Löw-Warnung: «Ein paar Dinge aufzeigen»

Berlin (dpa) - 21.03.2016, 16:00 Uhr
Löw-Warnung: «Ein paar Dinge aufzeigen»
Joachim Löw sieht sich in seiner EM-Vorbereitung gestört. Foto: Arne Dedert

Joachim Löw ist vor dem England-Klassiker wenig amüsiert. In der ersten Länderspielwoche des Jahres muss sich der Bundestrainer mit den jüngsten negativen Vorkommnissen um Nationalspieler Max Kruse beschäftigen, statt ungestört die Feinplanungen im EM-Jahr anzugehen.

Am Samstag trifft der Weltmeister auf England sowie anschließend auf Italien. Der Wolfsburger Stürmer war erneut im Berliner Nachtleben aufgefallen, was Löw nicht akzeptieren kann.

Sein großes Ziel für 2016 will sich der Coach nicht vom Fehlverhalten einzelner Spieler in Gefahr bringen lassen. «Es ist sehr wichtig, dass wir da ein paar Dinge aufzeigen», sagte Löw.

So will der DFB-Chefcoach nach dem Eintreffen der 26 eingeladenen Spieler, Kruse (wurde kurzfristig gestrichen, seine EM-Kandidaten zu intensiven Gruppen- und Einzelgesprächen bitten. Für Löw ein wichtiger Termin, «um ihnen zu erläutern, was wir erwarten in den letzten zwei Monaten vor der Nominierung», betonte der 56-Jährige.

Auch deshalb hat sich Löw für einen ungewöhnlichen Mammutkader entschieden, mit dem er die Test-Länderspiele am Ostersamstag in Berlin und drei Tage später in München angeht. «Es ist für den Bundestrainer die letzte Möglichkeit vor der Nominierung seines EM-Kaders, den einen oder anderen Spieler intensiv zu beobachten», sagte Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff.

Löw betonte: «Ganz gezielt» werde er nochmals vermitteln, was er im Training, im Spiel und natürlich auch außerhalb des Platzes von seinem Personal sehen will. Fehltritte wie die von Kruse wird er in den verbleibenden Wochen bis zur EM-Endrunde vom 10. Juni bis 10. Juli in Frankreich nicht dulden, machte der Freiburger klar.

Der 14-malige Nationalstürmer Kruse hatte seinen 28. Geburtstag am Samstagabend in einem Berliner Club gefeiert. Wie Kruse in der «Bild»-Zeitung erklärte, sei er auf der Feier mehrfach ungefragt fotografiert worden. Danach habe er einer Frau, die sich als Journalistin entpuppte, das Handy weggenommen und die Fotos gelöscht, so die Zeitung. «Natürlich war ich irgendwann genervt und habe dann vielleicht unpassend reagiert», wurde Kruse zitiert.

Schon ein Vorfall zuvor, als Kruse laut «Bild» an einem frühen Morgen angeblich in einem Berliner Taxi eine hohe Bargeldsumme verloren hatte, war bei Löw schlecht angekommen. «Natürlich sehe ich das kritisch, ganz klar, da haben wir eine andere Erwartungshaltung», sagte der Bundestrainer im «Kicker».

Löw hat in seiner nun mehr als neunjährigen Zeit als deutscher Chefcoach dem Teamgedanken und dem sozialen Verhalten immer einen hohen Stellenwert eingeräumt. Am deutlichsten hatte das im Oktober 2008 Kevin Kuranyi zu spüren bekommen. Als der beim WM-Qualifikationsspiel in Dortmund gegen Russland nur auf der Tribüne saß und zur Halbzeit ungenehmigt nach Hause fuhr, war Kuranyis DFB-Karriere beendet.

Vor der WM 2014 rüffelte der Bundestrainer Kevin Großkreutz, nachdem sich der Dortmunder auf der DFB-Pokal-Feier des BVB daneben benommen hatte. Auf einen Ausschluss hatte Löw zwar verzichtet, nach dem WM-Titel in Brasilien aber spielte Großkreutz keine Rolle mehr.

Im Fall Kruse informierte sich der Bundestrainer bei seinem Wolfsburger Kollegen Dieter Hecking. Teammanager Oliver Bierhoff sprach mit VfL-Geschäftsführer Klaus Allofs. Noch am Tag vor dem Treffpunkt des DFB-Teams mit Neuling Jonathan Tah von Bayer Leverkusen in einem Hotel am Potsdamer Platz reagierte Löw und schloss Kruse aus dem DFB-Nationalteam aus.

Sportlich wird die Vorbereitung auf den Fußball-Klassiker gegen England am Dienstagnachmittag mit dem ersten nichtöffentlichen Training beginnen. Löw wird die Belastung vor dem Anpfiff am Samstag (20.45 Uhr) im Berliner Olympiastadion dosieren. Denn viele der Spieler haben mit ihren Clubs anstrengende Wochen hinter sich.

«Die Nationalspieler bekommen auch die Möglichkeit, durch einen Tapetenwechsel zu regenerieren», sagte Dortmunds Trainer Thomas Tuchel nach dem 3:1-Sieg des BVB in Augsburg. Dortmunder Stars wie Marco Reus oder Mats Hummels wirken überspielt und auch mental müde. «Die Spieler, die international bei den Spitzenklubs im Einsatz sind, werden noch zusätzlich gefordert. Darauf muss man als Bundestrainer auch immer ein Augenmerk legen», bemerkte Löw.

"Bild"-Bericht hinter Bezahlschranke

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