Michael Ballack war in läuferischer und kämpferischer Hinsicht ein Vorbild. Der Münchner, der sich im Mittelfeld hitzige Duelle mit Edgar Davids bis zu dessen Auswechslung zur Pause lieferte, war praktisch an allen Offensivaktionen beteiligt. Eine erstaunlich selbstbewusste und abgeklärte Vorstellung boten auch die drei EM-Debütanten. Lahm degradierte Andy van der Meyde auf der linken Seite fast zum Statisten, ebenso sicher beherrschte sein Pendant Arne Friedrich 45 Minuten lang Boudewijn Zenden. In der Spitze sorgte der als einziger Stürmer aufgebotene Kevin Kuranyi immer wieder für Unruhe in der Abwehr der Niederländer, in der oft allein Jaap Stam die Übersicht behielt. Die Abwehr vor Geburtstagskind Oliver Kahn, der 35 Jahre alt wurde, stand bis zur Schlussphase sicher. Danach musste der Münchner jedoch mehrere Kostproben seines Könnens abliefern. Die nach der Testspiel-Pleite gegen Ungarn vor neun Tagen arg gescholtene Abwehr bekam die gefürchteten Oranje-Spitzen immer besser in den Griff und auch im Spielaufbau allmählich Oberwasser. Nach Flanke von Bernd Schneider bot sich Wörns (21.) die erste deutsche Torchance. Das harmlose Schüsschen des Dortmunders bereitete van der Sar indes keine Probleme. Dann musste der Keeper bei einem Distanzschuss von Kuranyi (23.) schon energischer zupacken, den folgenden Eckball köpfte Wörns daneben. Erst drei Minuten vor dem Seitenwechsel hatte das deutsche Team wieder einen bangen Moment zu überstehen, als sich Rafael van der Vaart im Strafraum energisch durchsetzte und knapp am Tor vorbeischoss. Bondscoach Dick Advocaat reagierte zur Pause auf die matte Vorstellung seiner Elf und gab mit den Einwechslungen von Marc Overmars und Wesley Sneijder das Signal zum Angriff. Doch die Akzente in der Offensive setzte zunächst weiter die deutsche Elf. So auch in der 53. Minute, als Kuranyi haarscharf an einer Flanke von Schneider vorbeiflog. Mit zunehmender Spielzeit schwanden aber dennoch die Kräfte, die Holländer gewannen mehr und mehr die Oberhand. Mehr als Entlastungsangriffe brachte die Völler-Elf kaum noch zu Stande. Mit Bastian Schweinsteiger brachte der Teamchef aber noch einmal einen frischen Mann aufs Feld, der für einigen Wirbel sorgte.
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