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Nett, aber auch knallhart: «Staatsmann» Löw

Berlin (dpa) - 17.12.2009, 13:58 Uhr

Joachim Löw bei der WM 2006 neben dem FIFA-Weltmeisterschafts-Pokal.
Joachim Löw bei der WM 2006 neben dem FIFA-Weltmeisterschafts-Pokal.

Geholt wurde er von Jürgen Klinsmann einst als Assistent mit großem Taktik-Wissen - inzwischen ist Joachim Löw in Deutschland zum Fußball-«Staatsmann» aufgestiegen. Der 49 Jahre alte Fußball-Lehrer gilt noch immer als Taktik-Tüftler und Team-Player.

Längst aber spielt der gebürtige Schwarzwälder auch seine Chefrolle gekonnt aus und genießt sie. Mehr als 30 Helfer hat Löw vereint, um seinen Masterplan, der bei der EM 2008 im Finale noch gescheitert war, bei der Weltmeisterschaft im kommenden Sommer umzusetzen. «Da geht man in die Geschichte ein bei diesen großen Turnieren», betonte Löw, der durch seine Vertragsverlängerung um zwei Jahre noch bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine eine Chance bekommt.

Löw sieht das nächste Turnier in Südafrika wie schon die WM 2006 als Klinsmann-Assistent und die EURO zwei Jahre später als Bundestrainer als «absoluten Höhepunkt» seiner bisherigen Trainer- Karriere, «weil da in der Welt unglaubliche Spannung und Begeisterung herrscht.» Der Wein-Liebhaber liebt das Extreme, schürt auf der einen Seite sein Image vom «netten Herrn Löw», ist aber auch ein klarer Verfechter des knallharten Wettbewerbs. Dabei macht er selbst bei großen Namen keine Kompromisse, wie das Beispiel des praktisch aussortierten Bremer Routiniers Torsten Frings am besten belegt.

Jogi, wie ihn einst seine Mutter genannt hat und wie ihn heute fast alle im Land nennen dürfen, hat das Risiko nie gescheut. Er kletterte auf den Kilimandscharo, fuhr mit dem Mountainbike durch die Alpen, ging als Trainer in die heiße türkische Liga. Spätestens nach der EM weiß ganz Deutschland aber auch, dass er auch im Fußball seine Linie durchziehen kann. Der Badener spürte bei der EM 2008 erstmals die brutale Verantwortung für die ganze Nation und auch die Ohnmacht, als er für seine Emotionen bestraft und im Viertelfinale gegen Portugal (3:2) in eine Glasbox verbannt wurde.

«Warum sollen wir mit dem Zweitbesten zufrieden sein, wenn wir das Beste erreichen können?» - dieses Löwsche Motto wird in der Nationalmannschaft seit seinem Einstieg 2004 und weiter nach dessen Beförderung zum Chef 2006 gelebt. Nach der WM 2006 hatte Klinsmann seinen Assistenten auserkoren, die Reformen im deutschen Fußball weiter voranzutreiben. Löw fand dafür seinen eigenen, sanfteren Stil. Er ist nicht Klinsmann, der seine Gegner «durch die Wand knallen» wollte - er verbindet Temperament und Kühle. «Er trifft den Ton», hob Teammanager Oliver Bierhoff hervor.

Löw, der als Profi unter anderem für den VfB Stuttgart, den SC Freiburg, den Karlsruher SC und Eintracht Frankfurt 52 Spiele in der Bundesliga und 252 Partien in der 2. Liga bestritt, hat als Coach schnell gelernt. Seine Analyse-Fähigkeit wird überall hoch geschätzt. Sein Privat-Leben hat sich inzwischen ein ganzes Stück verändert: «Wenn ich heute meine Wohnung verlasse, werde ich zu einem Stück Allgemeingut», hat er einmal verraten. Doch Löw berichtete auch: «Ich bewege mich nach wie vor in demselben Umfeld in Freiburg und tue die Dinge, die ich vorher auch gemacht habe.» Genauso sicher weiß «Staatsmann» Löw aber auch um seinen Stellenwert.


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