Özil ist kein Elefant - Aber: Kritik nach EM war «nicht fair»
Barsinghausen (dpa) - 05.09.2012, 15:42 Uhr
Mesut Özil beim Training in Barsinghausen. Foto: Peter Steffen
Mesut Özil fühlt sich beim Start in die WM-Qualifikation wie auf einer kleinen Urlaubsreise. Der stressige Alltag bei Real Madrid ist für den Ballzauberer vor dem Duell der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen die Färöer erst einmal weit weg. «Ich freue mich immer, hier zu sein», erzählt Özil. Alle Kollegen sprechen die gleiche Sprache. Er ist wieder zu Hause. Entspannt sitzt der Mittelfeldstratege im blauen Polo-Shirt auf dem Pressepodium, doch eine Sache will Özil klarstellen. Die Kritik in Deutschland nach der EM-Enttäuschung wurmt den 23-Jährigen wohl doch noch. «Natürlich waren wir sehr traurig, man erwartet immer hohe Leistungen. Aber zu sagen, im Halbfinale zu scheitern, dann ist alles negativ, das finde ich nicht fair.» Özil ist kein Elefant. In Spanien hat er gelernt, sich öffentliche Kritik nicht zu Herzen zu nehmen, Negatives nicht wie ein Dickhäuter im Gedächtnis zu speichern. «Ich weiß, was ich kann, und das ist das Wichtigste. Ich lese sowieso kaum; das lese ich nicht», sagt der früher Bremer über die sich wöchentlich ändernden Einschätzung seiner Leistungen im Madrider Blätterwald.
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Joachim Löw ist nicht bange, dass die schlechten deutschen Sommerrepliken sein größtes Techniktalent nachhaltig demotivieren. «Kritik hat es für uns alle gegeben, damit kann auch der Mesut gut umgehen», sagt der Bundestrainer. «Ich mache mir keine Sorgen um Mesut oder einen anderen Spieler. Der Mesut hat eine solch hohe Qualität, er hat sich bei Real durchgesetzt. Ich bin mir hundert Prozent sicher, dass es auch in dieser Saison so sein wird», betont Löw. Vom «grauen Özil» war in Spanien nach dem bescheidenden Saisonstart mit Real zu lesen. Nun hat der 39-fache Nationalspieler auch noch Millionentransfer Luka Modric als Stammplatzrivalen dazu bekommen. Alles kein Problem, meinen Özil und Löw. «José Mourinho weiß, dass er jede Position doppelt besetzen muss», sagt der Bundestrainer über die Personalpolitik von Özils Club-Trainer. In der Nationalmannschaft ist Özil auf dem Weg zur WM nach Brasilien 2014 ein fixer Kandidat. Bei der EM lief zwar längst nicht alles nach Wunsch. Immerhin schaffte es Özil aber bei der UEFA-Wahl zu Europas Fußballer des Jahres kürzlich auf Platz zehn - kein Deutscher war besser platziert. Bei seinem Wechsel vor drei Jahren nach Madrid hatte Özil sich selbst ein höheres Ziel gesetzt. Eine Millionenprämie ließ er sich in den Vertrag schreiben, sollte er eines Tages Weltfußballer werden.
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