Also keine persönlichen Pläne zur Veränderung? Bierhoff: «Ich lass' das alles auf mich zukommen. Ich habe früher immer sehr weit geplant. Es glaubt mir immer noch keiner, ich wollte diesen Job eigentlich nicht. Ich hatte meiner Frau nach meiner Karriere gesagt: 'Wir sind jetzt freier, haben Anonymität' - jetzt stehe ich wieder im Blickpunkt der Öffentlichkeit.» Was hat sich für den Funktionär Bierhoff geändert? Bierhoff: «Der zeitliche Aufwand ist größer, aber auch die Identifikation mit dem Verband ist größer geworden. Ich habe das Vertrauen von Theo Zwanziger, er sieht die Ergebnisse der Arbeit.» Ärgert es da umso mehr, dass die Anerkennung aus der Liga fehlt, Sie sogar zur Reizfigur geworden sind? Bierhoff: «Länderspiel, Fernsehvertrag, Benefizspiele - es wird immer wieder versucht, diese Spannungen und diesen Kampf zwischen DFB und Liga hineinzutragen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Diskussionen - auch Reizpunkte - geholfen haben. Da wird es immer mal wieder zoffen, das gehört dazu. Mit Sicherheit ist es so, dass ich diese Rolle in der Post-Klinsmann-Zeit eingenommen habe.» Was steckt hinter den neu entfachten Attacken aus der Liga? Bierhoff: «Es tut mir leid, wenn immer dieser Eindruck entsteht, als ob wir jemanden kritisieren wollen, wenn wir über unsere Arbeit sprechen. Aber Fakt ist, unsere Mannschaft lockt 30 000 Zuschauer zum öffentlichen Training an, wir haben eine unheimliche Begeisterung, die besten Zuschauerquoten und im WM-Jahr 1,4 Millionen Trikots verkauft. Die Mannschaft hat die erfolgreichste EM-Qualifikation seit langem absolviert - das alles kann nicht nur mit einem WM-Schwung zusammenhängen. Das haben wir nur mit einer Philosophie, einem Konzept, einer Linie - der Begriff ist mir egal - geschafft. Wenn ich jetzt erlebe, wie alle die Hymne singen, da sage ich: 'He, das hat die Mannschaft geschafft'.» Die Bundesliga argumentiert, bei einem Club - wie etwa Energie Cottbus - ist eine Philosophie wie bei der Nationalmannschaft nicht umzusetzen. Bierhoff: «Ich hab' bei Chievo Verona gespielt, das ist ein Verein, der hat 8000 Zuschauer gehabt. Mit einer Philosophie hat er es bis in den UEFA-Cup geschafft. Auch Mainz hat eine gewisse Philosophie, als Verein und Mannschaft. Gladbach hatte früher eine Philosophie. Man kann auch eine falsche Philosophie haben, aber man hat eine. Je erfolgreicher die Clubs sind, umso ruhiger wird es.» DFB-Präsident Theo Zwanziger hat gefordert, den Streit mit Rudi Völler beizulegen. Bierhoff: «Das verstehe ich vollkommen. Auch Rudi Völler hat viel für den deutschen Fußball getan, die Mannschaft 2002 erfolgreich bis zur Vize-Weltmeisterschaft geführt. Obwohl ich nicht immer die besten Karten bei ihm hatte, habe ich immer gesagt: 2000 war er die richtige Person. Deutschland brauchte diese Persönlichkeit, diesen Volkshelden, um die Mannschaft aus diesem Tal herauszuholen. Wir haben uns auch als Spieler und Trainer das eine oder andere Mal gezofft.» Interview: Jens Mende, dpa
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