«Poldi II» klopft bei der DFB-Elf an
Düsseldorf (dpa) - 26.03.2007, 14:12 Uhr
Patrick Helmes im Trikot der U 21-Mannschaft.
Natürlich denken die Fußballfans in Köln immer auch sehnsüchtig an Lukas Podolski, wenn von Patrick Helmes die Rede ist. Spätestens am 28. März wird in Duisburg «Poldi II» geboren - und zwar in ganz Deutschland. Wieder tritt ein Zweitliga-Stürmer des FC ins große Rampenlicht, wieder wird der Hoffnungsträger für bessere Kölner Zeiten zum Nationalspieler befördert. Auch die ersten Reaktionen von Helmes im Kreis der Nationalelf erinnern an seinen Vorgänger in Köln. «Ich war erst verwundert und hab' gesagt, den kenne ich ja irgendwoher», berichtete Helmes vom Anruf von Hansi Flick, dem Assistenten von Bundestrainer Joachim Löw. Doch ganz im Podolski-Stil überwand der 23-jährige Mittelstürmer ganz schnell den Nominierungs-Schock und blickte selbstbewusst auf das Länderspiel gegen Dänemark: «Ich hoffe auf einen Kurzeinsatz.» Nicht nur die forsche Art, sondern auch Helmes' Auftritte auf dem Platz erinnern an Podolski. Der bisherige U 21-Spieler ist beidfüßig, sucht immer den direkten Weg zum Tor, kann auch aus 20 Metern gefährlich abziehen. Und wenn er im Stadion seine Treffer markiert hat - in der laufenden Saison in elf Partien immerhin zehn - zockt er schon mal weiter am Computer. So erreichte Helmes auch der DFB-Ruf nach Düsseldorf, als er gerade an der X-Box spielte. «Ich bin total seien auf dem kalten Fuß erwischt worden. Ich hatte gar nicht damit gerechnet. Ich musste das Telefon auch gleich auf laut stellen, denn meine Freundin hat das gar nicht geglaubt.»
Schon längere Zeit steht der Name Helmes im Notizbuch von Löw. Doch im vergangenen Herbst hatte zunächst ein Mittelfußbruch den Höhenflug des Kölners gestoppt - und damit wohl auch die Aufstiegs-Euphorie seines Clubs. Helmes musste sich später bei einer Operation noch eine Metallplatte in den Fuß setzten lassen und kam erst im Februar zurück. Danach kam der bodenständige Profi, der sich in Siegen gerade eine neue Wohnung eingerichtet hat, vor allem durch den Vertragsstreit zwischen Köln und Leverkusen in die Schlagzeilen. Helmes hatte schon einen Vertrag bei Bayer unterzeichnet, den die Deutsche Fußball Liga (DFL) allerdings als ungültig erklärte, da die Kölner eine Verlängerungs-Option bis 2008 rechtzeitig gezogen hatten. Oliver Bierhoff sieht in der 2. Liga noch keinen Nachteil für Helmes' Karriere. «Er sollte nicht immer in der 2. Liga spielen, aber übergangsweise ist das kein Problem», sagte der Teammanager, der selbst drei Jahre im italienischen «Unterhaus» gespielt hatte. «Das ist eine gute Schule für junge Spieler, man muss körperlich gegenhalten. Gerade für Stürmer ist es oft noch schwieriger, sich durchzusetzen», betonte Bierhoff. Den 2:1-Sieg der DFB-Elf in Prag hatte Helmes relaxt auf der Coach verfolgt. «Meine Freundin hat da noch gesagt: 'Guck mal, die spielen und du nicht.' Und so kann's gehen, einen Tag später war ich selber dabei», erzählte der Angreifer. Eigentlich war Helmes schon einmal vom 1. FC Köln aussortiert worden, weil ihm beim Club mit 16 Jahren zu wenig körperlicher Robustheit attestiert worden war. So führte Helmes zunächst die Sportfreunde Siegen in der Saison 2004/05 als Torschützenkönig in die 2. Liga. Danach kaufte ihn der FC für 200 000 Euro zurück. Sein Marktwert ist seitdem um ein Vielfaches gestiegen und wird nach einem möglichen Nationalmannschafts-Debüt im DFB-Schaufenster nochmals in die Höhe schnellen.
|