Sammer warnt vor Zufriedenheit: Titel «zu schnell»
Düsseldorf (dpa) - 13.11.2009, 11:22 Uhr
Der DFB-Sportdirektor Matthias Sammer bei der U21-EM.
Für die deutschen Fußball-Junioren war das Jahr 2009 erfolgreich wie lange nicht, doch DFB-Sportdirektor Matthias Sammer warnt vor zu großer Zufriedenheit. Mit zwei EM-Titeln bei den U 17- und U 21-Junioren sowie einem bemerkenswerten WM- Auftritt der U 20-Junioren, die nach großen Abstellungsproblemen erst im Viertelfinale gescheitert waren, hat der deutsche Fußballnachwuchs sein Image mächtig aufpoliert. «Dass wir diese Erfolge errungen haben, ist natürlich erfreulich. Das soll uns auch Kraft und Zuversicht für die Zukunft geben. Trotzdem dürfen wir die Augen vor kritischen Momenten nicht verschließen», sagte Sammer im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Eigentlich sind diese Titel viel zu schnell gekommen.» Sammer, seit 2006 für den Juniorenbereich verantwortlich, betonte, dass der Weg zur Weltspitze langwierig ist. «Wir stehen in der Entwicklung nach wie vor am Anfang, aber durch diese Titel lässt sich das gar nicht so klar darstellen. Sie übertünchen einiges», sagte der DFB-Sportdirektor. «Ich erkenne auch Tendenzen im U-Bereich, die mir nur bedingt gefallen.» Auf der einen Seite mache sich eine gewisse Zufriedenheit breit, weil es wieder eine größere Anzahl guter, junger Spieler gibt. «Auf der anderen Seite ist es nicht immer gelungen, das Leistungspotenzial nicht nur sportlich, sondern auch gedanklich und charakterlich zu präsentieren. Ich erinnere an die U 21-Niederlage gegen Tschechien oder daran, dass die U 17 sich mit der Qualifikation ein bisschen schwer getan hat. Da lagen die Probleme nicht im sportlichen Bereich», meinte Sammer.
Die hohen Ansprüche in der Talentförderung, könne man natürlich noch nicht erfüllen. «Wir brauchen uns auch im internationalen Bereich nicht kleiner machen als wir sind, aber wir müssen sehr hart weiter arbeiten. Diese Bereitschaft muss ein Stück weit zurückkehren. Ich meine, dass sie ein bisschen verloren gegangen ist», befand der Sportdirektor. «Wir sind gut, aber wir wollen sehr gut werden.» Neben den Titeln im Juniorenbereich wird die Förderung daran gemessen, ob Spieler für die A-Nationalmannschaft qualifiziert sind. Aus dem Team des aktuellen Europameisters haben sich beispielsweise Mesut Özil, Jerome Boateng, Marko Marin und Manuel Neuer für höhere Aufgaben empfohlen. «Sie haben durch die U 21-EM ein Gen in sich, das sie prägen wird für das weitere Leben. Das will man häufiger erleben, einen Pokal in den Händen zu halten», sagte Sammer. Von den fünf großen Junioren Turnieren in diesem Jahr hat sich der DFB für vier Endrunden qualifiziert, zwei EM-Titel gewonnen und bei den beiden WM-Teilnahmen das Viertelfinale (U 20) und das Achtelfinale (U 17) erreicht. Für Sammer, der bei der U 17 WM in Nigeria selbst vor Ort war, sind die Bedingungen in Afrika unerträglich gewesen: «Dieses Turnier war sportlich nicht relevant.»
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