«Für die Entscheidung von Berti Vogts haben wir Verständnis, weil er eine andere Zeitplanung hatte als wir», kommentierte Zwanziger höflich die Vogts-Absage. Der neue starke Mann im DFB hatte sich von Anfang an gegen die schnelle Wiederverpflichtung des einstigen Leitenden Angestellten ausgesprochen und erklärt, eine Entscheidung werde erst nach dem Confederations Cup im Sommer getroffen. Auf diese Hinhaltetaktik wollte sich Vogts nicht länger einlassen. «In den vergangenen Wochen erhielt ich einige Anfragen, konnte diese aber weder unbelastet prüfen noch Entscheidungen fällen, weil die Personalfrage beim DFB nicht geklärt war. Diese Situation entspricht nicht meinen Vorstellungen», erläuterte Vogts. Zwanziger verteidigte indes seine Marschroute, erst zur kommenden Saison werde die vakante Stelle besetzt. «Zunächst soll eine Entscheidung über das Sachkonzept fallen, bei einer Zustimmung werden erst danach die personellen Überlegungen vorangetrieben», so der 59-Jährige. Ebenso wie DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder hatte Zwanziger von Anfang an Bedenken geäußert, ob Vogts die Idealbesetzung für die neu zu schaffende Stelle ist. Mayer-Vorfelder bemängelte, Vogts sei nicht kommunikativ genug für diese Position. Zwanziger meinte, er wolle «eine knorrige Figur, die auch mal ein bisschen quer denkt und andere Ansätze findet». Schon die ersten Vorgaben der DFB-Führung hatten gegen Vogts gesprochen: Neben der Leitung des DFB-Trainerstabes, der Koordination der Leistungszentren und Sichtungsmaßnahmen solle der Technische Direktor auch in der Lage sein, bei einem Rücktritt des Bundestrainers die Nationalmannschaft zumindest übergangsweise zu führen. Vogts hatte nach der WM 1990 die Nachfolge von Teamchef Franz Beckenbauer angetreten, 1996 als Europameister seinen größten Erfolg gefeiert und war im Herbst 1998 als Bundestrainer auch nach internen Machtkämpfen zurückgetreten. Um Vogts' Zukunft macht sich Klinsmann trotz der geplatzten Rückholaktion keine Sorge. Er sei «überzeugt davon, dass er gute Perspektiven hat, bald eine attraktive Aufgabe zu übernehmen», meinte der Bundestrainer: «Vielleicht sehen wir ihn wieder bei der WM 2006 in der Betreuung einer anderen Nation?»
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