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Klinsmann will Teamchef-Rolle

Frankfurt/Main (dpa) - 25.07.2004, 14:51 Uhr

Jürgen Klinsmann strahlt bei einer Pressekonferenz auf dem Frankfurter Flughafen
Jürgen Klinsmann strahlt bei einer Pressekonferenz auf dem Frankfurter Flughafen

Es ist wohl nur noch eine Formsache: Nach mehr als vierwöchiger Suche steht die Verpflichtung von Jürgen Klinsmann als Teamchef der Fußball-Nationalmannschaft kurz vor dem Abschluss.

Der 108-malige Auswahlspieler und die Führung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) erzielten bei Gesprächen am Wochenende weitere Übereinstimmungen, nachdem Klinsmann aus seiner Wahlheimat Los Angeles kommend in Frankfurt/Main gelandet war. In Einzelgesprächen will der Schwabe mit Trainer-Anwärter Holger Osieck und Oliver Bierhoff, der für den Posten des Team-Managers vorgesehen ist, bis zur Wochenmitte die Kompetenzen innerhalb des Dreier-Teams abstecken.

«Jetzt sind wir soweit. Ich weiß, dass alle Drei bereit sind, in diese Positionen zu gehen», sagte DFB-Vizepräsident Franz Beckenbauer im ZDF. Die Gespräche und Verhandlungen sollen möglichst in dieser Woche abgeschlossen werden, bestätigte DFB- Pressesprecher Harald Stenger. Danach könnte der DFB das mit viel Hoffnungen verbundene neue Führungs-Trio vielleicht noch bis zum Freitag präsentieren - an diesem Tag feiert Klinsmann seinen 40. Geburtstag. Eine Einigung, die so gut wie sicher scheint, «wird eine Lösung bis 2006» bedeuten, betonte Beckenbauer.

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Fast auf den Tag genau einen Monat nach dem Rücktritt von Rudi Völler als Folge des Vorrunden-Aus bei der EM, hatte Klinsmann gleich nach seiner Landung auf dem Frankfurter Flughafen erstmals öffentlich unterstrichen, dass er den Posten des Teamchefs beansprucht. «Ich will eine federführende Rolle spielen», sagte er. Außerdem wäre es eine sehr große Ehre, in die Gesamtstruktur eingebunden zu sein und dazu beizutragen, dass die WM in zwei Jahren erfolgreich verläuft.

Erst mit seiner Interessensbekundung hatte das zähe und in Teilen peinliche Verwirrspiel um eine neue Nationalmannschafts-Führung vor einer Woche rasant an Fahrt gewonnen. «Vor vier Jahren ist es Rudi Völler zugefallen - jetzt Jürgen Klinsmann», meinte Beckenbauer. Er sieht in der Dreier-Lösung denn auch eine «zufällige Konstellation». Beckenbauer traut dem vor Tatkraft sprühenden Schwaben, der eine Öffnung des DFB fordert und Strukturen mit Fachtrainern nach amerikanischem Vorbild einführen will, zu, «einiges zu bewegen».


Bei einem Gespräch in Stuttgart mit DFB-Präsident Gerhard Mayer Vorfelder, Liga-Präsident Werner Hackmann, DFB- Generalsekretär Horst R. Schmidt sowie Schatzmeister und Theo Zwanziger, der am 23. Oktober zum Geschäftsführenden Präsidenten gewählt werden soll, sei man sich «in vielen Dingen näher gekommen», sagte DFB-Pressesprecher Stenger. Dabei dürfte es auch um die Finanz- Fragen gegangen sein.

Laut «Bild am Sonntag» muss der DFB für das zweijährige Engagement des Triumvirats 10 Millionen Euro berappen: 5 Millionen für Klinsmann, 3 für Bierhoff und 2 Millionen für Osieck. Stenger bezeichnete diese Angaben als «reine Spekulationen». Dennoch dürfte es sich um Annäherungswerte handeln.

Klinsmann nahm bereits die Gespräche mit Ex-Auswahlkollege Bierhoff auf. Nächste Woche trifft dann auch Trainer-Kandidat Osieck ein, der am Wochenende bei der Hochzeit seines Sohnes in Kanada war. Der ehemalige Auswahlcoach der Nordamerikaner soll Klinsmanns fehlende Praxis als Trainer wettmachen. «Es gibt kaum einen erfahreneren Trainer», meinte Beckenbauer, der mit Osieck an der Seite und Klinsmann auf dem Feld 1990 den Weltmeister-Titel als Teamchef gewann. Klinsmann alleine wäre nicht gegangen, sagte Beckenbauer, der zuvor Rekordnationalspieler Lothar Matthäus Chancen auf den Posten eingeräumt hatte. «Es war Bestandteil der Verhandlungen: Klinsmann ja - aber mit einem Team an der Seite.»

Klinsmann, der vor vier Jahren im Schnellverfahren den Trainerschein gemacht hatte, will auf die Ratschläge von Völler auf keine Fall verzichten. «Er ist immer im Boot mit drin. Wenn es zu Stande kommt, wird er ein ganz wichtiger Ansprechpartner sein», erklärte der Schwabe. Völler habe in den letzten vier Jahren die Mannschaft aus dem Effeff aufgebaut.

Der Kontakt des DFB zu Klinsmann war erst durch einen Tipp von Ex-Nationalcoach Berti Vogts zu Stande gekommen, den Generalsekretär Schmidt zu einem ersten Telefongespräch nutzte. Vor einer Woche präsentierte er den Vorschlag seinen Kollegen der Trainer-Findungs- Kommission (TFK). «Wir waren alle überrascht», meinte Beckenbauer. «Aber je länger ich darüber nachdenke, umso mehr gefällt mir diese Lösung.»

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