Löws Masterplan: 40 wollen EM-Ticket
London (dpa) - 22.08.2007, 13:08 Uhr
Michael Ballack ist der Kapitän der DFB-Auswahl.
Der Masterplan steht, der Klassiker gegen England ist der Aufgalopp - vor dem nächsten «Doppelpack» gegen Wales und Rumänien will Joachim Löw seine EM-Kandidaten auf den Titel 2008 einschwören. «Jeder bekommt individuelle Pläne und Anleitungen auf DVD», kündigte der Bundestrainer im Hinblick auf die weiteren Qualifikationspartien und auch schon die Endrunde im kommenden Sommer an. Trotz der dramatischen Personalsorgen im Londoner Wembleystadion verwies Löw auf die größeren Alternativen in seinen EM-Planspielen: «Vor der WM 2006 war der Kreis der Kandidaten wesentlich kleiner. Wir haben viel mehr Auswahl.» Nach derzeitigem Stand machen sich mindestens 40 deutsche Profis begründete Hoffnungen, vom 7. bis 29. Juni 2008 in der Schweiz und Österreich zu den 23 Auserwählten zu gehören. Und der Blick auf die Liste verrät: Das Gerangel um die Plätze könnte zum größten Konkurrenzkampf in der DFB-Historie werden. Für Löw eine komfortable Situation: «Ich hoffe, dass alle die gesamte Saison um ihre Chance kämpfen.» Und ganz nach Manier seines Vorgängers Jürgen Klinsmann, der beispielsweise vor der WM David Odonkor aus dem Köcher gezaubert hatte, plant Löw auch Überraschungen ein: «Man muss sehen, gibt es sogar neue junge Spieler, von denen heute noch keiner spricht?»
Schon vor der Partie in England nominierte Löw in Christian Pander, Serdar Tasci und Sami Khedira (musste dann verletzt absagen) drei weitere Neulinge; 13 Länderspiel-«Frischlinge» hatte er bereits in seinem ersten Jahr als Bundestrainer eingesetzt. «Im neuen Jahr werden wir den Kreis dann verkleinern», kündigte Löw schon jetzt seine erste Entscheidung im Vorfeld der Testspiele am 6. Februar und 26. März 2008 gegen die EM-Gastgeber Österreich und Schweiz an. Der Badener wird bei der Auswahl auch besonders auf die individuelle Entwicklung seiner Kandidaten schauen, mindestens zwei Leistungstest wird er noch vornehmen lassen. Die mannschaftliche Arbeit sei fast ausgereizt. In Sachen Persönlichkeits-Entwicklung will Löw eingeschlagene Wege fortsetzen. So will Manager Oliver Bierhoff den deutschen Basketball-Star Dirk Nowitzki und den Schweizer Tennis-Überflieger Roger Federer für Kamingespräche gewinnen. Beide Ausnahmekönner sind dafür bekannt, dass sie trotz ihrer großen Erfolge ständig an ihrer Perfektionierung arbeiten. |
Für die Länderspiele am 8. September in Cardiff gegen Wales um EM-Qualifikationspunkte und vier Tage später in Köln gegen Rumänien möchte Löw wieder einen etwas größeren Kader nominieren. In London waren gerade 18 Akteure dabei. «Wir können dann wieder über eine längere Zeit mit den Spielern arbeiten», sagte der EM-Projektleiter, der dafür auch drei Torhüter dazunehmen will. Zwar hat der 47-Jährige natürlich schon einen favorisierten Stamm für die EM im Kopf. Doch das Beispiel Odonkor, der in London überraschend in den Kader gerückt war, zeigt, wie ein Name aus Löws Notfall-Kategorie wieder «schnell zum Thema werden» kann. Der Bundestrainer wird auch Stammpersonal in schwierigen Situationen - wie jetzt bei Lukas Podolski - nicht so schnell fallen lassen. «Er spielt in unseren Planungen eine wichtige Rolle», betonte Löw. Podolski werde bei Bayern mindestens 25 Saison-Spiele machen, dann könne er auch bei der EM wieder eine feste Größe sein. Die derzeitigen deutschen EM-Kandidaten (40) Beste Chancen (18): Lehmann, Hildebrand; Metzelder, Mertesacker, Lahm, Jansen, Arne Friedrich, Fritz; Ballack, Frings, Schweinsteiger, Schneider, Hitzlsperger, Hilbert; Klose, Podolski, Gomez, Kuranyi Gute Chancen (12): Enke; Castro, Pander; Borowski, Rolfes, Trochowski, Khedira, Odonkor; Kießling, Helmes, Asamoah, Schlaudraff Außenseiter-Chancen (10): Neuer; Tasci, Manuel Friedrich, Huth, Fathi, Madlung; Kehl, Freier; Hanke, Neuville
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