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Zwanziger macht sich trotz positiver Bilanz Sorgen

Frankfurt/Main (dpa) - 08.12.2008, 15:16 Uhr

DFB-Präsident Theo Zwanziger zieht eine positive Bilanz.
DFB-Präsident Theo Zwanziger zieht eine positive Bilanz.

Theo Zwanziger sieht ein «überaus erfolgreiches Jahr» hinter dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) liegen, fürchtet für 2009 aber Auswirkungen des Finanzmarktes auf des Deutschen liebstes Kind.

«Die Bankenkrise wird vor dem Sport und dem DFB nicht haltmachen», sagte der Verbandspräsident bei einer Pressekonferenz in Frankfurt/Main. Trotz des Streits in der Nationalmannschaft zwischen Joachim Löw und Michael Ballack, den Auseinandersetzungen mit dem Kartellamt und des verlorenen EM- Endspiels zog Zwanziger mehr als zufrieden Bilanz für das Fußball-Jahr 2008. «Wir haben tolle sportliche Höhepunkte erlebt und dabei viele Erfolge feiern können», sagte der 63-Jährige.

Unmittelbare finanzielle Auswirkungen für den DFB sieht Zwanziger derzeit nicht. «Aber das Leben in Deutschland wird sich ändern mit der Rezession, die wir wohl bekommen. Und der Fußball steht mitten im Leben und wir müssen das aushalten. Das wird aber eine ganz, ganz schwierige Aufgabe.» Der Verband verfüge nicht über Aktienfonds, die Sponsorenverträge seien langfristig angelegt. «Der DFB muss bei seinem ganzen Verhalten deutlich machen, dass er nicht zu denjenigen gehört, die sich alles leisten können», warnte er jedoch.

Zwanziger verwies auch darauf, dass die Fernsehgelder, die der Verband für Länderspiele erhält, «nicht in die Taschen von Millionären wandert, sondern an einem gemeinnützigen Zweck gebunden sind». Gleichzeitig rechnet der Spitzenfunktionär damit, dass in schwierigen Zeiten «das Gemeinschaftserlebnis wichtig wird» und dies den Vereinen vielleicht zugute käme.

Im Rechtsstreit gegen den freien Journalisten Jens Weinreich schloss Zwanziger persönliche Konsequenzen nicht aus. Im Fall einer juristischen Niederlage erwäge der DFB-Präsident einen Rücktritt von seinem Amt. «Wenn das verfassungsrechtlich zulässig ist, werde ich sehr ernsthaft erwägen, ob ich dieses Amt weiterführe», erklärte Zwanziger. Der DFB hatte Ende November angekündigt, Klage gegen Weinreich einreichen zu wollen, der Zwanziger im Juli dieses Jahres in dem öffentlichen Internet-Blog «Direkter Freistoss» als «unglaublichen Demagogen» bezeichnet hatte. Dabei ging es um die zentrale Vermarktung von TV-Rechten.


Die Nationalmannschaft sieht Zwanziger auf einem guten Weg in Richtung WM 2010 in Südafrika und lobte ausdrücklich auch die Frauen-Auswahl, die bei den Olympischen Spielen in Peking Bronze gewonnen hatte. Löw sei gemeinsam mit Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff, Sportdirektor Matthias Sammer und Frauen-Trainerin Silvia Neid das sportliche Gesicht des DFB. «Alle vier haben hervorragende Arbeit geleistet, und mein Vertrauen in sie ist auch für die Zukunft sehr groß», sagte der DFB-Chef.

Das wochenlange Theater um Ballack und Löw, räumte Zwanziger ein, habe für ihn «unvorstellbare Ausmaße» angenommen. «Nicht alles war gut», räumte er auch Fehler in der Krisenbewältigung ein. Konflikte in Spitzenpositionen werde es aber auch künftig geben. «Ich verspreche nicht, dass es 2009 nicht anders wird. Ich bin aber nicht der Schulmeister dieser Jungs», sagte der DFB-Präsident. «Wir haben einen starken Bundestrainer und der muss mit den Spielern und besonders mit dem Kapitän klare Regeln aufstellen.» Er werde in die sportliche Hierarchie nicht eingreifen, «meine Art ist es, Ratschläge zu geben».

Zwanziger betonte, dass die DFB-Auswahl die einzige Mannschaft war, die bei der WM 2006 in Deutschland und der EM 2008 in der Schweiz und Österreich unter die vier Ersten gekommen sei und verwies auf die zahlreichen Erfolge der Nachwuchsmannschaften des DFB. Doch genauso wichtig war dem DFB-Präsidenten im vergangenen Jahr die soziale Ader des größten Sportfachverbandes der Welt mit inzwischen über 6,5 Millionen Mitglieder: «Wir sind durch vielfältige Projekte und Aktionen unserer gesellschaftspolitischen Verantwortung gerecht geworden, zum Beispiel durch den Bau von 1000 Mini-Spielfeldern in Deutschland oder wichtige Akzente zum Thema Integration.»

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