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Torejagd: Löw will dunkle Wolken vertreiben

Leipzig (dpa) - 25.03.2009, 17:45 Uhr

Bundestrainer Joachim Löw (r) will viele Tore sehen.
Bundestrainer Joachim Löw (r) will viele Tore sehen.

Mit einem erneuten Torfestival gegen den Fußball-Zwerg Liechtenstein will Joachim Löw die dunklen Wolken rund um die deutsche Nationalmannschaft wieder vertreiben.

Nach zuletzt zwei Heim-Pleiten, unendlichen Debatten um Spieltempo und die Rolle von Kapitän Michael Ballack sowie Auseinandersetzungen mit der Bundesliga sollen die Fans im winterlichen Leipzig mit den fest eingeplanten drei Punkten und Spaß-Fußball aus besseren Zeiten versöhnt werden. «Wichtig ist, das Image, das wir uns in den vergangenen Jahren aufgebaut haben, nicht leichtfertig zu verspielen», warnte Teammanager Oliver Bierhoff. Aber die Signale seien positiv: «Konzentration und Spannung sind hoch.»

«Natürlich ist klar, dass wir jetzt zeigen wollen, dass es die Mannschaft ganz anders umsetzen kann», nannte Löw-Assistent Hansi Flick neben der «maximalen Punktzahl» als Hauptaufgabe für die WM- Ausscheidungs-Partien gegen den Tabellenletzten Liechtenstein und vier Tage später in Wales. Die «sehr zufriedenstellenden» Ergebnisse aus einer ersten Auswertung des Fitnesstests wertete die sportliche Leitung als erstes Zeichen für eine Wende. Auch Rückkehrer Marcell Jansen, der auf den «Wiedererkennungswert» der deutschen Nationalelf verwies, spürte auf dem Trainingsplatz, «dass alle mitziehen wollen und zu Erfolgserlebnissen kommen müssen».

Nach dem Fitness-Test in der Leichtathletik-Halle setzte Löw den Schwerpunkt bei gleich zwei Fußball-Trainingseinheiten auf taktische Übungen: Druck ausüben, Pressing und zum schnellen Abschluss kommen, hießen die Aufgaben für die Akteure um Kapitän Ballack auf dem Rasen der Sportschule Egidius Braun. Die angeschlagenen Per Mertesacker und Piotr Trochowski konnten bei leichtem Schneefall noch immer nur eingeschränkt mitüben. Der Leverkusener Torwart René Adler durfte wegen seiner Ellbogen-Blessur ausschließlich in der Rehabilitation arbeiten. Ob Adler, der sich mit dem Bremer Tim Wiese und dem Hannoveraner Robert Enke ein Rennen um die Nummer 1 liefert, für die Partie in seiner Heimatstadt noch fit wird, ist weiterhin ungewiss.

Löw und Flick haben für die Besetzung der Torwart-Position gegen Liechtenstein und Wales zwar schon «einen Plan im Kopf». Insgesamt aber zeichnet sich im Hinblick auf die angestrebte WM-Endrunde 2010 noch kein Favorit ab. «Wir haben schon sehr gute Torhüter in der Bundesliga. Aber ich beobachte, dass wir derzeit keine absoluten Weltklasse-Torhüter haben», sagte Bundestorwart-Trainer Andreas Köpke und erklärte den Vierkampf, in dem auch der Schalker Manuel Neuer noch Chancen hat, als derzeit völlig offen.


Der Hunger aller DFB-Spieler auf Einsatzzeiten und Erfolge scheint jedenfalls ungebrochen: «Ich versuche alles, um Leistung zu bringen, Tore zu machen und uns weiter Richtung WM zu schießen», erklärte Lukas Podolski, der nach seiner Rückbeförderung in die Stammelf des FC Bayern auch im DFB-Team wieder in die Startelf rücken dürfte. «Ich denke, sie werden ihre Leistung abrufen, wenn es darauf ankommt», übermittelte DFB-Präsident Theo Zwanziger aus Kopenhagen, wo für ihn am Mittwoch die Wahl in die Exekutive der Europäischen Fußball-Union UEFA auf dem Plan stand.

Der Verbandschef will nach den schwachen Leistungen gegen England (1:2) und Norwegen (0:1) ein klares Zeichen sehen. «Die letzten Länderspiele, vor allem das in Düsseldorf gegen Norwegen, haben die Fans nicht annähernd überzeugen können. Genau diese Leidenschaft, die wir da vermisst haben, erwarte ich jetzt in den beiden Spielen», betonte Zwanziger. Auch «Kaiser» Franz Beckenbauer setzt auf die Steigerungsfähigkeit des Vize-Europameisters: «Ich erwarte sechs Punkte. Wenn es um etwas geht, sind die Jungs wieder voll da.»

Bei all den Baustellen, die Löw derzeit von der offenen Torwart- Position bis zum Angriff ohne Topmann Miroslav Klose zu bearbeiten hat, kommt ein Aufbau-Gegner wie Liechtenstein gerade recht. 9:1, 8:2 und 6:0 wurde der Außenseiter in den bisherigen Partien abgefertigt. Bierhoff warnte aber vor der Vorstellung, man brauche im Ernstfall einfach nur den Hebel umzulegen. «Es wäre der größte Fehler, anzunehmen, es würde alles automatisch laufen, weil es wieder um Punkte geht.» Der Teammanager, der in Leipzig klare Signale für eine baldigen Verlängerung seines Vertrages mit dem DFB gab, weiß genau, dass trotz des derzeitigen Spitzenplatzes in der WM-Gruppe 4 alles andere als sechs Punkte die Direkt-Qualifikation für Südafrika und den Rest von Positiv-Stimmung in arge Gefahr bringen würde.

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