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75. Deutschland-Spiel für Ballack: Krönung fehlt

Nikosia (dpa) - 14.11.2006, 11:41 Uhr

Michael Ballack beim Training der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.
Michael Ballack beim Training der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

Bei seinem Jubiläum interessiert Michael Ballack nur der Sieg - die Krönung kann sich der «kleine Kaiser» ohnehin erst in zwei oder vier Jahren abholen.

Ballack bestreitet im «G.S.P.-Stadion» von Nikosia seine 75. offizielle Partie für Deutschland, «ich hoffe, dass es nicht wieder eine Niederlage wird wie in meinem ersten und 50. Länderspiel», meinte der Hauptdarsteller in Zypern. Die Aufgabe auf der Götter-Insel hat für den Neu-Engländer Ballack ohnehin nur eine einzige Funktion: «Einen weiteren großen Schritt zu machen Richtung EM 2008.» Noch mehr zählt die WM 2010. Der reife Ballack trägt nach mehr als sieben Jahren Nationalmannschaft das Adler-Hemd vor allem aus einem Grund: Er will endlich einen Titel - und damit in die Geschichtsbücher.

Der 30-jährige aus Görlitz weiß natürlich, dass dieses Titelstreben für ihn persönlich längst zum Wettlauf mit der Zeit geworden ist. Das WM-Aus in diesem Sommer im Halbfinale gegen Italien hat Ballack «sehr wehgetan». Es war das zweite Mal in Serie bei einer Weltmeisterschaft, dass der Griff nach der Krone kurz vor dem großen Ziel brutal gestoppt wurde. «Ich blicke auf viele Höhen und Tiefen zurück», erklärte Ballack am Tag vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Zypern. Drei Tore bei der viel beschriebenen WM-Relegation 2001 gegen die Ukraine, gleich vier Tore 2004 gegen Malta waren Highlights. Doch die Tiefen haben sich besonders eingebrannt.

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In Asien vor vier Jahren hievte Ballack das DFB-Team mit «goldenen Toren» im Viertel- und Halbfinale ins WM-Endspiel - und musste selbst zuschauen. «Er hat sich für die Mannschaft geopfert», kommentierte der damalige Teamchef Rudi Völler jenes taktische Foul von Ballack gegen Südkorea, das ihm die Gelb-Sperre eingebracht hatte. Auch beim «Sommermärchen» in diesem Jahr hat sich Ballack im gewissen Maße geopfert. Der Kapitän selbst übertrug sich eine defensivere Aufgabe, damit das Team funktionieren konnte. Seine Torgefahr blieb auf der Strecke, der Superstar war Ballack bei der Heim-WM so nicht.

Ballack war zwar Meister mit dem 1. FC Kaiserslautern und Bayern München, jagt jetzt mit Chelsea den Titel in der Champions League. Doch die ganz großen Fußballer werden in der Nationalmannschaft gemacht, die Nationalhelden heißen Beckenbauer, Matthäus, Klinsmann, Völler, Kohler, Häßler, Vogts - allesamt Weltmeister. «Ich muss mich neu positionieren», beschrieb der dreifache Familienvater Ballack seine neue sportliche Herausforderung in London.


Im Nationalteam hat er sich schon neu positioniert: Seit Jürgen Klinsmann ihn 2004 zum Kapitän ernannt hat, fühlt er sich immer mehr verantwortlich für das nachrückende junge Personal. «Da ist eine Entwicklung zu erkennen, nicht nur von den Ergebnissen, sondern auch von der Spielweise», freut sich Ballack.

Der frühere Chemnitzer, der nach seinem Wechsel zum 1. FCK im April 1999 unter Teamchef Erich Ribbeck gegen Schottland (0:1) sein Länderspiel-Debüt gefeiert hatte, weiß, dass er für sein persönliches Titelziel eine starke Mannschaft braucht. Deshalb beobachtet Ballack den Jugendstil genau, den nun Bundestrainer Joachim Löw fortführt. «Das ist der Trend. Ich freue mich, dass die jungen Leute so schnell eine Chance in der Nationalmannschaft bekommen», sagte der Kapitän, schloss aber gleich an: «Es ist auch ein bisschen gefährlich. Die jungen Spieler brauchen ein intaktes Umfeld - Trainer, Freunde, Eltern. Die müssen sagen: Schöne Sache, aber du musst noch mehr tun.»

Das neue Hoch im DFB-Team soll Ballack helfen auf dessen persönlichem Titel-Weg, an dessen Ende er doch noch in den Kreis der ganz Großen aufrücken will. Einen hat er schon mal überholt, wenn auch nur in der Torjäger-Wertung. Mit 34 Länderspiel-Toren zog Ballack an Weltmeister und Idol Fritz Walter (33) vorbei. Das macht den «kleinen Kaiser» stolz, wie er selbst erzählte. Es bleibt aber nur ein Schritt zum großen Ziel.

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