Nach gut zwei Jahren im Amt des wichtigsten deutschen Fußball- Lehrers hat sich der «Jogi» mit dem auf Präzision und Planungsakribie beruhenden «System Löw» derzeit unersetzlich gemacht. In Umfragen renommierter Meinungsforscher wurde er zu einem der beliebtesten Deutschen gekürt. «Ich schätze das richtig ein. Nach zwei, drei Jahren als Nationaltrainer ist man populär, man steht im Fokus, aber man sieht sich bei Misserfolg auch vielen Kritikern gegenüber», sagte der 49-Jährige. Zweifel, ob der «nette Herr Löw» aus dem Schatten seines Chefs und Vorgängers Jürgen Klinsmann treten könnte, haben sich schon lange verflüchtigt. Im Gegenteil: Längst ist augenscheinlich geworden, dass Löw schon der heimliche Architekt des deutschen Fußball- Sommermärchens 2006 war. In der Karriereleiter einmal aufgerückt, perfektionierte er das auf Fachkenntnis beruhende Prinzip der Aufgabenverteilung mit ihm als Spiritus Rector und Controlling-Chef in Personalunion. Sichtbar wird dieses System besonders bei Trainingseinheiten, wenn Löw vor den Profis die Grundsatzansprache hält und dann die Assistenten und Spezialisten unter seinen gestrengen Blicken die Detail-Arbeit verrichten. «Im modernen Spitzensport geht es gar nicht, dass du allein alle Facetten abdeckst. Da brauchst du eine hohe Fachkompetenz von Fachkräften. Die Stärksten sind die, die sich dieser Entwicklung öffnen», lobte Zwanziger den Löw-Arbeitsplan. Billig wird der neue Löw-Vertrag nicht werden. Zwanziger hat schon signalisiert, dass die finanziellen Löw-Bezüge aufgestockt werden. Der Freiburger hat zur Bedingung gemacht, dass auch sein gesamter Stab beim DFB bleiben darf. Spannend wird, ob die DFB-Spitze auch das von Löw und Teammanager Oliver Bierhoff geforderte zentrale Leistungszentrum gut heißen wird, das die sportliche Führung als wichtigen Baustein für einen neuen Vertrag sehen dürfte. Die Entscheidung über die Kaderschmiede fällt allerdings das DFB- Präsidium. «Nach 20 Jahren Diskussion um ein Leistungszentrum muss es jetzt eine Entscheidung geben: So oder so. Oliver Bierhoff hat ein Projekt, das ich gar nicht kenne. Das wird Ende November auf einer Präsidiumssitzung vorgestellt. Nach Prüfungen aller Aspekte wird dann entschieden: Ja oder nein», sagte Zwanziger. Dass ausgerechnet jetzt lukrative und offenbar wohl platzierte Löw-Offerten - zum Beispiel aus der Türkei - einfliegen, überrascht Zwanziger nicht. «Wir haben Respekt vor der Leistung des Bundestrainers. Der Bundestrainer weiß aber auch, dass er es mit einer Vertrauensbeziehung zu tun hat, die auch ihren Wert hat.»
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