Leipzig: Eine Arena auf Trümmern
Leipzig (dpa) - 27.03.2009, 15:59 Uhr
Die Luftaufnahme zeigt das Zentralstadion in Leipzig mit dem Hauptportal.
Zum dritten Mal spielt die deutsche Fußball- Nationalmannschaft im neuen Leipziger Zentralstadion - doch die Geschichte dieses Fußball-Schauplatzes reicht viel weiter zurück. 1956 war das Stadion am Elsterbecken mit dem zweiten Turn- und Sportfest der DDR eingeweiht worden. Mit 100 000 Sitzplätzen, verteilt auf lange Holzbänke, gehörte das Zentralstadion lange zu den größten Arenen Europas. Von einem Spiel der DDR-Nationalmannschaft gegen die Tschechoslowakei am 27. Oktober 1957 (1:4) steht die Zahl 110 000 Zuschauer in einigen Archiven - deutscher Rekord bis heute. «Als der VfB Leipzig 1993 in die Bundesliga aufstieg, war ich mit meinem Vater im Stadion», erinnerte sich der 1985 in Leipzig geborene Nationaltorwart René Adler, der seine Länderspiel-Premiere im Zentralstadion wegen einer Ellbogen-Blessur verpasst.
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Die Faszination der Arena, die für die Weltmeisterschaft 2006 für rund 100 Millionen Euro neu erbaut wurde, hat sich nicht nur bei Adler gehalten. Dabei können die Ausmaße des ursprünglichen Stadions nur noch erahnt werden. Der alte, 23 Meter hohe Wall, der aus 1,5 Millionen Kubikmetern Kriegstrümmern aufgeschüttet worden war, ist erhalten geblieben. In die alte Schüssel hinein wurde das neue Stadion gebaut. Im November 2004 feierte das Team des damaligen Bundestrainers Jürgen Klinsmann einen 3:0-Sieg gegen das von Winfried Schäfer gecoachte Kamerun - Schäfer wurde unmittelbar danach gefeuert. Im Sommer 2005 jubelte Deutschland beim Confederations Cup mit Klinsmann über ein mitreißendes Spiel um Platz 3 - 4:3 gegen Mexiko nach Verlängerung. Und auch das WM-Qualifikationsspiel am Samstag gegen Liechtenstein ist mit 43 368 Zuschauern ausverkauft. Leipzig hatte schon zuvor denkwürdige Spiele gesehen, die DDR trug im alten Zentralstadion 46 ihrer insgesamt 293 Länderspiele aus. Im Geburtsjahr Adlers 1985 gelang mit einem 2:0 gegen den damaligen Europameister Frankreich in der WM-Qualifikation einer der größten Erfolge, der Berliner Rainer Ernst und der Leipziger Ronald Kreer erzielten die Tore. Und auch ihre einzige WM-Endrunden-Teilnahme 1974 hatte das DDR-Team in Leipzig perfekt gemacht; der Hallenser Bernd Bransch war mit zwei Toren beim 2:0 gegen Rumänien der gefeierte Held. Der «große Bruder» Sowjetunion wurde in Leipzig ebenfalls bezwungen: Nach Toren von Reinhard Häfner und Jürgen Sparwasser hieß es im Juli 1977 vor 95 000 Zuschauern 2:1. Besonders in Erinnerung geblieben ist der legendäre Vergleich zwischen Wismut Karl-Marx-Stadt und dem 1. FC Kaiserslautern (3:5) am 6. Oktober 1956, nur zwei Monate nach der Stadion-Eröffnung. Es war einer der ersten deutsch-deutschen Sport-Vergleiche nach der Teilung. Mit der Hacke markierte Fritz Walter in dieser Partie das berühmte «Jahrhundert-Tor». Und auch Diego Maradona kickte schon im Zentralstadion, als der einstige Europapokal-Finalist 1. FC Lok Leipzig dem SSC Neapel ein 1:1 abtrotzte - vor «nur» 81 000 Fans.
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