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Gereifter Enke debütiert als Torwart-Kronprinz

Düsseldorf (dpa) - 27.03.2007, 11:02 Uhr

Robert Enke winkt während des Trainings Nationalmannschaft in Duisburg.
Robert Enke winkt während des Trainings Nationalmannschaft in Duisburg.

Die Nummer 1 trägt Robert Enke noch nicht, wenn er in Duisburg erstmals als Nationalspieler aufläuft. Doch der 29 Jahre alte Schlussmann von Hannover 96 sieht für sich durchaus große Perspektiven im Vorzeigeteam des dreimaligen Fußball-Weltmeisters Deutschland.

Für das Freundschafts-Länderspiel gegen Dänemark bekam er das Trikot mit der 23 verordnet. «Ich freue mich riesig auf mein Debüt», sagte Enke, der schon 1999 beim Confederations Cup in Mexiko erstmals zum Aufgebot der Nationalmannschaft gehört hatte.

Er nehme den Kampf um die Führungsposition im Land der Torhüter an, ließ Enke nun bei seinem endgültigen Eintritt in den Elitekreis seiner Kontrahenten um Hildebrand, Wiese, Weidenfeller, Schäfer, Neuer, Adler oder Rensing klar wissen. Spätestens nach dem terminlich offenen Rücktritt des 37 Jahre alten Jens Lehmann werden die Karten im deutschen Tor neu gemischt. «Das ist eine wunderschöne Sache», kommentierte der gebürtige Jenaer sein Aufrücken in die Reihe der Kronprinzen.

Es war ein über achtjähriger, wechselvoller Anlauf für Enke vom erstmals Berufenem zum wirklichen Nationalspieler. Und vielleicht werden ihm die Rück- und Schicksalsschläge der vergangenen Zeit noch einmal durch den Kopf gehen, wenn in der Duisburger MSV-Arena die deutsche Nationalhymne auch für ihn erklingt. «Ich bin gelassener geworden», bemerkte Enke, durch die schwierigen Berufsjahre im Ausland und sicher auch durch den Tod seiner geliebten Tochter Sara. Enke ist stärker geworden, als Mensch und als Fußball-Profi. «Robert hat sich den Einsatz verdient», sagte DFB-Torwart-Trainer Andreas Köpke.

«Robert kann noch acht bis zehn Jahre spielen», betonte Köpke, als die Rede auf Enkes Alter kam. Er selbst hatte ebenfalls erst mit 28 Jahren in der A-Mannschaft debütiert. «Das ist genau das gute Torwart-Alter. Man muss davon wegkommen, immer nur von den neuen Jungen zu sprechen, es geht nach Leistung», betonte der Europameister von 1996. Und auch Enke bemühte sich in den vergangenen Tagen immer wieder, Erfahrung und Reife als wichtigen Pluspunkt gegenüber der Unbekümmertheit eines Manuel Neuer oder René Adler anzuführen. Ein Oliver Kahn war auch erst mit 29 Jahren zur Nummer 1 geworden, Lehmann musste gar bis 36 warten. Bodo Illgner war als letzter ganz Junger mit 21 Jahren zum Stammkeeper der Nationalelf geworden.


Auch in einer anderen Beziehung bleibt Enke in Köpkes Spur. Der Neu-Nationalspieler wählte mit seiner Vertrags-Verlängerung bis 2010 in Hannover wie Köpke einst beim 1. FC Nürnberg die Sicherheit in der Fußball-Provinz statt einer Herausforderung bei einem Spitzenclub. «Auch Andreas Köpke hat nicht ganz oben gespielt und ist Europameister geworden», sagte Enke. Allerdings hat sich vor allem durch die Champions League, in die praktisch alle europäischen Top-Torhüter streben, die Situation deutlich geändert.

Die Erfahrungen aus der Vergangenheit haben sicher mit eine Rolle gespielt bei Enkes Entscheidung für Hannover. Nach seinem Wechsel von Gladbach zu Benfica Lissabon war 2002 der große FC Barcelona auf Enke aufmerksam geworden, doch er durfte nur ein Mal in einem Pflichtspiel für die Katalanen ran. Bei Fenerbahce Istanbul packte er wegen einer außergewöhnlichen Situation, «die ich falsch eingeschätzt habe», schon nach dem ersten Einsatz die Sachen und flüchtete. Erst über die 2. Liga in Spanien und vor allem Hannover 96 bekam Enke wieder Zuversicht. «Es ging einfach darum, wieder im Profifußball Fuß zu fassen», berichtete er. Das hat Enke schon vor dem Debüt geschafft.

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