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Löw: WM-Titel «schon das Ziel»

Kapstadt (dpa) - 01.12.2009, 11:12 Uhr

Joachim Löw lacht bei einer Pressekonferenz der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.
Joachim Löw lacht bei einer Pressekonferenz der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

Joachim Löw will im kommenden Jahr in die Fußball-Geschichtsbücher - auf einer Stufe mit Herberger, Schön und Beckenbauer. Nach dem dritten Platz als Assistent von Jürgen Klinsmann bei der WM 2006 und dem zweiten Rang als Chef bei der EM 2008 soll 2010 in Südafrika der ganz große Triumph her.

«Selbstverständlich wollen auch wir versuchen, so weit wie möglich zu kommen und das Turnier zu gewinnen. Das ist schon das Ziel», erklärte der Bundestrainer vor der Gruppen-Auslosung in Kapstadt in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur dpa. Nach den WM-Siegen 1954 unter Sepp Herberger, 1974 unter Helmut Schön und 1990 unter Franz Beckenbauer sieht Löw für die deutsche Nationalmannschaft durchaus realistische Chancen auf den vierten Titel-Stern.

Zwar liegen bei der Auslosung im Convention Centre von Kapstadt viele Mannschaften im Lostopf, die im kommenden Sommer «das Ziel haben, Weltmeister zu werden», weiß der 49 Jahre alte Löw um die Schwere der Aufgabe für sein Team. «Es gibt viele Favoriten, die auf ganz hohem Niveau spielen können.» Doch auch sein Team sei spielerisch und taktisch in den vergangenen drei, vier Jahren gereift: «In den beiden wichtigen Spielen gegen Russland in der WM- Qualifikation und auch bei einigen EM-Begegnungen haben wir gesehen, dass wir taktisch in der Lage sind, sehr gut zu spielen. Und immer, wenn wir diese Ordnung abgerufen haben, waren wir auch in der Lage, gegen ganz starke Nationen zu bestehen und zu gewinnen.»

Die drei Gruppen-Gegner, die nach einer bunten afrikanischen Show am Freitagabend feststehen werden, wird Löw ohne große Emotionen hinnehmen. Die Vorrunde sieht der DFB-Chefcoach als Pflicht, wenn auch vielleicht als schwierige. «Wenn eine deutsche Mannschaft bei einem Turnier antritt, kann man nicht mit dem Ziel starten, nur die Gruppenphase zu überstehen. Das wird daher auch nicht unser Anspruch sein», unterstrich Löw, der schon jetzt von WM-Freude und Ehrgeiz gepackt ist. Bereits die WM in Deutschland oder die EM 2008 seien für ihn als Trainer «absolute Höhepunkte» gewesen, weil bei so einem großen Turnier «in der ganzen Welt unglaubliche Spannung und Begeisterung herrscht».

Die WM 2010 ordnet er auch persönlich als weitere große Chance ein: «Da geht man in die Geschichte ein bei diesen großen Turnieren. Es ist deshalb eine unglaubliche Freude, dabei zu sein.» Nach seinem eher zufälligen Einstieg beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), als er von Klinsmann 2004 als Assistent geholt worden war, ist es für Löw die erste WM als Chefcoach. «Es wird ein reizvolles, aber auch ein schwieriges Turnier, mit Bedingungen, die wir bisher noch nicht so genau kennen», wies der Bundestrainer auf die vielen Besonderheiten in Südafrika hin - vom Klima über die extremen Höhenunterschiede bis zur Sicherheitsfrage. Mit Angst aber wird Löw nicht an das Kap reisen. «Ich gehe davon aus, dass der Weltverband FIFA und Südafrika alles dafür tun werden, dass der Sicherheitsaspekt überall entsprechend berücksichtigt wird.»

Die afrikanischen Teams stuft Löw bei der ersten WM auf dem eigenen Kontinent als gefährliche Kontrahenten ein. Die Spieler seien alle bei Top-Mannschaften unter Vertrag, inzwischen auch physisch enorm stark. «Vor allem aber sind sie immer besser taktisch geschult. Die Spieler mussten Disziplin lernen in den großen Vereinen.» Als Top-Favoriten auf den Titel sieht der Bundestrainer jedoch alte Bekannte: Brasilien, Argentinien, England, die Niederlande und vor allem Spanien. «Das ist seit drei, vier Jahren die konstanteste Mannschaft, weil sie alles gewonnen hat außer dem Confed Cup - eine unglaubliche Serie», sagte Löw. Zumindest in der Vorrunde kann es die Neuauflage des EM-Finals von 2008, Deutschland gegen Spanien (0:1), in Südafrika allerdings noch nicht geben.


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