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Torhüter-Entscheidung erst kurz vor der WM

Nürnberg (dpa) - 26.06.2005, 18:32 Uhr

Jens Lehmann hat sich gegen Tunesien im Nezt verfangen.
Jens Lehmann hat sich gegen Tunesien im Nezt verfangen.

Jürgen Klinsmann wird die Torhüter-Rotation auch in der WM-Saison fortsetzen und sich erst unmittelbar vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft auf seine Nummer eins festlegen.

«Die Entscheidung wird kurz vor der WM fallen, im Mai 2006. Der Kampf wird offen bleiben», sagte der Bundestrainer nach der 2:3-Niederlage der deutschen Elf im Halbfinale des Confederations Cups gegen Brasilien. Klinsmanns Ankündigung kam insofern überraschend, weil Bundestorwart-Trainer Andreas Köpke bislang stets dafür plädiert hatte, den Zweikampf zwischen Oliver Kahn und Jens Lehmann nicht zu spät zu beenden. «Wir dürfen den richtigen Zeitpunkt nicht verpassen», warnte Köpke aus eigener bitterer Erfahrung. Vor der WM 1994 hatte sich der damalige Bundestrainer Berti Vogts erst vor der Abreise in die USA für Köpkes Konkurrenten Bodo Illgner als Nummer eins entschieden.

Das Duell zwischen Kahn und Lehmann hat nach Klinsmanns Ansicht keine negativen Auswirkungen auf die Leistungen der Rivalen - im Gegenteil: «Der Konkurrenzkampf ist stimulierend für den Leistungswettkampf. Alle drei Torhüter sind besser geworden in dieser Saison. Mit Timo Hildebrand wächst auch noch einer heran, der nach oben will», betonte Klinsmann. Natürlich sei es nicht einfach, mit der Rotation umzugehen, räumte er ein. Aber die Fortführung bis kurz vor WM-Start sei wichtig und richtig: «Was passiert, wenn sich ein Kahn oder Lehmann verletzten würde? Es darf nicht passieren, dass einer nicht im Rhythmus ist.»

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Beim Confed-Cup haben Kahn und Lehmann das Wechselspiel ohne großes Murren ertragen. An der aktuellen Rangfolge hat die Aufteilung der Turnierspiele unter den Keepern nichts geändert. «Kahn ist die Nummer eins, Lehmann der Herausforderer», betonte Klinsmann. «Mich kann nichts verunsichern. Wenn das die Philosophie des Trainerstabes ist, spielen wir das Spiel eben noch ein Jahr länger. Dabei ist die Entscheidung längst gefallen», sagte Kahn der «Bild-Zeitung». «Dass der andere Torwart auch mal spielt, ist doch normal.» Der Münchner geht jedoch davon aus, dass er «die großen und wichtigen Spiele machen soll».

Sein Rivale Lehmann hielt gegen Brasilien - wie schon zuvor beim 3:0 gegen Tunesien - fehlerlos. Bei den drei Gegentoren von Adriano (21./76.) und Ronaldinho (43./Foulelfmeter) war er machtlos. Trotzdem war er verärgert. «Ich bin ganz und gar nicht zufrieden, wenn ich drei Tore rein bekomme. Ich weiß nicht, wann das zuletzt passiert ist», sagte der Keeper von Arsenal London. In seinem 25. Länderspiel musste er erstmals drei Tore hinnehmen. Nur einmal waren es noch mehr: Beim Confed-Cup 1999 in Mexiko überwanden ihn die Brasilianer beim 0:4 sogar vier Mal. Pluspunkte konnte Lehmann nicht sammeln, wie er selbst meinte: «Meine persönliche Situation ist dann gut, wenn ich Spiele gewinne. Ich muss Ergebnisse holen.»


Nach zwei Wochen Turnierpause seit dem Australien-Einsatz und 90 unerfreulichen Minuten gegen Brasilien auf der Ersatzbank muss Kahn nun ausgerechnet das undankbare Spiel um Rang drei bestreiten. Der 36-Jährige bemühte sich darum, Gelassenheit zu demonstrieren. «Für mich ist das Spiel um Platz drei und vier jetzt auch nicht so problematisch. Es ist mein 80. Länderspiel. Es wäre natürlich schöner gewesen im Finale, aber ich nehme es jetzt einfach, wie es kommt.»

Vielleicht tröstete den Kapitän des FC Bayern über das verpasste Brasilien-Highlight hinweg, dass der Status quo unter den Keepern gewahrt blieb. Als WM-Generalprobe hat er das Turnier für seine Person ohnehin nie betrachtet. «Ich habe schon oft genug gezeigt, was ich kann. Ich glaube nicht, dass für mich der Confed-Cup der große Prüfstein geworden wäre», meinte der älteste deutsche Akteur.

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