Der DFB selbst orderte für die Südafrika-Vorrunde 1400 Karten für die sogenannte Fußball-Familie, also Angehörige der Spieler oder auch Vereinstrainer, so dass insgesamt 3316 Karten vergeben sind. Die von der FIFA kommunizierte Zahl von 6750 Tickets bezog sich auf alle verkauften Karten an deutsche Fans bis hin zum möglichen Finale am 11. Juli in Johannesburg. In den ersten beiden Verkaufsphasen, als Karten für alle 64 Spiele bestellt werden konnten, gingen immerhin 25 050 Kartenbestellungen aus Deutschland ein. In der bis zum 22. Januar laufenden dritten Phase rechnet Niersbach mit etwa 10 000 weiteren Bestellungen. «Der Ticketmarkt bleibt also in Bewegung», lautete Niersbachs optimistisches Fazit. FIFA-Berater Horst R. Schmidt hofft auf rund 10 000 deutsche WM-Touristen. Die Organisatoren kalkulieren mit 450 000 Fans aus aller Welt. Diese Zahl dürfte bei den jetzigen Buchungsquoten aus Europa aber nur schwer zu erreichen sein. Das Ticketthema bleibt für die FIFA in jedem Fall brisant. Und sie offenbart eine vom Weltverband und seinem sich als größter Afrikafreund präsentierenden Präsidenten Joseph Blatter nicht erkannte kulturelle Problematik. Das in Europa konzipierte und bei der WM in Deutschland 2006 bewährte Vertriebssystem über das Internet funktioniert in Südafrika nicht. Der einfache Fußball-Fan am Kap kauft sich Karten nicht in einem komplizierten Online-Verfahren, sondern am Spieltag am Ticketschalter. Über diese Option denkt man bei der FIFA - die von Kartenkäufern aus Sicherheitsgründen persönliche Daten abfragt - noch nicht nach, hieß es aus der Zentrale in Zürich. Immerhin brachte Cheforganisator Danny Jordaan die nachträgliche Einrichtung direkter Verkaufsstellen ins Spiel. Fünf Monate vor dem WM-Anpfiff sind rund 800 000 der insgesamt drei Millionen Karten verkauft, immerhin rund 70 Prozent davon in Südafrika. In der kommenden Woche wollen FIFA und WM-OK in Johannesburg öffentlich Zwischenbilanz ziehen. Frohe Kunde könnte da aus Deutschland kommen. Niersbach liegt eine Anfrage eines Unternehmens über 5000 Karten für das Spiel gegen Serbien in Port Elizabeth vor. Diese Firmenanfrage werde man «selbstverständlich vermitteln».
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