Routinier, Revoluzzer und jetzt «Rentner»: Torsten Frings hat von Joachim Löw nach fast einjähriger Wartezeit nun auch offiziell den Laufpass bekommen.
Der Werder-Profi spielt in den Planungen des Bundestrainers keine Rolle mehr und wird definitiv nicht mit der deutschen Nationalmannschaft zur Fußball-WM im Sommer nach Südafrika fahren. Das teilte Löw dem 33-Jährigen am 20. Januar in einem persönlichen Gespräch in einem Bremer Hotel mit. «Damit musste ich ja rechnen, wenn man alle Vorzeichen gesehen hat. Mir bleibt nichts anderes übrig als das zu akzeptieren, auch wenn ich völlig anderer Meinung bin als Joachim Löw», sagte der 33-Jährige in einer vom Bremer Bundesligisten verbreiteten Pressemitteilung.
«Wir können seine Enttäuschung über unsere Meinung verstehen. Doch haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht», sagte Löw. Man wolle jüngere Spieler an das internationale Spitzenniveau heranführen. Löw will einen erweiterten Kader für den Fitnesstest in der kommenden Woche in Sindelfingen benennen. Dieses Aufgebot ist ein erster Fingerzeig auf Löws WM-Personal. Frings reagierte enttäuscht, aber nicht überrascht. «Ich glaube, dass ich immer noch das Potenzial habe, starke Leistungen bei einer WM abzuliefern. Und ich werde das weiterhin in der Bundesliga unter Beweis stellen», sagte er.
Frings hatte sein letztes von 79 Länderspielen im Februar 2009 beim 0:1 gegen Norwegen in Düsseldorf bestritten. Danach war der Vize-Weltmeister von 2002 und Vize-Europameister 2008 von Löw nicht mehr berufen worden. Der Mittelfeld-Abräumer hatte mehrfach die Vermutung geäußert, dass dies nicht nur sportliche Gründe gehabt habe. Im Herbst 2008 war es öffentlich zum Disput zwischen Löw und Frings über den Umgang mit verdienten Nationalspielern gekommen. Kapitän Michael Ballack hatte damals Partei für Frings ergriffen und war daraufhin wie sein Freund zum Rapport zitiert worden.
Während Kapitän und Schlüsselspieler Ballack vom Bundestrainer wieder in Gnaden aufgenommen wurde, reichte es für Frings nur noch zur Norwegen-Berufung. Dessen Auftritt unter dem Düsseldorfer Hallendach lieferte allerdings wenig Argumente für weitere Frings-Spiele im Nationaltrikot.