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Ost-Prominenz nur zu Besuch in Leipzig

Leipzig (dpa) - 24.03.2009, 14:48 Uhr

Matthias Sammer nach dem letzten Spiel der DDR-Nationalmannschaft.
Matthias Sammer nach dem letzten Spiel der DDR-Nationalmannschaft.

In dieser Woche ist der große Fußball wieder einmal zu Gast in Leipzig - doch die Kicker-Gemeinde in Sachsen und in allen östlichen Bundesländern leidet wie noch nie in den 20 Nach- Wende-Jahren.

An die profifreie einstige Fußball-Hochburg Leipzig, wo der frühere deutsche Meister VfB als 1. FC Lok in der 5. Liga spielt und Ex-DDR-Meister Chemie zum zweiten Mal als FC Sachsen die Insolvenz angemeldet hat, haben sich die Fans inzwischen gewöhnt. Der Absturz des Ost-Fußballs nach dieser Saison könnte aber noch weitaus dramatischer werden. Energie Cottbus steht in der Bundesliga auf einem Abstiegsplatz, dem langjährigen Erstligisten und jetzt einzigem Ost-Zweitligisten Hansa Rostock droht der freie Fall in Liga drei. Und auch die neue 3. Liga scheint für einstige DDR-Traditionsclubs wie Dynamo Dresden oder Carl Zeiss Jena schon eine Nummer zu groß.

«Die Diskrepanz ist riesengroß. Wir versuchen alles, was in unserer Verantwortung steht. Aber natürlich sehen alle zuerst auf Hansas Absturz oder darauf, wie der einstige Europacup-Sieger 1. FC Magdeburg in der 4. Liga dahin dümpelt», beschrieb Hans-Georg Moldenhauer, Präsident des Nordost-Verbandes, das Dilemma. Vor allem in die Talente-Förderung, aber auch in Infrastruktur und Breitensport im Osten investierte der DFB inzwischen viele Millionen Euro. Die 15 sportbetonten Fußball-Schulen, die seit 1996 vom Deutschen Fußball- Bund (DFB) gefördert werden, liegen alle auf dem Gebiet der neuen Bundesländer und sind als Nachfolger der Kinder- und Jugendsport- Schulen (KJS) inzwischen wieder anerkannt. Zudem sind acht der insgesamt 36 Eliteschulen des DFB heute im Osten beheimatet.

Doch oben, das heißt im Profi-Fußball, kommt zwischen Rostock und Erfurt fast niemand und nichts mehr an. Am 19. Juli 1990 hatten die Fußball-Verbände DFV und DFB bei der Vereinigung - ebenfalls in Leipzig - noch bestimmt, dass zwei Ost-Teams (Hansa Rostock und Dynamo Dresden) in der Bundesliga mitspielen durften, sechs dazu in der 2. Liga. Die Prominenten, die in Sachsen, Thüringen, Sachsen- Anhalt, Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern noch das Fußball-ABC gelernt hatten, kommen inzwischen nur noch als Gäste für kurze Zeit.

René Adler, der aus Leipzig stammt, und der Ex-Jenaer Robert Enke gehören zu jenem Kreis, den Bundestrainer Joachim Löw in Leipzig zur Vorbereitung auf die WM-Qualifikationsspiele am Samstag gegen Liechtenstein und vier Tage später in Wales versammelt hat. DFB- Kapitän Michael Ballack war im nur 90 Kilometer entfernten Chemnitz, das damals noch Karl-Marx-Stadt hieß, groß geworden. «Der FCK hieß eines Tages Chemnitzer FC. Und die KJS plötzlich Sportgymnasium», erinnert sich Ballack, im sächsischen Görlitz geboren und jetzt in der Weltstadt London zuhause, an die Wende-Monate vor fast 20 Jahren.


Rund 150 ehemalige DDR-Spieler waren bereits in den ersten fünf Jahren nach der Wende in die alten Bundesländer gegangen und hatten dort Verträge in der 1. oder 2. Bundesliga unterschrieben. Ungezählte folgten. Genau 27 von ihnen sind zu den prominentesten «Grenzgängern» geworden - von Matthias Sammer über Andreas Thom und Ulf Kirsten bis hin zu Bernd Schneider - und absolvierten zusammen genau 629 Länderspiele für das wiedervereinte Deutschland.

Am 19. Dezember 1990 hatte der Ex-Dresdner Sammer in seiner Wahlheimat Stuttgart im Spiel gegen die Schweiz (4:0) als erster «Ossi» wieder das Trikot mit dem Bundesadler überstreifen dürfen. 23 Spiele für die DDR, 51 für das wiedervereinte Deutschland absolvierte Sammer - nun ist er Sportdirektor des DFB. Und durchaus vorstellbar ist, dass Sammer nach der Ära Löw auch die Geschicke der deutschen Nationalmannschaft übernimmt. Dann könnte ganz Sachsen zumindest stolz auf «seinen» Bundestrainer sein - mehr als vier Jahrzehnte nach Helmut Schön. Der Weltmeister-Trainer von 1974 war auch Dresdner.

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