Ehre für Lahm: Löw befördert Bayern-Kritiker
Düsseldorf (dpa) - 17.11.2009, 15:00 Uhr
Nationalspieler Philipp Lahm wird im Spiel gegen die Elfenbeinküste die Kapitänsbinde tragen.
Bestraft bei Bayern, befördert im Nationalteam - der Münchner Chefkritiker Philipp Lahm darf die DFB-Elf beim Neubeginn nach dem Tod von Robert Enke als Kapitän anführen. Bundestrainer Joachim Löw betraut den 26 Jahre alten Abwehrspieler nach dem Ausfall von Michael Ballack mit der besonderen Aufgabe - und Lahm gab umgehend die Marschrichtung für die Partie gegen die Elfenbeinküste vor. Nach den wichtigen und notwendigen Tagen der Trauer will er mit Freude auf dem Platz vorangehen. «Man trauert, um wieder einen Anfang zu machen. Es war unmöglich, am Samstag gegen Chile zu spielen. Aber ich spiele gerne Fußball, ich freue mich auf das Spiel. Es muss wieder losgehen», sagte Lahm. Auch er weiß, dass das Unterfangen, zur Normalität zurückzukehren, nicht einfach sein wird. «Es wird schwer, nach der Schweigeminute sofort umzuschalten», ahnt Lahm. Aber der Balanceakt soll in der Schalke-Arena gelingen. «Wir wollen nach vorne spielen, die Zuschauer unterhalten und Tore bieten», kündigte er an.
Nicht Bastian Schweinsteiger oder Arne Friedrich, die nach dem Ausfall von Ballack und Miroslav Klose die meisten Länderspiele im Kader aufweisen, wählte Löw als Kapitän aus, sondern Lahm. «Er hat sich zu einem Führungsspieler entwickelt», erläuterte Teammanager Oliver Bierhoff die Entscheidung. Für Lahm, der die DFB-Elf Ende Mai in Shanghai gegen China (1:1) schon einmal als Kapitän anführte, ist es mehr als nur eine Ehre. Er darf es gerade nach dem Wirbel um seine mit einer Geldstrafe geahndete Fundamentalkritik am FC Bayern als eine Auszeichnung und besondere Anerkennung bewerten. «Es zeigt meinen Stellenwert im Nationalteam, dass ich morgen Kapitän bin.» Kein Wort mochte er zum Verein sagen. «Es ist nicht der richtige Augenblick, über den FC Bayern zu reden.» Aber zwischen den Zeilen ließ der intelligente Profi tief blicken. Im Nationalteam spürt er Vertrauen, fühlt sich als wichtiger Ansprechpartner und kommt so ohne öffentliche Vorstöße aus. «Ich fühle mich bestätigt, meinen Weg zu gehen. Intern meine Meinung zu sagen, das ist enorm wichtig, so kann man Einfluss nehmen auf das Ganze», betonte Lahm. Das Wort «intern» benutzte er mehrfach. Lahms Wort hat Gewicht bei der sportlichen Leistung um Joachim Löw. «Er ist ein Mannschaftsspieler», betonte Bierhoff, der Lahm zugute hält, Dinge stets in «eine positive Richtung» lenken zu wollen. Der Streit beim FC Bayern, der nach der Tragödie um Robert Enke aus dem Fokus der Öffentlichkeit verschwunden war, sei «eine wichtige Entwicklung» für Lahm gewesen, glaubt Bierhoff: «Philipp hat eine Geldstrafe bekommen und wird seine Schlüsse ziehen.»
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