Sammer nimmt Nachwuchskicker in die Pflicht
Frankfurt/Main (dpa) - 14.12.2009, 14:45 Uhr
Matthias Sammer arbeitet seit 2006 erfolgreich als DFB-Sportdirektor.
Mit eindringlichen Worten hat Sportdirektor Matthias Sammer die erfolgreichen Nachwuchskicker des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in die Pflicht genommen und trotz diverser Titelgewinne vor Zufriedenheit gewarnt. «Wir sind noch nicht so weit, wie es die Erfolge auszudrücken scheinen. Uns ist ein bisschen die Spielfreude abhandengekommen. Ich weiß auch nicht, ob bei den Junioren-Nationalmannschaften der unbedingte Siegeswille vorhanden ist. Und es fehlt momentan auch ein Stück weit die Kreativität. Daran müssen wir auf allen Ebenen arbeiten - wir dürfen nicht nachlassen», mahnte Sammer bei seiner Jahresbilanz in Frankfurt am Main. Nach den EM-Gewinnen der U 17, U 19 und U 23 war der DFB zuletzt mit dem Nachwuchspreis der UEFA ausgezeichnet worden. Ein Ruhekissen ist das für den ambitionierten und ehrgeizigen Sportdirektor jedoch nicht. Er will die Talente künftig nicht nur technisch und taktisch schulen, sondern ihnen auch elementare Verhaltensweisen mit auf den Weg geben. «Die Persönlichkeit ist für den Erfolg am wichtigsten. Und die kann man beeinflussen. Gewisse Basiselemente sind zu wenig ausgeprägt. Wir trauen uns, das zu definieren. Wir wollen eine Orientierung schaffen und geben die Linie vor», sagte Sammer.
Unter dem Titel «Die Seele unseres Spiels» hat der DFB einen Leitfaden erstellt, den jeder Nachwuchskicker an die Hand bekommt. Die zentralen fünf Punkte der neuen «Fußball-Bibel» sind die Geschichte des Verbandes, Ziele, Werte, Persönlichkeit und Verhalten. «Ich will dafür sorgen, dass dieses Lehrbuch bei den Lehrgängen oder Länderspielen ein fester Bestandteil wird wie das Frühstück oder Mittagessen. Das ist absolut notwendig», kündigte Sammer an. Der Europameister von 1996 setzt damit konsequent seinen Weg fort, den er bei seinem Amtsantritt 2006 eingeschlagen hatte. «Wenn wir die Spieler nicht mit Inhalten beeinflussen, werden Grundelemente sehr schnell vergessen», sagte Sammer. Dabei seien Mut und eine klare Ansprache der Trainer gefragt. «Der DFB hat auch vorher gute Nachwuchsarbeit gemacht und war 100 Jahre ohne Sportdirektor ganz gesund. Aber mit Matthias und seiner unnachahmlichen Arbeit haben wir noch mal einen Quantensprung hingelegt», lobte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach die Arbeit des Sportdirektors. Die Nachwuchsarbeit bezeichnete Niersbach als Kerngeschäft und versprach: «Sie ist unsere Zukunft, deshalb werden wir sie weiter intensivieren. Unser Ziel ist es, jedes Talent zu entdecken und so optimal zu fördern wie es nur irgend geht.» Derzeit gibt der DFB jährlich 16 Millionen Euro für die Talentförderung an 366 Stützpunkten sowie in 44 Leistungszentren und 28 Eliteschulen aus. Die Profivereine der 1. und 2. Bundesliga investieren pro Saison knapp 70 Millionen Euro in ihre Nachwuchsleistungszentren, die seit einigen Jahren Pflicht sind.
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