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Löw in Abwehr-Not - Huth-Partner Friedrich wackelt

Shanghai (dpa) - 28.05.2009, 15:20 Uhr

Der deutsche Abwehrspieler Robert Huth gibt sein Comeback in der Nationalmannschaft.
Der deutsche Abwehrspieler Robert Huth gibt sein Comeback in der Nationalmannschaft.

Erst übermannte der Jetlag Joachim Löw mitten im Champions-League-Finale, dann stürzte ihn die Verletzungen der Innenverteidiger Arne Friedrich und Heiko Westermann in höchste Abwehrnot.

Ein Trainingsabbruch von Bastian Schweinsteiger nährte beim Bundestrainer zusätzlich die Zweifel, ob gegen das von ihm als «Fußball-Entwicklungsland» eingestufte China die heikle Asienreise mit dem ohnehin stark ersatzgeschwächt angereisten Minikader von 17 Mann zur erhofften Werbung für den deutschen Fußball werden kann.

«Die Lage ist nicht so dramatisch», versuchte Löw zwar zu beruhigen. Er ließ aber schon beim Abschlusstraining mit einer Not-Variante mit dem Stuttgarter Neuling und Außenverteidiger Christian Träsch neben Rückkehrer Robert Huth im Zentrum üben. «Wenn es nicht gehen sollte, müssen eben die jungen Leute ran. Das ist doch schön. Irgendwann müssen sie doch Erfahrung sammeln», meinte Löw.

Am Tag vor der China-Premiere der Nationalelf am 29. Mai hatte eine Schreckensmeldung die nächste gejagt. Der neben Huth im Abwehrzentrum fest eingeplante Friedrich wachte mit starken Schmerzen im erst im vergangenen Monat operierten linken Knie auf und konnte ebenso wie Westermann, der wegen einer Sehnenverletzung am rechten Fuß selbst «kaum Hoffnung» auf einen Einsatz hat, nicht trainieren.

«Heute morgen war bei mir plötzlich Flüssigkeit im Knie und es tat weh», berichtete Friedrich am Abend bei einer Gala von DFB und der Bundesliga mit den chinesischen Gastgebern in einem Nobel-Hotel in Shanghai. Ein Salbenverband sollte über Nacht helfen, Friedrich will gerade an seinem 30. Geburtstag nicht auf die lange erwartete Chance im Zentrum verzichten. «Ich werde alles versuchen», kündigte der Herthaner an, «sonst haben wir ja nur noch Robert in der Innenverteidigung.»


Jetzt könnte sich rächen, dass Löw auch nach der Absage des Hamburgers Marcell Jansen - dem insgesamt 17. Ausfall - mit nur 17 Akteuren nach Fernost gereist war. Das geringste Problem stellt noch Schweinsteiger da. Der erfahrenste Akteur im Aufgebot brach wegen Rückenproblem das letzte Training ab, bei dem verkaufte Freikarten des DFB an chinesische Anhänger für Ärger in der deutschen Delegation sorgten. Das sei nur «eine Vorsichtsmaßnahme» gewesen, versuchte Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt zu beruhigen. Nur zwölf voll belastbare Feldspieler bestritten die letzte Übungseinheit.

Schon vor den Verletzungssorgen hatten die Nachwirkungen des Nachtfluges nach Shanghai und die Zeitumstellung von sieben Stunden selbst Löw skeptisch gemacht. «Man merkt, dass alle noch mit den Reisestrapazen zu kämpfen haben. Es ist nicht so einfach, das wegzustecken», sagte der Bundestrainer. Der Jetlag selbst hatte auch ihn in der Nacht zum Donnerstag beim Triumph des FC Barcelona gegen Manchester United übermannt. Um 4.00 Uhr Ortszeit war er 30 Minuten vor dem Spielende in seinem Hotelbett in den Schlaf gesunken. «Das ist mir auch noch nicht passiert, dass ich beim Champions-League-Finale eingeschlafen bin», meinte Löw am Tag danach.

Hellwach soll sich sein Not-Kader mit insgesamt fünf Neulingen gegen die international nur zweitklassigen Chinesen präsentieren. «Wir werden alles dafür tun, dass wir das Spiel gewinnen», versprach Löw. Ex-Nationaltorhüter Oliver Kahn, der in China gerade zehn Folgen einer TV-Show mit einheimischen Torwart-Talenten aufzeichnet, erinnerte als Stargast beim Galaabend nochmals an das magere 1:0 beim ersten Vergleich mit den Chinesen 2005. «Wir haben damals in Hamburg mit Ach und Krach gewonnen», sagte Asien-Held Kahn. Die Qualifikation für die WM 2010 haben die Chinesen bereits verpasst. «Sie werden uns aber körperlich alles abverlangen», warnte Löw trotzdem.

Huth feiert wenige Tage nach dem Abstieg mit dem FC Middlesbrough aus der englischen Premier League sein Comeback im Nationaltrikot. «Ich hatte ihn nie abgeschrieben. Er macht körperlich einen gut austrainierten Eindruck», pries Löw den 24-Jährigen. «Die Rückkehr war immer ein Wunsch von mir», sagte Huth. Sein 17. und bislang letztes Länderspiel hatte der kantige Verteidiger 2006 im WM-Gruppenspiel gegen Ecuador (3:0) bestritten. Auch Friedrich will der Bundestrainer unbedingt im Zentrum testen: «Ich plane dort mit ihm in den nächsten Etappen», sagte Löw mit Blickrichtung WM 2010.

Trotz seiner Kopfverletzung wird auch Robert Enke im Tor stehen, der Hannoveraner will sogar auf einen Schutzverband verzichten. «Es besteht keine Gefahr. Robert hat auch keine Angst», erläuterte Löw. Im Angriff vertraut Löw auf den Neu-Münchner Mario Gomez und Köln-Rückkehrer Lukas Podolski. «Beide waren in der Endphase der Bundesliga sehr präsent», sagte Löw. Als einziger der insgesamt fünf Neulinge ist der frischgebackene deutsche Meister Christian Gentner für die Startformation eingeplant. «Er hat sich enorm entwickelt in Wolfsburg», lobte der Bundestrainer.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

China: Yang Zhi (Beijing Guo'an/26 Jahre/2 Länderspiele) - Cao Yang (Tianjin Teda/27/30), Feng Xiaoting (Daegu FC/23/7), Du Wei (Shanghai Shenhua/27/31), Yu Hai (Shaanxi Baorong/21/0) - Hao Junmin (Tianjin Teda/22/18), Zhou Haibin (PSV Eindhoven/23/37), Zheng Zhi (Charlton Athletic28/45), Wang Xinxin (Tianjin Teda/28/4) - Gao Lin (Shanghai Shenhua/23/19), Han Peng (Luneng Taishan/25/20)

Deutschland: Enke (Hannover 96/31/6) - Hinkel (Celtic Glasgow/27/19), Träsch (VfB Stuttgart/21/0), Huth (FC Middlesbrough/24/17), Lahm (Bayern München/25/55)- Schweinsteiger (Bayern München/24/65), Gentner (VfL Wolfsburg/23/0), Hitzlsperger (VfB Stuttgart/27/45), Trochowski (Hamburger SV/25/20) - Gomez (VfB Stuttgart/23/23), Podolski (Bayern München/23/62)

Schiedsrichter: Lee (Südkorea)

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