Jugend forsch: Tragende Rollen für Talente
Düsseldorf (dpa) - 20.01.2010, 12:20 Uhr
Der Dortmunder Mats Hummels jubelt über seinen Treffer gegen den 1. FC Köln.
Jugend als Tugend - in der Fußball-Bundesliga werden selbst tragende Rollen mehr und mehr mit Talenten besetzt. Vielerorts macht sich dieser Sinneswandel bezahlt: Trotz sinkenden Alters der Profis steigt die Qualität. Woche für Woche stellt die vermeintlich unreife «Generation Internat» («Süddeutsche Zeitung») um Profis wie Mesut Özil (Werder Bremen), Jerome Boateng (Hamburger SV), Toni Kroos (Bayer Leverkusen) und Thomas Müller (Bayern München) verblüffende Reife unter Beweis. «Von dieser Entwicklung werden wir sowohl in der Bundesliga als auch im Nationalteam profitieren», orakelte DFB-Sportdirektor Matthias Sammer. Der erste Rückrunden-Spieltag dokumentierte den Trend eindrucksvoll: 35 von 198 und damit knapp 20 Prozent der eingesetzten Spieler in den Startformationen sind noch für deutsche oder ausländische Junioren-Nationalteams (derzeit Jahrgang 1988 und jünger) spielberechtigt. Der größte Förderer des Jugendstils ist derzeit Borussia Dortmund. Trainer Jürgen Klopp startete beim 1. FC Köln mit sechs Juniorenspielern. Auch der 1. FC Nürnberg und Bayer Leverkusen (je 4) setzen verstärkt auf den Nachwuchs. Nur vier Clubs (Eintracht Frankfurt, VfL Wolfsburg, VfL Bochum und Hannover 96) verzichteten am 18. Spieltag auf junge Spieler in der Startelf.
Schwindende Geldquellen und die Erfolge der DFB-Juniorenteams inspirierten viele Club zu einer anderen Personalpolitik. In Dortmund machte die durch eine monumentale Finanzkrise entstandene Not erfinderisch. Selbst die wenigen noch vorhandenen Mittel investierte der BVB in Talente. Über die couragierte Entscheidung, die damals 19 Jahre alten Mats Hummels und Neven Subotic für immerhin knapp zehn Millionen Euro als Manndecker zu verpflichten, lächelt heute niemand mehr. Die erfreuliche Entwicklung der beiden zuletzt Hochgelobten erfüllt Sportdirektor Michael Zorc mit Stolz: «Ich kenne keinen ambitionierten Club in Europa, der diesen Schritt gewagt hätte.» Die ersten Titelgewinne der Junioren-Nationalmannschaften nach einer langen Durststrecke wirken sich auch auf die Bundesliga aus. Die international erprobten Jungstars haben sich in den vergangenen Monaten in ihren Vereinen zu Stammkräften entwickelt. Aus dem Kader der U 21-Europameister sind mehr als 15 Spieler in ihren Clubs etablierte Kräfte. Auch eine Reihe von Spielern, die 2008 U 19- Europameister wurden, haben den Sprung in die Bundesliga längst geschafft: Dennis Diekmeier, Stefan Reinartz, Lars und Sven Bender sowie Timo Gebhart. Sogar die U 17-EM-Sieger von 2009 klopfen schon ans Erstliga-Tor: Dortmunds 17 Jahre alter Mario Götze hat sein Bundesliga-Debüt bereits hinter sich. |