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Leichtes WM-Los erlaubt Blick auf 2010

Durban (dpa) - 26.11.2007, 17:48 Uhr

Christian Karembeu ist für das Los der Deutschen verantwortlich.
Christian Karembeu ist für das Los der Deutschen verantwortlich.

Die Gegner in der WM-Qualifikation können der deutschen Fußball-Nationalmannschaft keine Angst einjagen, und so richtete Oliver Bierhoff den Blick schon Richtung 2010.

Die WM-Vorfreude war beim Teammanager nach dem Südafrika-Kurztripp zur Auslosung aber getrübt. Der Tod des Österreichers Peter Burgstaller auf einem Golfplatz nahe Durbans hat die prekäre Sicherheitslage im nächsten WM-Gastgeberland auf traurige Weise in Erinnerung gerufen und wird auch die DFB-Stars vor neue Herausforderungen stellen. «Das wird ein Thema auch für die Spieler sein, weil sie sich nicht so frei bewegen können, wie sie es gewohnt sind, und man schauen muss, dass kein Lagerkoller aufkommt», sagte Bierhoff.

«Sicherheit ist immer ein Thema, es wird auch in Südafrika ein großes Thema sein. Ich glaube, dass die Sicherheit verstärkt werden muss», sagte Franz Beckenbauer, der sich auf dem Flug nach Südafrika noch mit Burgstaller - nur wenige Stunden vor dessen Tod auf einem Golfplatz - unterhalten hatte. Zum Abschluss der WM-Qualifikationsauslosung hat sich der «Kaiser» zu einem demonstrativen Spaziergang entlang der Uferpromenade der Stadt Durban entschlossen.

Zum deutschen Abschneiden bei der WM-Qualifikationsauslosung meinte er: «Es ist eine einfache Gruppe und Deutschland wird 2010 sicher hier sein. Wir sollten kein Problem mit der Qualifizierung haben!» Er persönlich glaube, dass Südafrika mit dem Bau der Stadien zeitgerecht fertig und der Welt eine gute Show bieten werde. «Die WM könnte in den kommenden 100 Jahren weder nach Südafrika noch nach Deutschland kommen, und ich denke, dass die Menschen sich die Spiele anschauen und so wie in Deutschland auch das Ereignis genießen werden.» In Deutschland steige das Interesse an dem Kap-Staat. Auch für ihn sei es weder der erste noch der letzte Aufenthalt am Kap.

Die erfolgreiche Qualifikation gegen Russland, Finnland, Wales, Aserbaidschan und Liechtenstein vorausgesetzt, wird Bierhoff in zweieinhalb Jahren mehr denn je in seiner Rolle als Entertainment-Organisator gefordert sein. «Da wird uns schon das Eine oder Andere einfallen», sagte der 39-Jährige, der die Nationalspieler auch schon vor und während der WM 2006 mit ungewöhnlichen Freizeit-Aktivitäten vom Bowling über Go-Kart-Rennen bis zu einem Uhrmacherkurs bei Laune hielt.


«Man muss auch bedenken, dass die WM im südafrikanischen Winter stattfindet. Die Spieler können nicht bei Sonnenschein im Garten sitzen», sagte Bierhoff. Die Möglichkeit, das Klimaproblem durch ein WM-Quartier im benachbarten Wüstenstaat Namibia zu umgehen, wurde den künftigen WM-Teilnehmern durch einen neuen FIFA-Beschluss untersagt. Spätestens fünf Tage vor Turnierbeginn müssen die Teams in Südafrika eintreffen.

Ganz gewiss wird der Deutsche Fußball-Bund seinen Stars einen ausführlichen Verhaltenscodex mit auf den Weg geben und Bierhoff kann daran aus eigener Erfahrung mitwirken. Den Verlust von Handy und Reisepass durch den Aktentaschen-Raub in Durban kommentierte der Ex-Profi, der zuletzt schon mit Bundeskanzlerin Angela Merkel Südafrika bereist hatte, aber durchaus selbstkritisch. «Man muss nicht nachlässig sein. Man sollte die Regeln, die hier angesagt werden, auch einhalten», sagte Bierhoff.

Die Auslosung der Gruppengegner wurde mit dem obligatorischen Respekt, aber auch mit dem seit den erfolgreichen WM-Tagen üblichen Selbstvertrauen aufgenommen. «Bei unserer jetzigen Position müssen wir das Selbstverständnis haben, diese Gruppe zu gewinnen», sagte Bierhoff. Die Expertenmeinung von Franz Beckenbauer bis Otto Rehhagel war einhellig: «Deutschland wird sich wie immer qualifizieren.»

Noch am Abend hatte sich DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach an die Planungen für die Qualifikationsrunde gemacht. Der genaue Spielplan wird mit den Offiziellen der fünf Kontrahenten bei einem Treffen am 9. und 10. Januar 2008 festgezurrt werden, das auf Einladung des DFB in Frankfurt stattfinden wird. Ein angedachtes Testspiel gegen Russland im Vorfeld der EM im kommenden Sommer wird nun nicht zu Stande kommen, betonte Niersbach. Und berichtete von einer amüsanten Randnotiz: «Kurioserweise hat uns der Generalsekretär aus Aserbaidschan vor der Auslosung gefragt, ob wir ihnen nicht einen deutschen Trainer vermitteln können. Da müssen wir jetzt natürlich genau überlegen, wen wir hinschicken.»

Schwerer als die deutsche Mannschaft erwischte es 928 Tage vor dem Turnierstart die Engländer, die sich wie in der EM-Qualifikation mit Kroatien auseinander setzen müssen. Außerdem gehören die Ukraine, Weißrussland, Kasachstan und Andorra der Gruppe 6 an. Insgesamt bewerben sich 199 Teams um die 31 Endrunden-Plätze neben Gastgeber Südafrika, die bis zum November 2009 in insgesamt 861 Spielen ermittelt werden. Aus Europa qualifizieren sich die neun Gruppensieger direkt für die WM-Endrunde. Die besten acht Gruppen- Zweiten spielen in einer Playoff-Runde die restlichen vier Plätze für 2010 aus.

Bevor aktuelle und ehemalige Fußball-Größen in die Lostöpfe griffen, präsentierte sich Südafrika in einer feurigen und farbenprächtigen Show erstmals als WM-Gastgeber der Weltöffentlichkeit. Vor dem bunten Bilderbogen aus afrikanischer Musik und Folklore hatte Staatspräsident Thabo Mbeki in seiner Eröffnungsrede nach einmal Werbung für das Ausrichterland betrieben: «Ich bin zuversichtlich, dass die Welt des Fußballs in und mit Südafrika feiern wird. Sie wird in 2010 die Schönheit des Kontinents kennenlernen.» FIFA-Präsident Joseph Blatter fügte hinzu: «Es gibt keinen Zweifel, dass die WM ein großer Erfolg sein wird.»

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