Die enttäuschenden Tschechen können im nächsten Heimspiel gegen Zypern wieder nach Punkten zur Löw-Auswahl aufschließen. Die nächsten Qualifikationsspiele für das DFB-Team nach dem Test gegen Dänemark am 28. März in Duisburg stehen erst am 2. Juni in Nürnberg gegen San Marino und vier Tage später gegen die Slowakei in Hamburg an. Mit Kuranyi als Sturmpartner von Lukas Podolski bot Löw den erwarteten Ersatzmann für den Gelb-gesperrten WM-Torschützenkönig Klose auf. Zuletzt hatte dieses Duo im Oktober 2005 beim 1:2 in der Türkei den deutschen Angriff gebildet. Bis zum ersten Treffer mussten sich beide offenkundig noch aufeinander einstellen, wurden dann aber nicht nur durch die Treffer des Rückkehrers, an deren Entstehung auch Podolski beteiligt war, zu Sieggaranten. Kuranyi war der einzige Akteur in der Startformation, der bei der WM 2006 gefehlt hatte. Zehn Spieler waren auch beim Sommermärchen dabei, und der Teamgeist war deutlich zu spüren. Gefestigt und mit erkennbarem, auf Offensive ausgelegtem, taktischem System starteten die Deutschen in die Partie und demonstrierten über 90 Minuten, dass sie auch gegen einen starken Gegner ein Spiel dominieren können. Auf der linken Verteidiger-Position überzeugte anfangs besonders der Gladbacher Marcell Jansen und rechtfertigte seine Nominierung durch engagierte Offensivaktionen. Der zum vierten Mal als Notnagel von der linken auf die rechte Bahn beorderte Phillip Lahm musste sich hingegen zunächst wieder an die Position auf der «falschen» Seite gewöhnen und wurde vom Nürnberger Jan Polak, dem zunächst einzigen gefährlichen Tschechen, schon früh in Bedrängnis gebracht. Auch die Tschechen spielten mit zwei Spitzen: Neben dem von Löw vor dem Spiel noch als große Gefahrenquelle ausgemachten früheren Dortmunder Jan Koller bot Brückner auch Baros auf. Mit umsichtigen Stellungsspiel in der neu formierten, aber dennoch sicheren Abwehr, ließen Christoph Metzelder und Per Mertesacker als feste, zentrale Säulen den Gastgebern kaum Raum. Das Geschehen bestimmte somit der WM-Dritte. Bastian Schweinsteiger zeigte trotz einiger missglückter Eckbälle und Abspielfehler, dass er im Gegensatz zum Schweiz-Spiel Anfang Februar keinen Bollerwagen voller Sorgen mehr hinter sich herzieht. Schon nach knapp einer Minute prüfte der Münchner Tschechiens Torwart Petr Cech. Der Londoner Teamkollege des umsichtig und besonders in der Defensive effektiv agierenden Ballack trat fünf Monate nach seinem Schädelbasisbruch wie beim FC Chelsea mit einem Rugbyhelm als Kopfschutz an und rückte in der ersten Halbzeit noch mehrfach in den Blickpunkt. Gegen Schweinsteiger (12./21.) und Podolski (24./41.) bewies Cech seine Klasse. Kuranyis Kopfball - nach einer diesmal von Torsten Frings getretenen Ecke, bei der der Ball förmlich sanft wie eine Seifenblase in den Strafraum schwebte - ließ der Welttorhüter 2005 aber passieren. Die verdiente deutsche Führung hätte schon zur Halbzeit höher sein können, doch Podolski (45.) setzte einen Schuss an die Latte. In der zweiten Halbzeit ließ die erwartete Offensive der Tschechen eine knappe Viertelstunde auf sich warten. Erst dann deutete Baros (59.) mit einem Kopfball seine Torgefahr an. Im Gegenzug vergab Bernd Schneider nach uneigennützigem Zuspiel von Podolski das 2:0. Zwei Minuten später war Kuranyi aber wieder zur Stelle und erzielte nach einer Lahm-Flanke seinen zweiten Kopfballtreffer. Podolski (70.) per Kopfball und Kuranyi (72.) hätten sogar noch erhöhen können. Zudem wurde der Schalker kurz darauf (74.) elfmeterreif gefoult. Als der Ball von Baros Hacke nach Polak-Schuss ins deutsche Tor trudelte musste doch nochmal gezittert werden. Doch das DFB-Team überstand auch die hektische Schlussphase, in der nun auch Torhüter Jens Lehmann von den Tschechen gefordert wurde.
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