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Löw verspricht «neue Periode»: Keine Erbhöfe

Herzogenaurach (dpa) - 19.08.2008, 15:42 Uhr

Bundestrainer Joachim Löw bei einer Pressekonferenz.
Bundestrainer Joachim Löw bei einer Pressekonferenz.

Es ist nur ein Test, aber der eigentlich bedeutungslose Länderspiel-Auftakt in die neue Saison könnte schon zum Start eines größeren Umbruchs in der Fußball-Nationalmannschaft werden.

Bundestrainer Joachim Löw versprach einen Tag vor der Partie gegen Belgien den Beginn «einer neuen Periode» beim Vize-Europameister, in der es nur streng nach Leistungen gehen soll. «Grundsätzlich drängen junge Spieler nach. Da kann sich jeder, der spielt, einen Vorteil erarbeiten», erklärte Löw die letzte Vorbereitungs-Partie vor dem Start in die WM- Qualifikation im September zum neuen Wettrennen um die begehrten Kader- und Stammplätze. «Auch wenn es um nichts geht in dem Spiel, geht es für jeden Einzelnen darum, sich zu präsentieren», betonte Thomas Hitzlsperger, der gemeinsam mit Simon Rolfes die Schaltzentrale des deutschen Spiels bilden soll.

Der Stuttgarter Hitzlsperger hat Löws Zeichen verstanden und sagte den derzeit verletzten Michael Ballack und Torsten Frings sofort den Kampf an. «Ich weiß, dass mit Ballack und Frings noch zwei erfahrene Spieler da sind, die es zu verdrängen gilt», verkündete der neue Kapitän des VfB Stuttgart mutig. «Für uns beide ist es ein neuer Abschnitt mit neuen Zielen», ergänzte Hitzlspergers Mittelfeld-Kollege Rolfes nicht minder kämpferisch. Auch der 26 Jahre alte Leverkusener, bei Bayer ebenfalls neu zum Spielführer aufgestiegen, möchte im DFB-Team mehr als ein Ergänzungsspieler sein. «Form und Fitness kommen vor Namen», formulierte Löw einen neuen Anspruch, dem er beim EM-Turnier in Österreich und der Schweiz trotz des deutschen Endspiel-Einzugs mit seiner Aufstellung nicht immer erfüllt hatte.

Erstes «Opfer» der kompromisslosen Linie des Bundestrainers, der keinerlei Erbhöfe zulassen möchte, könnte 45 Tage nach dem mit 0:1 gegen Spanien verlorenen EM-Finale Christoph Metzelder werden. Anders als noch bei der EURO wollte Löw dem 27-Jährigen für das Belgien-Spiel keinen Platz in der Startelf garantieren. «Ich werde mich erst informieren, was hat er getan, auf welchem Stand ist er. Es ist einfach noch offen», betonte der DFB-Chefcoach und kündigte ein Gespräch mit dem Innenverteidiger an. Im Supercup am Sonntag gegen Valencia war Metzelder bei Real Madrid erneut nur Bankdrücker.

Gut möglich, dass in Nürnberg nun der 21-jährige Serdar Tasci neben dem Schalker Heiko Westermann in die Abwehrzentrale rückt. Löw kündigte das Debüt des jungen Stuttgarters bereits an: «Serdar wird spielen.» Ob das gleich zu Beginn sein wird oder doch erst im Verlauf des Spiels, für das am Dienstag erst rund 30 000 der 42 000 Tickets verkauft waren, ließ er noch offen.


Der Bundestrainer hat in seiner EM-Analyse, die er nach drei Wochen totaler Fußball-Pause erstellte, aber auch noch andere Korrektur-Notwendigkeiten gefunden. Er will bis zum Start der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika wieder mehr Wert auf die Kontrolle der Fitness legen. Obwohl es in dieser Saisonphase noch nicht «allzu viele Aufschlüsse» geben könne, verlangt Löw von seinem Team in Nürnberg Hochgeschwindigkeits-Fußball und setzt dabei anders als in der zweiten EM-Phase wieder auf zwei echte Stoßstürmer.

Einen Rüffel verteilte Löw noch an Ballack, der nach dem EM-Finale mit Manager Oliver Bierhoff aneinandergeraten war. Die Wortwahl des Kapitäns sei in dem Moment «nicht so ganz geschickt gewesen», monierte der Bundestrainer. Zwar seien die Emotionen verständlich: «Allerdings muss man sich als Kapitän der Mannschaft nicht in diesem Maße und mit solchen Ausdrücken abreagieren», sagte Löw in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».

Mit silbernen Fußballschuhen wird Lukas Podolski gegen Belgien auflaufen. Der Münchner bekam den «Silbernen Schuh» der UEFA als zweitbester EM-Torschütze hinter dem Spanier David Villa überreicht. «Wir sind stolz auf den zweiten EM-Platz, aber jetzt greifen wir die WM an», erklärte der 54-malige Nationalspieler, der wohl wieder aus dem Mittelfeld heraus stürmen soll. Vor ihm könnten trotz seiner anhaltenden Formkrise Miroslav Klose und Mario Gomez auf Torejagd gehen. Aber auch der Schalker Kevin Kuranyi, der bei der EM keine Rolle gespielt hatte, rechnet sich nach seinen zwei Treffern zum Bundesliga-Start einiges aus: «Jetzt fängt alles wieder neu an. Ich will meine Chance suchen.»

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