Nur zaghaft erklangen nach dem Anpfiff Gesänge. Die Atmosphäre in dem lediglich gut zur Hälfte gefüllten Stadion blieb bis zum Führungstor gedrückt. Danach herrschte auf den spärlich besetzten Rängen immer mehr normale Länderspielstimmung. Nach knapp einer halben Stunde versuchten sich die Fans an einer «La Ola». Trotz aller Trauer musste Löw das Duell mit dem WM-Teilnehmer zum Testen nutzen. Ohne den angeschlagenen Kapitän Michael Ballack (Knie), der in Zivil auf der Ersatzbank saß, kehrte der Bundestrainer zum System mit einer Mittelfeldraute zurück, Mesut Özil war zentraler Spielgestalter. Im Angriff durfte sich neben Podolski erstmals Stefan Kießling von Beginn an beweisen und nutzte seine Chance. Schon nach zehn Minuten holte der bewegliche Leverkusener im Laufduell mit dem Hamburger Guy Demel den Elfmeter heraus, den Podolski verwandelte. Kurz darauf hatte Ersatzkapitän Philipp Lahm Glück, dass der Heber des agilen Eboué (13.) nach zu kurzem Kopfballrückpass auf der Latte landete. Tim Wiese, dem in der ersten Halbzeit die emotional schwere Aufgabe zukam, in seinem ersten Starteinsatz im DFB-Trikot auf der Enke-Position zu spielen, hätte keine Chance gehabt. Gelegenheiten, sein Torwart-Können zu zeigen, hatte der Bremer nicht. Die offensive Ausrichtung von Löw zeigte mit attraktiven Spielzügen Wirkung. Gegen den technisch versierten Gegner konnte sich die DFB-Auswahl auch leichtere Abwehrwackler auf den Außenbahnen leisten und hätte vor der Pause den Vorsprung ausbauen können. Stuttgarts Arthur Boka klärte bei einem Kopfball von Westermann (25.) auf der Linie. Podolski (22./31.) versuchte es aus der Distanz. Özils (32.) Schuss aus freier Position war zu lasch. Trochowski (44.) traf kurz vor dem Halbzeitpfiff den Pfosten. Im zweiten Abschnitt kam der Schalker Neuer für Wiese zum vereinbarten Heim-Einsatz und hatte reichlich Pech. Nach dem schlampigen Westermann-Rückpass traf er den Bauch des Arsenal-Profis Eboué. Zuvor hatten die Antreiber Podolski (51.) und Kießling (53.) auf der Gegenseite Akzente gesetzt - doch das mögliche zweite Tor verpasst. Da beide Mannschaften nicht mit letzter körperlicher Konsequenz agierten, setzte sich das ansehnliche Spiel fort. Als alles nach einem gütlichen Remis aussah, schlug Doumbia nach tollem Solo per Fernschuss noch zu. Podolski verhinderte aber doch noch die erste DFB-Niederlage seit neun Partien.
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