Zuversicht und Zweifel: Südafrikas schwierige Mission
Leverkusen (dpa) - 04.09.2009, 14:49 Uhr
Der Trainer der Südafrikaner Joel Santana (M) stärkt seinem Team den Rücken.
Zwischen Zuversicht und Zweifel - auf dem Weg ins große Abenteuer wandeln Südafrikas Fußballer auf schmalem Grat. Einerseits bietet das Duell mit Deutschland in Leverkusen die große Chance, weiter Selbstvertrauen für die WM im eigenen Land zu tanken. Andererseits besteht die Gefahr, dass die Bedenken über die Tauglichkeit des Teams für das in neun Monaten beginnende Turnier zurückkehren. Zu Beginn der Werbetour durch Europa mit weiteren Spielen gegen Irland, Norwegen und Island stärkt Trainer Joel Santana seinen Profis demonstrativ den Rücken: «Wir haben beim Confed-Cup gezeigt, dass wir mit den Großen mithalten können. Platz vier hat viele überrascht.» Noch ist vor allem das Spiel der «Bafana, Bafana» im Halbfinale des WM-Testlaufs im Juni gegen Rekordweltmeister Brasilien in bester Erinnerung. Der famose Auftritt nahm den heimischen Fans trotz der knappen Niederlage ein Stück von der Angst, als erster WM-Gastgeber schon in der Vorrunde auszuscheiden. Nicht nur in Südafrika wuchs die Wertschätzung für die Mannschaft. «Sie hat einige gute Spiele gezeigt - auch gegen große Gegner. Was ihr noch fehlt, ist Konstanz», befand der deutsche Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack.
Dieses Manko soll bis Juni 2010 behoben sein. «Wir wollen möglichst viel internationale Erfahrung sammeln», sagte der Coach in Anspielung auf die zahlreichen Testspiele, mit denen er den Ernstfall proben will. Diesen Tests kommt eine besondere Bedeutung zu. Schließlich verpasste sein Team die Qualifikation für den Afrika-Cup Anfang des kommenden Jahres in Angola. Die verbliebene Zeit bis zur WM will Santana vor allem dazu nutzen, seiner Mannschaft eine effektivere Spielphilosophie zu vermitteln, die weniger afrikanische und etwas mehr europäische Elemente enthält. «Ein bisschen Show wie im brasilianischen Fußball ist erlaubt. Aber wir müssen ein Gleichgewicht zwischen spielerischen Elementen und Disziplin finden.» Schon in der neuen BayArena will Santana in dieser Hinsicht Fortschritte erkennen. Die Außenseiterbürde des 73. gegen den 4. der FIFA-Weltrangliste schreckt ihn nicht: «Es gibt Underdogs und es gibt Giganten. Aber das Schöne am Fußball ist, dass nach dem Anpfiff alles passieren kann.» Klagen über das Fehlen von Stammkräften wie Torhüter Itumeleng Khune, Spielmacher Teko Modise, McBeth Sibaya, Matthew Booth und Bryce Moon kommen dem brasilianischen Fußball-Lehrer nur leise über die Lippen. Vielmehr wertet es den Personalnotstand als «eine Chance, mal etwas Neues auszuprobieren». Ob der Bielefelder Rowen Fernandez, derzeit der einzige in Deutschland tätige Profi im Kader des WM- Gastgebers, zu den Profiteuren gehört und den verletzten Khune im Tor ersetzt, ließ Santana offen.
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