Letzte EM-Prüfung für DFB-Auswahl
Kaiserslautern (dpa) - 05.06.2004, 20:04 Uhr
Torsten Frings (l) und Miroslav Klose kämpfen beim Training um den Ball.
Rudi Völler fordert bei der EM-Generalprobe einen überzeugenden Sieg, doch am Tag vor dem Kräftemessen mit Ungarn in Kaiserslautern beschäftigte sich der Teamchef vornehmlich mit dem Ernstfall in Portugal. Während Bundestrainer Michael Skibbe das Abschlusstraining für die Partie im Fritz-Walter-Stadion leitete, nahm Völler in Amsterdam den EM-Auftaktgegner Niederlande bei dessen Generalprobe gegen Irland persönlich in Augenschein. 24 Stunden vor dem Anpfiff absolvierte der Vize-Weltmeister eine ungewöhnlich harte Übungseinheit, bei der die 23 Akteure ausgesprochen engagiert zur Sache gingen und sich komplett einsatzbereit für den letzten EM-Test präsentierten. «Wir werden nicht sehr viel ändern im Vergleich zu den ersten beiden Spielen, aber wir werden dem ein oder anderen die Chance geben, sich zu präsentieren», sagte Skibbe. Eine Einsatzgarantie von Anfang an sprach er dem Neu-Bremer Miroslav Klose aus, der sich bei seinem Abschiedsspiel auf dem Betzenberg auf die Jagd nach einem Erfolgserlebnis machen soll. «Ich möchte in jedem Spiel spielen, ganz besonders gern in Kaiserslautern», sagte Klose.
«Wir wollen nach dem Spiel gegen Ungarn mit breiter Brust nach Portugal fahren. Das ist die letzte Prüfung vor der EM», gab Völler die Losung für sein 50. Länderspiel als Teamchef aus. Der DFB-Tross hatte nach elf Trainingstagen seine Zelte im Schwarzwald abgebrochen und fuhr mit dem Mannschaftsbus weiter in die Pfalz. Völler zog einhochzufriedenes Fazit nach dem ersten Teil der EM-Vorbereitung. «Das hat mir vom ganzen Ablauf her gefallen. Die Mannschaft hat gebrannt», rühmte der Teamchef die körperliche Verfassung und den Teamgeist in seinem Personal. Auch die Spieler betonten, wie wichtig die Trainingstage für den inneren Zusammenhalt waren. «Wir sind inzwischen eine richtige Mannschaft», sagte der Berliner Turnier-Neuling Arne Friedrich. Nach den Erfolgen gegen Malta (7:0) und beim EM-Mitkonkurrenten Schweiz (2:0) erhofft sich Völler gegen die Magyaren, deren Noch-Trainer Lothar Mathäus nach einer Flut von Absagen nur noch eine Verlegenheitsmannschaft aufbieten kann, einen weiteren Erfolg ohne Gegentor. Deshalb wird mit Arne Friedrich, Christian Wörns, Jens Nowotny und Philipp Lahm erneut die erste Abwehrreihe auflaufen, die auch am 15. Juni in Porto Hollands Sturm-Asse Ruud van Nistelrooy, Roy Makaay, Patrick Kluivert oder Pierre van Hooijdonk in Schach halten soll. Auch im Tor gibt es mit Kapitän Oliver Kahn, der 90 Minuten zwischen den Pfosten stehen soll, keine Experimente. |
Offen ließ Völler einen Tag vor dem Anpfiff der Neuauflage des denkwürdigen WM-Endspiels von 1954 die Besetzung der Kreativ-Abteilung. Torsten Frings, der zuletzt in der Schweiz eine schöpferische Pause erhalten hatte, wird wohl wieder in die Startelf zurückkehren. Zudem wollten Völler und Skibbe nicht verraten, wer neben Klose stürmen darf. Möglicherweise wird Kevin Kuranyi nach seinen zwei Toren gegen die Schweiz geschont, die Entscheidung dürfte dann zwischen Thomas Brdaric und Fredi Bobic fallen. «Alle Stürmer sind fit. Wir sind von Kuranyis Qualitäten überzeugt und wissen, was er kann», meinte Skibbe. Die beiden nachnominierten Neulinge Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger werden sich die Partie zunächst von der Reservebank aus anschauen und allenfalls in der Schlussphase zu ihren Länderspiel-Premieren kommen. Vor allem der seit Freitag 19-jährige Podolski gab in den ersten beiden Trainingseinheiten mit den etablierten Kollegen mächtig Gas und zeichnete sich beim 2:1-Sieg der Leibchen-Elf (Torschützen Klose und Ballack) im Trainingsspielchen gleich als Schütze des Ehrentores aus. Damit setzte das Talent von Bundesliga-Absteiger 1. FC Köln gleich Völlers Devise in die Tat um: «Die Jungen sollen auf dem Trainingsplatz selbstbewusst auftreten.»
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