Schock und Zweifel: Italien nach «Alptraum» am Boden

München (dpa) - 30.03.2016, 12:54 Uhr
Schock und Zweifel: Italien nach «Alptraum» am Boden
Gianluigi Buffon mochte seine Enttäuschung über die vier Gegentore nicht verbergen. Foto: Andreas Gebert

Als Letzter schlich Italiens Kapitän Gianluigi Buffon zum Mannschaftsbus. Der Frust über das deutliche 1:4 (0:2) im Testspiel gegen Deutschland und die vier Gegentore waren dem Torhüter deutlich anzusehen.

«Es ist eine Niederlage, die uns weh tut, mit der wir nur schwer umgehen können», gab die italienische Fußball-Legende zu. «Aber besser so, bevor wir zu überheblich zur EM fahren. Das kann eine gute Lektion für uns sein.» Die bittere Pleite hat in Italien die Träume von einem Coup bei der EM erst einmal abrupt beendet.

Nach dem 1:1 gegen Europameister Spanien wähnten sich die Azzurri bereits auf einem vielversprechenden Weg. Nach den 90 schwachen Minuten von München ist klar, dass noch viel Arbeit vor Coach Antonio Conte liegt. «Ich habe gesagt, dass wir solche Tests brauchen, um zu sehen, wo wir stehen», urteilte der 46-Jährige. «Wir wussten, dass es schwierig wird, dass wir auf Probleme treffen.»

Der Schock über den sichtbaren Klassenunterschied saß dennoch tief in Italien. «Ein Alptraum, die Deutschen fertigen uns mit vier Toren ab», titelte der «Corriere dello Sport». «Tuttosport» klagte: «Conte, was für eine Demütigung. Italien überrollt von Deutschland.» Und die «Gazzetta dello Sport» mahnte: «90 Alptraum-Minuten. Die heftige Niederlage lässt für die EM die Alarmglocken schrillen.»

Offensiv enttäuschte die Squadra Azzurra gegen den Weltmeister auf ganzer Linie, die sonst so sichere Defensive wackelte bedenklich. «Wir haben Fehler gemacht, für die man auf diesem Niveau bezahlt», räumte Mittelfeldspieler Riccardo Montolivo ein. «Es gibt keinen Zweifel, dass wir uns in vielen Dingen verbessern müssen.»

Vor allem reifte in Italien die Erkenntnis, es derzeit nicht mit den stärksten Teams aufnehmen zu können. «Deutschland ist die beste Mannschaft, der Weltmeister, das hat uns gezeigt, dass es in den Duellen mit solchen Teams natürlich eine Lücke gibt», gab Conte zu. Daher wachsen nun auch die Zweifel an der EM-Tauglichkeit des Kaders. «Ohne Champions kann kein Trainer Wunder vollbringen», meinte der «Corriere della Sera». Conte räumte ein: «Wir werden in den nächsten Monaten sicher nichts komplett Neues mehr aus dem Hut zaubern.»

Sechs Wochen bleiben bis zur Nominierung des vorläufigen Kaders, vier Wochen später startet Italien gegen Belgien in die EM. «Wir geben nicht auf, wir werden hart arbeiten», versprach Conte. Der Coach, der auf die Rückkehr von Stützen wie Giorgio Chiellini und Marco Verratti hofft, hat noch viel zu tun. Hinzu kommt: Sein Rücktritt nach der EM steht fest, die Pleite facht die Debatte um den Trainer neu an.

Besonders bitter war der Abend für Torwart-Legende Buffon. Wie vor zwei Wochen mit Juventus Turin im Achtelfinale der Champions League kassierte er in München erneut vier Tore, verursachte zudem einen Elfmeter. «Vom Rekord zur Schießbude», schrieb die «Gazzetta dello Sport». «Zum ersten Mal in seiner Karriere scheint Gigi verwundbar.»

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