Mittelfeldspieler Wolfgang Weber klärt 1966 im WM-Finale gegen England mit einem Kopfball.
Am 30. Juli 1966 rückte Wolfgang Weber in den Fokus der Fußball-Weltöffentlichkeit. Mit seinem Treffer in der letzten Minute der Normal-Spielzeit beim WM-Finale gegen England in London ermöglichte er der deutschen Nationalmannschaft die Verlängerung.
Und nach dem «Wembley-Tor» von Geoff Hurst köpfte «Eisenfuß» das Leder über das Gehäuse. Am 26. Juni wird Weber 65 Jahre alt. Seinen Beinamen bekam er, weil er im Viertelfinale des Landesmeister-Europapokals 1965 gegen den FC Liverpool mit gebrochenem Wadenbein bis zum Schluss durchhielt.
«Mir geht es gut, sehr gut», sagte Weber der Deutschen Presse-Agentur dpa am Tag vor seiner Feier, die er «für gute Freunde und Verwandte» in einem Lokal am Kölner Rheinufer ausrichtet. Weggefährten wie Wolfgang Overath, Hannes Löhr, Herbert Zimmermann oder Bernd Cullmann werden ihm die Reverenz erweisen. Das wird ihm Spaß machen - wie alles, was er derzeit anpackt. «Ich arbeite noch in einer Gärtnerei, bin Botschafter der Special Olympics.» Und bei fast jedem Heimspiel «seines» FC sitzt er auf der Tribüne: «Mein Herz schlägt nach wie vor für den FC.»
An sein 2:2 von Wembley, eines von zwei Toren in 53 Länderspielen, erinnert sich Weber besonders gern: «Das schuf die Hoffnung, in der Verlängerung doch noch Weltmeister zu werden.» Aber die Hoffnung trog. «Eine Zeitlang habe ich schon noch ein bisschen gehadert, dass wir unser großes Ziel nicht erreicht haben. Aber England war an diesem Tag einfach glücklicher. Und ich gestehe ehrlich, dass mir das Wembley-Tor eine Zeitlang schon noch sehr wehgetan hat.»
Vorbei, aber das 2:4 ist nicht vergessen. Denn Weber, der 1970 in Mexiko mit Deutschland WM-Dritter und mit dem 1. FC Köln 1964 und 1978 deutscher Meister wurde, bezeichnet das «Wembley-Tor» auch 43 Jahre danach noch als «Nicht-Tor» - «und wer einmal in einem WM- Finale steht, möchte es auch gewinnen. Ein WM-Endspiel erreicht man als Fußballer ja nicht so oft».
Den Bezug zum Fußball hat Weber nie verloren - und er wird in der neuen Saison «auch das eine oder andere Auswärtsspiel des FC» besuchen. Dabei setzt er in Heimkehrer Lukas Podolski, Neuzugang Sebastian Freis und Torjäger Milivoje Novakovic große Hoffnungen: «Ich wünsche mir, dass der FC zu Hause wieder eine Macht wird. Und mit Podolski, Freis und Nova sollte es möglich sein.» Weber empfiehlt den FC-Profis «ein kleines bisschen mehr Risikofreudigkeit. Denn es muss das vordringlichste Ziel sein, die Fans zu verwöhnen».
Für die heutigen Profis hegt Weber «überhaupt keine Neidgefühle. Das, was sie verdienen, ist hart verdientes Geld». Auch er und seine Mitstreiter hätten in den 60er und 70er Jahren «relativ viel bekommen, obwohl sich das nicht vergleichen lässt». Dass Menschen wie Roman Abramowitsch als Eigner des Michael-Ballack-Clubs FC Chelsea viel Bares investieren, «liegt ja bei ihm. Er muss wissen, wie er sein Geld einsetzt.» Sicherungs-Mechanismen wie die deutsche 50+1- Regel, die eine Mehrheitsübernahme eines Clubs durch einen Investor verhindert, heißt Weber allerdings willkommen: «Ich finde es absolut okay, dass bei uns nicht mit dem Geld anderer hasardiert wird.»
Wünsche hat Wolfgang Weber nicht mehr viele: «Gesundheit ist alles, was ich brauche.» 1978 beendete er nach 356 Erstliga-Partien (21 Tore) seine aktive Laufbahn wegen einer Herzmuskelentzündung. Danach wurde er Trainer bei Werder Bremen und war anschließend als adidas-Repräsentant tätig. Heute engagiert sich Weber in verschiedenen Bereichen ehrenamtlich und karitativ.