Lehmann denkt an Rücktritt - Kein WM-Reservist
Paris (dpa) - 11.11.2005, 15:36 Uhr
Torwart Jens Lehmann hält im Training einen Ball fest.
Ausgerechnet vor seiner vielleicht letzten Bewährungsprobe im emotionsgeladenen Torhüter-Duell mit Oliver Kahn hat Jens Lehmann mit Rücktrittsgedanken aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft für einen Paukenschlag gesorgt. Vor seinem 28. Länderspiel im Stade de France gegen Frankreich überraschte der Keeper des FC Arsenal London bei der DFB- Pressekonferenz in Paris mit der Ankündigung, dass er derzeit nicht noch einmal die Reservistenrolle bei der Heim-WM im kommenden Jahr einnehmen würde. «Vom Gefühl her kann ich sagen, dass es mir sehr, sehr schwer fallen würde, mich noch einmal auf die Bank zu setzen», erklärte Lehmann einen Tag nach seinem 36. Geburtstag. Seit der WM 1998 war der Keeper bei allen vier großen Turnieren zwar immer im Kader, aber er stand nie im Tor. «Vor diesem Hintergrund der letzten Jahre» sei daher seine momentane Einschätzung zu sehen. «Es ist ein Gefühl, das ich jetzt habe. Ich weiß nicht, was im Frühjahr ist.»
DFB Nationalmannschaft Fanartikel
Nationalmannschaft Tickets bei Viagogo bestellen
Damit steht auch Jürgen Klinsmann vor einer neuen Situation. Keine fünf Minuten zuvor hatte der Bundestrainer nach dem Umzug von Köln nach Paris auf demselben Stuhl im Saal «Concorde» des Journalisten-Hotels gesessen und das glatte Gegenteil als Erwartung an den Verlierer des Torwart-Duells formuliert. «Ich gehe nicht davon aus, dass irgendjemand in irgendeiner Form Konsequenzen ziehen wird. Ich gehe davon aus, dass bei der Entscheidung vor der WM der, der die Nummer zwei wird, das akzeptiert», sagte Klinsmann. Zuletzt hatte er allerdings immer stärker betont, dass der in Frankreich pausierende Kahn im Kampf um die Nummer 1 unverändert die Führungsposition innehat. Mit dem Frankreich-Spiel endet zunächst die von Klinsmann vorgegebene Rotation im Tor. Über die Einsätze in den letzten zwei Testspielen vor der WM-Nominierung im kommenden März in Italien und gegen die USA hat Klinsmann noch nicht entschieden. Klinsmanns positive Aussagen zu Kahn sind auch Lehmann, der am 18. Februar 1998 in Maskat gegen Oman (2:0) im Nationalteam debütiert hatte, nicht entgangen. In fast acht Jahren ist es ihm unter den DFB- Cheftrainern Berti Vogts, Erich Ribbeck, Rudi Völler und bislang auch Klinsmann nicht gelungen, die Nummer 1 zu werden. Noch hofft er aber darauf, dass er Kahn in der Gunst des Bundestrainers überflügeln kann und Paris nicht schon zum Abschiedsspiel für ihn wird. «Man muss jedem Trainer der Welt unterstellen, dass er nach bestem Wissen und Gewissen entscheidet», sagte er an die Adresse des Bundestrainers.
|