DFB-«Spion» Siegenthaler scoutet WM-Gegner Ghana
Cabinda (dpa) - 14.01.2010, 11:55 Uhr
Joachim Löw und Urs Siegenthaler (r) beobachten gemeinsam ein Spiel bei der EM 2008.
Für Ghana beginnt der Afrika-Cup, für den DFB die Observierung der WM-Gegner. Wenn Deutschlands letzter WM-Vorrundenrivale gegen die Elfenbeinküste in den Kontinental-Vergleich einsteigt, wird Joachim Löws Chefscout Urs Siegenthaler in Cabinda auf der Tribüne sitzen. Der Schweizer soll die Stärken und Schwächen der Ghanaer protokollieren und nach seiner Rückkehr den Bundestrainer auf die Westafrikaner einstimmen. «Mein Augenmerk liegt zu 100 Prozent auf Ghana», sagte Siegenthaler der Deutschen Presse-Agentur dpa vor seinem Abflug zu der dreiwöchigen Beobachtungstour. Der 62-Jährige verfolgt in Angola zahlreiche Spiele live, auch die der potenziellen weiteren deutschen WM-Gegner - Algerien (möglich im Achtelfinale) und Nigeria (eventuell im Viertelfinale). Dass Ghanas serbischer Coach Milovan Rajevac beim Afrika-Cup nicht alle Asse seines A-Kaders aufbietet und auf zahlreiche Nachwuchskräfte baut, ist für Siegenthaler mit Blick auf die im Juni beginnende Weltmeisterschaft in Südafrika kein Problem. «Sehr oft sind die Spieler aus der zweiten Reihe stärker und unverbrauchter als die, die 80 Länderspiele oder mehr auf dem Buckel haben», sagte der DFB-Spion, der das Stelldichein der afrikanischen Fußball-Stars ohne Löw und dessen Assistenten Hansi Flick verfolgt.
Gleicht acht U 20-Weltmeister von 2009 stehen im Aufgebot der «Black Stars». Dafür fehlen der verletzte Kapitän Stephen Appiah (FC Bologna) und Sulley Ali Muntari von Inter Mailand, der sich mit Rajevac überworfen hat. Zudem wird Rajevic gegen die Elfenbeinküste möglicherweise auf seinen Mittelfeldstar Mickael Essien verzichten. «Die Chancen stehen 50 zu 50. Vielleicht spielt er von Beginn an, vielleicht kommt er aber auch erst in der zweiten Hälfte, vielleicht spielt er aber auch gar nicht», sagte der Trainer dem Internetportal «ghanasoccerweb». Essien, beim FC Chelsea Teamkollege von Michael Ballack, war nach einer langen Verletzungspause und Visa-Problemen erst am Mittwoch in Angola eingetroffen. Trotz der Personalsorgen traut der frühere Bundesliga-Profi Anthony Baffoe, der als Berater für den ghanaischen Fußballverband tätig ist, seinen Landsleuten nach 28 Jahren wieder den Sieg beim Afrika Cup zu: «Der Titel ist natürlich das Ziel, und Ghana gehört als viermaliger Sieger immer zu den Favoriten», sagte Baffoe in einem Interview auf der Homepage des Weltverbandes FIFA. Siegenthaler wollte keine Prognose abgeben. Er wolle die Ghanaer mit den beiden Bundesliga-Profis Isaac Vorsah (Hoffenheim) und Hans Sarpei (Leverkusen) erst live sehen, sagte er. In einem ist sich der Chefscout des Deutschen Fußball-Bundes aber sicher: «Wir wissen, dass alle afrikanischen Mannschaften, die an der WM teilnehmen werden, sehr stark sind.»
|