DFB-Team in Berlin - Brüssel «mit Sicherheit ein Thema»

Berlin (dpa) - 22.03.2016, 15:38 Uhr
DFB-Team in Berlin - Brüssel «mit Sicherheit ein Thema»
Oliver Bierhoff äußerte sich zu den Anschlägen in Brüssel. Foto: Kay Nietfeld

Die Ängste sind zurück, die Vorfreude der deutschen Fußball-Weltmeister auf die Länderspiel-Klassiker gegen England und Italien ist gleich zum Start der Vorbereitung getrübt worden.

Die Terroranschläge in Brüssel riefen bei Bundestrainer Joachim Löw und den Spielern bei der Zusammenkunft in Berlin die schlimmen Erinnerungen an die eigene Schreckensnacht beim Länderspiel im vergangenen November in Paris gegen EM-Gastgeber Frankreich wach.

Das Terror-Thema beeinträchtigt wieder die Konzentration auf die wichtigen Testspiele am Samstag gegen England sowie drei Tage später in München gegen Italien, auch wenn die Sicherheitslage an den heimischen Spielorten aktuell nicht als bedrohlich eingestuft wird. «Wir gehen zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht davon aus, dass es irgendwelche Auswirkungen auf die Spiele haben wird», sagte Löws Assistent Thomas Schneider zu den Anschlägen mit zahlreichen Toten in Belgien: «Unsere Gedanken sind bei den Opfern und Angehörigen.»

Das Gefühl der Unsicherheit ist kurz vor dem EM-Turnier zurück. «Ich glaube, jeder Mensch hat Angst», sagte Weltmeister Shkodran Mustafi, ohne die Situation dramatisieren zu wollen: «Man muss lernen, mit dieser Angst umzugehen.» Lukas Podolski, der sich gerade erst an seinem aktuellen Wohnort Istanbul mit Bombenanschlägen und einer Spielabsage seines Vereins Galatasaray konfrontiert sah, bemerkte zur allgegenwärtigen Terrorgefahr in weiten Teilen Europas: «Man kann sich nicht verstecken, man kann nicht sein ganzes Leben ändern.»

«Die Sicherheitsmaßnahmen sind auch für die Mannschaft hochgefahren worden», berichtete Schneider. Sichtbar wurde das am Teamhotel durch eine auffällig erhöhte Polizeipräsenz. Das Trainerteam um Löw hatte die verheerenden Nachrichten aus Brüssel mitten in der Vorbereitung der Trainingseinheiten ereilt.

«Wir werden uns natürlich als Sportliche Leitung zusammensetzen und überlegen, wie wir damit auf die Mannschaft zugehen», kündigte Teammanager Oliver Bierhoff an. Bis auf den suspendierten Wolfsburger Max Kruse reisten die verbliebenen 26 Akteure inklusive der angeschlagenen Mesut Özil, Julian Draxler und Karim Bellarabi pünktlich nach Berlin an.

Die Erinnerungen an das von Anschlägen mit 130 Toten überschattete Länderspiel am 13. November in Frankreich kam natürlich wieder hoch. «Wenn man selbst beteiligt war, weiß man, wie es den Leuten dort (in Brüssel) jetzt geht», bemerkte Mustafi. Die Nacht in Paris mussten die deutschen Spieler im Stade de France verbringen. Nach der eiligen Rückkehr nach Deutschland folgte die Absage der Partie gegen Holland, die die Spieler auf der Fahrt ins Stadion von Hannover erreichte. Galatasaray-Profi Podolski berichtete zudem über das aktuell unruhige Leben in der Türkei: «Das ist jetzt eine schwierige Situation.»

Löw und Bierhoff setzen - gerade auch mit Blick auf die EM - Vertrauen in die Sicherheitsbehörden. Auch der DFB wappnet sich, obwohl «alles auszuschließen nicht immer möglich» sei, wie Bierhoff betonte: «Aber man muss am Ende sagen, dass man die besten Voraussetzungen schafft, dass nichts passieren kann.»

Die Ereignisse von Brüssel stellten die sportlichen Brennpunkte beim Weltmeister zunächst in den Hintergrund. Die Streichung von Stürmer Kruse aus dem Aufgebot beurteilte Manager Bierhoff am Dienstag nochmals als unausweichlich. Die «Anhäufung der Geschichten», für die der 28-Jährige abseits des Fußballplatzes gesorgt hatte, hätte die Sportliche Leitung «so nicht durchgehen lassen» können.

«Deshalb muss man jetzt nicht den Stab über ihn brechen», erklärte Bierhoff zwar: «Aber es war nicht das Verhalten, das für einen Nationalspieler, der sich auf die EM vorbereitet, richtig war.» Die Konzentration der EM-Kandidaten soll der Arbeit auf dem Platz gelten, nicht Nachtschwärmereien. Gegen England und Italien können sich die Akteure, darunter der Leverkusener Neuling Jonathan Tah, letztmals bei Bundestrainer Löw für ihr persönliches EM-Ticket empfehlen.

«Es ist einfach ein guter Startschuss Richtung EM-Vorbereitung», sagte Bierhoff. Trotz Brüssel soll spätestens an Ostern Fußball wieder Freude machen und Lust auf den Sommer geweckt werden. «Wir wollen natürlich nochmal Hunger machen auf die Mannschaft, auf das Turnier», sagte Bierhoff: «Wir wollen gut in das neue Jahr starten.»

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