Herr Barretto und die WM: «Sehe gute Chancen»
Hamburg (dpa) - 13.10.2009, 16:24 Uhr
Nationalspieler Cacau freut sich auf seinen Einsatz in der Startelf.
Herr Baretto, mit vollem Namen Jeronimo Maria Barreto Claudemir da Silva, zeigte sich bei der Präsentation des Deutschen Fußball-Bundes bei einem Hamburger Kosmetikartikel-Hersteller stolz - auf seinen Namen und sein Debüt. «Wenn Sie mich mit Herr ansprechen, müssen Sie Herr Barreto sagen. Aber Sie dürfen mich Cacau nennen, das hört sich besser an.» Erstmals wird der gebürtige Brasilianer in der Startformation der deutschen Fußball-Nationalmannschaft stehen, bisher wurde er dreimal nur eingewechselt. «Ich habe auf diese Chance gewartet», sagte Cacau, der eine der ungewöhnlichsten Karrieren vorweisen kann, die es in der Geschichte der DFB-Auswahl je gegeben hat. «Im Jahr 2000 bin ich nach München gekommen, nicht zu den Bayern, sondern zu Türk Gücü in die Landesliga. Wir haben in der ersten Saison den Klassenerhalt geschafft», berichtete Cacau auf der großen Bühne von den Anfängen ganz unten. Ein Freund, der jetzt sein Berater ist, hatte den jungen brasilianischen Fußballer nach Deutschland geholt. «Da war auch ein hohes Risiko dabei», meinte der neue DFB-Star, der die inzwischen lange Liste jener deutschen Nationalspieler erweitert, die ausländischer Abstammung sind. Über die Stationen Nürnberg-Amateure, 1. FC Nürnberg Bundesliga-Team und VfB Stuttgart kämpfte sich Cacau immer weiter nach oben. «Ich habe schwierige, aber auch schöne Zeiten erlebt», erzählte der Profi ganz locker.
Ein Einbürgerungstest, zu dem sich der inzwischen zweifache Familienvater zu Beginn dieses Jahres entschlossen hatte, öffnete Cacau schließlich im für einen Fußballer reifen Alter von 28 Jahren die Tür zur deutschen Nationalmannschaft. Dabei hatte er das gar nicht im Kopf, als er für den Test büffelte: «Eigentlich wollten wir nach der Karriere nach Brasilien zurückgehen. Das hat sich verändert: Inzwischen können wir uns vorstellen, in Deutschland zu bleiben.» Vor allem für die Zukunft seiner Kinder wählte Cacau den deutschen Pass. Bundestrainer Joachim Löw kam das gerade recht, für die Asienreise im Sommer holte er Cacau erstmals in seinen Kader. «Er ist unglaublich engagiert, sehr schnell und beweglich. Er hat Zug zum Tor», beschrieb Löw die Vorzüge des gebürtigen Brasilianers, der sich in Stuttgart mit Mario Gomez «fast blind» verstanden hatte. Cacau ist für Löw eine tolle Ergänzung für die «Keilstürmer» Gomez, Miroslav Klose oder Stefan Kießling: «Er kann um die anderen herum spielen». Das eröffnet Cacau nun sogar die große Perspektive WM 2010. «Ich sehe für mich gute Chancen», meinte der Neu-Nationalspieler selbstbewusst. Dann könnte seine ungewöhnliche Karriere eine noch überraschendere Krönung bekommen. Nicht nur Cacau hat die Liste jener Nationalspieler erweitert, die in einem anderen Land geboren wurden oder ausländische Wurzeln haben. Zuletzt debütierte Jérome Boateng gegen Russland im deutschen Team. Er wurde in Berlin geboren, hat einen ghanaischen Vater und eine deutsche Mutter. Boateng ist Nationalspieler Nummer 25 mit ausländischen Wurzeln seit 1998. | Name | Wurzeln in | Länderspiele | DFB-Debüt |
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| Paulo Rink | Brasilien | 13 | 02. September 1998 2:1 Malta | | Oliver Neuville | Schweiz | 69 | 02. September 1998 2:1 Malta | | Mustafa Dogan | Türkei | 2 | 30. Juli 1999 0:2 USA | | Zoltan Sebescen | Ungarn | 1 | 23. Februar 2000 1:2 Niederlande | | Miroslav Klose | Polen | 92 | 24. März 2001 2:1 Albanien | | Gerald Asamoah | Ghana | 43 | 29. Mai 2001 2:0 Slowakei | | Thomas Brdaric | Kroatien | 8 | 27. März 2002 4:2 USA | | Paul Freier | Polen | 19 | 09. Mai 2002 7:0 Kuwait | | Kevin Kuranyi | Brasilien | 52 | 29. März 2003 1:1 Litauen | | Lukas Podolski | Polen | 67 | 06. Juni 2004 0:2 Ungarn | | Patrick Owomoyela | Nigeria | 11 | 16. Dezember 2004 0:3 Japan | | Lukas Sinkiewicz | Polen | 3 | 03. September 2005 2:0 Slowakei | | David Odonkor | Ghana | 16 | 30. Mai 2006 2:2 Japan | | Malik Fathi | Türkei | 2 | 16. August 2006 3:0 Schweden | | Piotr Trochowski | Polen | 26 | 07. Oktober 2006 2:0 Georgien | | Mario Gomez | Spanien | 29 | 07. Februar 2007 3:1 Schweiz | | Gonzalo Castro | Spanien | 5 | 28. März 2007 0:1 Dänemark | | Marko Marin | Bosnien | 7 | 17. Mai 2008 2:2 Weißrussland | | Serdar Tasci | Türkei | 9 | 20. August 2008 2:0 Belgien | | Marvin Compper | Frankreich | 1 | 19. November 2008 1:2 England | | Andreas Beck | Russland | 4 | 11. Februar 2009 0:1 Norwegen | | Mesut Özil | Türkei | 5 | 11. Februar 2009 0:1 Norwegen | | Cacau | Brasilien | 3 | 29. Mai 2009 1:1 China | | Sami Khedira | Tunesien | 1 | 05. September 2009 2:0 Südafrika | | Jérome Boateng | Ghana | 1 | 10. Oktober 2009 1:0 Moskau |
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