Steiniger Weg nach DFB-Burgfrieden
Hamburg (dpa) - 10.02.2010, 15:21 Uhr
Bundestrainer Joachim Löw muss sich voll und ganz auf die WM in Südafrika konzentrieren.
Der Weg zurück in die Normalität wird steinig. Trotz des verkündeten Burgfriedens zwischen den Chefs der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und den DFB-Oberen laufen die Diskussionen um die Zukunft von Joachim Löw ungebremst weiter. Zwar verkündete der Bundestrainer mit fester Überzeugung: «Ob mit oder ohne Vertrag ins Turnier zu gehen, ist kein Problem in dieser Situation.» Doch schon am Tag nach dem ungewöhnlichen Friedensgipfel von Frankfurt, bei dem sich die DFB-Streithähne auf einen Stillhalte-Kompromiss bis zur Weltmeisterschaft geeinigt hatten, konnte Löw von angeblich neuen Geheimplänen und Zukunfts-Absprachen mit Manager Oliver Bierhoff lesen. Die «Sport Bild» brachte sogar Ex-Nationaltorwart Oliver Kahn als Bierhoff-Nachfolger in die Spekulationsdiskussion. Für Löw ist das alles kein Thema: «Nach der WM wird man sehen.» Immerhin will sich Löw erneut an der Seite von DFB-Chef Theo Zwanziger in der Öffentlichkeit zeigen. In Berlin steht ein Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel an, bei dem die beiden DFB-Vertreter ein signiertes WM-Trikot übergeben wollen.
Der 50 Jahre alte DFB-Chefcoach weiß auch aus eigener Erfahrung nur zu genau, dass seine Zukunft ohnehin vorrangig von den sportlichen Erfolgen bestimmt wird. Und schon Anfang März könnte der verkündete Burgfrieden im Deutschen Fußball-Bund wieder auf den Prüfstand kommen, falls sich Michael Ballack & Co. im Testspiel gegen Argentinien in München eine ähnliche Pleite erlauben wie vor der WM 2006 gegen Italien. Nach dem desaströsen Auftritt in Florenz drei Monate vor dem anschließenden «Sommermärchen» bei der WM im eigenen Land war im engsten Führungszirkel des Verbandes sogar über eine kurzfristige Ablösung des damaligen Bundestrainers Jürgen Klinsmann diskutiert worden. Löw hat das als Assistent alles hautnah miterlebt - und für sich die Lehren gezogen. Eine davon ist, in Konfliktsituationen wie jetzt nach der geplatzten Vertrags-Verlängerung alle Konzentration nur auf den Sport zu lenken. |
Erst die Entwicklung rund um das deutsche Nationalteam bis zum Sommer und vor allem der Verlauf des WM-Turniers, das für die DFB- Mannschaft am 13. Juni gegen Australien beginnt, wird für Löws Zukunfts-Planungen und -Aussichten entscheidend sein. Ob er eine neue Herausforderung in der Türkei sucht, ob er mit oder ohne den angeschlagenen Teammanager Bierhoff beim DFB weiterarbeitet - alles scheint weiter möglich, auch wenn einige Punkte derzeit auf einen Abschied nach der WM hindeuten. Vor allem der Vertrauensverlust durch das Ultimatum zu einer neuen Vertragsunterschrift haben bei Löw Spuren hinterlassen. Das Image als bisher unbefleckter Liebling der Nation hat vor allem durch die Indiskretionen, die er auch vonseiten des Verbandes vermutet, erste Kratzer abbekommen. Gerade deshalb wird der Bundestrainer seine ganze Energie noch mehr dafür einsetzen, um die WM-Mission zu einem vollen Erfolg zu führen. «Unser ganzes Interesse gilt dieser WM, wir werden diese Mannschaft so gut vorbereiten, dass sie ein gutes Turnier spielt», erklärte Löw. Und so stürzt er sich nach all den Irrungen und Wirrungen wieder in die Arbeit. Mitte dieses Monats reist Löw nach Südafrika und trifft sich beim Team Workshop in Sun City vom 22. bis 24. Februar mit seinen 31 WM-Trainerkollegen. Anschließend wird der Bundestrainer gemeinsam mit Bierhoff zum WM-Stammquartier Velmore Hotel vor den Toren Pretorias fahren und den Stand von Wohn-, Trainings- und Regenerations-Bedingungen nochmals persönlich inspizieren. Unmittelbar nach der Rückkehr muss er schon sein Aufgebot für das Argentinien-Spiel am 3. März festlegen. Löws Auswahl wird bereits wesentliche Einblicke liefern, wer sich aus dem jüngsten erweiterten Kader die besten Chancen für die Mission Titelgewinn in Südafrika ausrechnen darf. Die Spieler selber jedenfalls scheinen dem Streit um Macht, Verträge und Eitelkeiten keine Bedeutung für die Titelkämpfe vom 11. Juni bis 11. Juli beizumessen. Bayern-Profi Philipp Lahm beispielsweise sieht «keine Gefahr für die WM und würde es nicht als Ausrede geltenlassen». In einer Umfrage der «Bild»-Zeitung sprachen sich nahezu alle DFB-Kicker für ein weiteres Engagement von Löw und Bierhoff auch nach der WM aus. «Ich hoffe für den deutschen Fußball, dass sie bleiben. Das gesamte Trainer-Team hat in den letzten Jahren hervorragende Arbeit geleistet», sagte Arne Friedrich. Nach Informationen der «Bild» habe Bierhoff signalisiert, dass Löw seine Zukunft nicht mehr um jeden Preis von ihm abhängig machen müsse. DFB-Chef Zwanziger hofft noch immer auf auf eine gemeinsame Zukunft mit Löw. «Der Vertrag endet am 31. Juli. Bis dahin sind wir wieder zu Hause mit dem Pokal und auf dem Rückflug wird sich alles Weitere erledigen», hatte Zwanziger prophezeit. Dann hätte Löw die goldene Möglichkeit, auf dem Höhepunkt Schluss zu machen - oder ganz neue Bedingungen für eine Weiterbeschäftigung zu diktieren.
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