Bittere Rückkehr ins Nationalteam
Rotterdam (dpa) - 18.08.2005, 11:27 Uhr
Dietmar Hamann (r) im Zweikampf mit dem Niederländer Denny Landzaat.
Dietmar Hamann wirkte lange wie ein Überbleibsel aus alten Zeiten - Christian Wörns fühlte sich als «ärmste Sau»: Selten ging eine Rückkehr in die Nationalmannschaft so daneben wie bei den beiden ältesten deutschen Feldspielern in Rotterdam. Der 31-jährige Hamann war in seinem ersten Spiel unter Jürgen Klinsmann von der schnellen, offensiven Philosophie des Bundestrainers so weit entfernt wie das gesamte Team von der angestrebten WM-Form. Der zwei Jahre ältere Wörns half persönlich bei beiden Toren der Niederländer mit. Zwar wollte Klinsmann die Rückkehr der Oldies nicht im Detail kommentieren («Dazu möchte ich mir erst nochmal das Spiel im Fernsehen anschauen»), doch die Perspektiven für die Rückkehrer haben sich mit dem 2:2 gegen die «Oranjes» keinesfalls verbessert. «Wir haben vor dem Spiel beiden gesagt, sie sollen versuchen, ihren Rhythmus zu finden und sich in die Mannschaft zu integrieren. Wir wussten sehr wohl, dass das nicht so einfach ist», sagte der Bundestrainer zum doppelten Comeback, das zumindest im Fall Hamann schon vor dem Anstoß im Stadion «De Kuip» umstritten war. Galt der Wahl-Engländer doch bei der misslungenen EM 2004 in Portugal als personifizierter Ausdruck des Sicherheitsfußballs unter Rudi Völler. «Wir hatten in beiden Halbzeiten den denkbar ungünstigsten Start. Nach den schnellen Gegentoren in jeder Halbzeit war natürlich Vieles über den Haufen geschmissen, was wir uns vorgenommen hatten», kommentierte Hamann das erste Nationalmannschafts-Erlebnis seit Juni vergangenen Jahres, ohne auf seine eigene Rolle näher einzugehen.
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Dass der ehemalige Bayern-Spieler noch immer strategische Qualitäten hat, ist unumstritten. Hamanns enormer Anteil am Champions League-Sieg des FC Liverpool demonstrierte dies jüngst deutlich. Klinsmann muss sich nach der Partie in Rotterdam allerdings fragen, ob diese Fähigkeiten überhaupt in sein WM-Konzept passen. Quer- statt Risikopass, Ballsicherung statt -weiterleitung nach vorn - Hamann scheint ein Relikt aus der vorherigen DFB-Epoche. Zusammen mit den ebenfalls defensiv ausgerichteten Torsten Frings und Fabian Ernst in der Startelf fehlten in Rotterdam Unbekümmertheit und Schwung. «Wir waren nicht aggressiv genug, sind nur nebenher gelaufen und haben zugeschaut», analysierte Kapitän Michael Ballack die erste Hälfte. «Wir konnten die Bälle nicht halten, hatten kaum Entlastung», sagte Wörns, der sich mehr als ihm lieb war gegen die orangefarbene Angriffsfront stemmen musste. Zwei Mal ging das arg daneben, jeweils war Arjen Robben der Nutznießer. «Wir müssen immer die Abfälle wegräumen und sind immer die ärmsten Säue in der Innenverteidigung», beschrieb der Dortmunder mit viel Frust seine Rolle. Die alleinige Schuld an den Gegentreffern wollte er dann auch nicht übernehmen: «Bei dem Kopfball zuvor kriege ich den Ball gerade noch. Dass Robben dann in den Winkel schießt, ist sehr unglücklich. Beim zweiten Tor - da hat der Stürmer immer Bewegungsvorteile. Er hat mir durch die Beine geschossen, ich habe noch ein bisschen abgefälscht.» Während die WM-Aussichten von Wörns als erfahrener Partner der jungen Abwehrspieler Per Mertesacker und Robert Huth trotz der unglücklichen Partie weiter intakt sind, könnte Hamanns Rückkehr als Eintages-Ereignis schnell wieder enden. Auch wenn Ballack die Bedeutung der Routiniers unterstrich: «Wir haben eine sehr ruhige und junge Mannschaft, viele müssen noch in ihre Rolle 'reinwachsen. Da braucht man Stabilität.»
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