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Kampf um Nummer 1: Enke profitiert von Adlers Pech

Leipzig (dpa) - 26.03.2009, 14:52 Uhr

René Adler muss vorerst auf der Tribüne Platz nehmen.
René Adler muss vorerst auf der Tribüne Platz nehmen.

Joachim Löw hatte gegen Liechtenstein im Tor mit Lokalmatador René Adler geplant, doch die Ellbogen-Verletzung des gebürtigen Leipzigers durchkreuzte die Absicht des Bundestrainers und beschert Rückkehrer Robert Enke eine neue Chance im deutschen Vierkampf um die Nummer 1.

«René ist verletzt - Robert spielt. Wir vertrauen ihm», verkündete Löw und gab zugleich bekannt, dass der Hannoveraner Enke auch beim zweiten WM-Qualifikationsspiel in Cardiff gegen Wales eine weitere Bewährungschance erhalten wird, «wenn nichts Unvorhergesehenes passiert». Grummelnd auf die Bank muss Tim Wiese.

«Die Enttäuschung ist nicht nur klein, sondern groß. Es wäre eine Riesensache gewesen, vor heimischem Publikum zu spielen», erklärte Adler. Der Keeper von Bayer Leverkusen muss nun tatenlos zusehen, wie sein nach einigen Schwächen in letzter Zeit ohnehin geschrumpfter Vorsprung auf die Konkurrenten weiter schwinden könnte. «Wenn man nicht spielen kann, kann man sich nicht anbieten», sagte Realist Adler: «Aber ich werde den Kopf nicht in den Sand stecken.»

Es ist schon paradox: Erst ein Kahnbeinbruch an Enkes linker Hand hatte Adler im vergangenen Oktober in Dortmund zum hochgelobten Debüt beim 2:1-Sieg gegen Russland verholfen. Nun profitiert Enke vom Pech des jungen Rivalen. «Jetzt hat es mich getroffen», stöhnte Adler. «Der Bluterguss am Ellbogen behindert ihn zu stark», erklärte Löw.

Der vom Bundestrainer ausgerufene Vierkampf zwischen Adler, dem Hannoveraner Enke, dem Bremer Wiese und U 21-Nationalkeeper Manuel Neuer vom FC Schalke 04 hat an Spannung zugenommen. «Daraus müssen wir die drei Torhüter finden, die bei der WM dabei sind», erklärte Bundestorwarttrainer Andreas Köpke.


Einen Rückschlag hat nicht nur Adler erlitten, sondern auch der selbstbewusste Wiese. Einen «kleinen Vorteil» bescheinigte Löw dem 31-jährigen Enke, der bei Hannover 96 in der Schießbude der Bundesliga steht: «Robert hatte in den vergangenen Wochen eine sehr gute Form.» Der vier Jahre jüngere Wiese bekam auch ein Lob - aber nicht mehr: «Er hat sein Torhüterspiel optimiert», sagte Löw. Vor der Entscheidung hatte Wiese vor Selbstbewusstsein gestrotzt und den Konkurrenzdruck lässig kommentiert: «Von mir aus können die Trainer das noch länger durchziehen, das schreckt mich nicht ab.»

Auf die Schnelle wird Löw die Nummer 1 nicht ausrufen. Es gebe «kein Zeitfenster» dafür, sagte Köpke. Bis zum letzten Moment, wie 2006 beim Zweikampf Kahn/Lehmann, wolle man aber vor der WM in Südafrika nicht warten. «Das ist nicht unsere Intention», so Köpke. Adler liegt noch vorne, aber Enke kann Boden gut machen. Entscheidend könnte das Rückspiel gegen Russland am 10. Oktober in Moskau werden. «Es ist sicherlich das wichtigste Spiel. Wer da spielt, wird sich einen Vorsprung herausgearbeitet haben», bestätigte Köpke.

Ein Torhüter-Problem, das der deutsche Fußball eigentlich nie kannte, bestreitet Löw, auch wenn selbst Köpke keinem der vier Nummer-1-Kandidaten Weltklasseformat bescheinigt. «Die Qualität ist gut. Was dem einen oder anderen fehlt, ist die internationale Erfahrung in Länderspielen», kommentierte Löw.

Vier Länderspiele haben Adler und Enke, eines Wiese, null Neuer. «Jetzt gilt es, die Jungs weiterzuentwickeln», betonte Köpke. Dabei kommt auf Löw und Köpke womöglich bald ein neues Problem zu: Nach dem aktuellen Bundesliga-Tabellenstand würde keiner der vier Nummer-1- Anwärter in der WM-Saison mit seinem Verein international spielen.

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