auf sich aufmerksam zu machen.»
Wie schnell sich das Blatt aber auch wieder wenden kann, bekam Dennis Aogo (HSV) zu spüren. Das Hamburger Talent war noch vor einem Monat mit großen Hoffnungen beim Leistungstest dabei, hat für das Argentinien-Spiel aber keine Einladung erhalten und ist damit für die WM so gut wie weg. Der ursprünglich vorgesehene Bremer Torwart Tim Wiese (Muskelfaseranriss) musste aus gesundheitlichen Gründen ebenso passen wie die verletzten Heiko Westermann (Schalke), Simon Rolfes (Leverkusen) und Andreas Beck (Hoffenheim).
Auch Patrick Helmes plagen Adduktoren-Probleme, er kommt aber nach seinem Kreuzbandriss in Leverkusen ohnehin schwer voran. England- Legionär Robert Huth (Stoke City) scheint kein Thema mehr zu sein. Fraglich ist zudem noch der Einsatz des erkrankten Marcell Jansen. Hier soll am Wochenende eine Entscheidung fallen, ob der Hamburger im Duell gegen Argentinien dabei sein kann. Für Löw ist die Partie in München schon die letzte Test-Möglichkeit vor der Nominierung seines vorläufigen WM-Kaders Anfang Mai.
Für den gebürtigen Brasilianer Cacau, der durch seine jüngsten Tore für den VfB Stuttgart wieder auf sich aufmerksam gemacht hatte und wieder zurück im Aufgebot ist, hat das Spiel gegen die Gauchos natürlich besondere Bedeutung: «Vom Spielertyp her bin ich ein Stürmer, der viel in Bewegung ist und aus der Tiefe kommen kann. Ich denke, dass ich mit den anderen Angreifern und Stürmertypen gut harmoniere, weil ich flexibel bin. Aber all diese Sachen weiß der Bundestrainer», warb Cacau für sich.